Begleitgruppe „Werkstätte BLS“: Keine Vergleichbarkeit der Methoden möglich

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Der Gemeinderat der Stadt Bern fordert von der Begleitgruppe „Werkstätte BLS“ eine Prüfung von Allmendingen als möglicher Standort für einen Werkstattneubau. Er stützt sich dabei auf ein Zweitgutachten von Professor Dr. Ulrich Weidmann, ETH Zürich. Dieses Zweitgutachten hat die Methodik der BLS-Evaluation überprüft. Der Prozess der Begleitgruppe und die damalige Evaluation der BLS haben methodisch unterschiedliche Ansätze. Die Begleitgruppe nimmt das Gutachten und die Forderung des Gemeinderats zur Kenntnis.

Der Präsident der Begleitgruppe „Werkstätte BLS“, Bernhard Antener, wurde vorgängig an einer Sitzung mündlich über die Ergebnisse des Zweitgutachtens von Professor Dr. Ulrich Weidmann orientiert. Zu den Folgerungen des Gemeinderats Bern, abgeleitet aus dem durch die Stadt Bern finanzierten Zweitgutachten, ist aus Sicht der Begleitgruppe „Werkstätte BLS“ Folgendes anzumerken:

  • Der Prozess der Begleitgruppe und das seinerzeitige BLS-Evaluationsverfahren für einen Werkstattneubau haben methodisch unterschiedliche Ansätze.
  • Das Zweitgutachten von Professor Weidmann hat die von der BLS angewendete Methodik überprüft. Die Begleitgruppe hat für ihre Standortsuche die damals von der BLS verwendeten Vorgaben, Bewertungskriterien und Gewichtungen zum Teil fundamental geändert. Um ein Beispiel zu nennen: Die Begleitgruppe hat das Kriterium „Landschaftseignung“ neu für die Beurteilung möglicher Standorte aufgenommen. Das Kriterium basiert auf Überlegungen des Bundesamts für Umwelt (BAFU), Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) und der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.
  • Die Begleitgruppe ist heterogen zusammengesetzt. Sie hat nicht nur bahntechnische Aspekte, in denen sie sich durch Experten unterstützen lässt, im Blick. Vielmehr bringt sie viele unterschiedliche Sichtweisen und Fachkompetenzen in die Diskussion und den Prozess ein.
  • Deshalb können das seinerzeitige BLS-Evaluationsverfahren – das nun von Professor Dr. Weidmann überprüft und weitestgehend als nachvollziehbar und korrekt bezeichnet worden ist – und der Prozess der Begleitgruppe nur bedingt verglichen werden.
  • Der bereits im BLS-Verfahren gut positionierte Standort Allmendingen hat auch bei der Beurteilung durch die Begleitgruppe gut abgeschnitten – gemeinsam mit einem Standort in den Freiburger Gemeinden Schmitten, Düdingen und Bösingen. Diese zwei Standorte wurden in der Schlussrunde der Grobbewertung ausgeschieden.
  • Beide oben genannten Standorte hat die Begleitgruppe in der Diskussion als „Insellösungen“ im Grünen ohne Nähe zu einer Siedlungsstruktur bewertet. Solche Standorte würden die Zersiedlung fördern, was dem übergeordneten Ziel einer konzentrierten Raumentwicklung widerspricht. Zudem erzielten beide Standorte bei der Landschaftseignung nicht bessere Werte als der Referenzstandort „Bern-Riedbach“.
  • In der gegenwärtig laufenden Feinbeurteilung werden Standorte im Westen Berns, in Konolfingen und Thun einer genaueren und detaillierten Prüfung unterzogen. Die von der Stadt genannten Standorte Bern-Brünnen und Bern-Niederbottigen weisen eine Nähe zu Siedlungsstrukturen auf. Mögliche siedlungsfernere Standorte in Bern-Chlyforst würden teilweise Waldparzellen beanspruchen und sich „besser in die Landschaft einordnen lassen“. Als Referenzstandort – an dem alle andern Standorte gemessen werden – wird auch Bern-Riedbach feinbewertet.

Die Begleitgruppe ist an den Erkenntnissen von Professor Dr. Weidmann interessiert. An einer Sitzung wird sich das Gremium durch Professor Dr. Weidmann orientieren lassen und über das weitere Vorgehen befinden.

Entwicklungsschwerpunkt Thun-Nord
Im Fokus der Begleitgruppe stehen neben möglichen Standorten im Westen Berns die Standorte Konolfingen und Thun. In Thun prüft die Begleitgruppe, ob eine Werkstattanlage in einem Teil des Entwicklungsschwerpunkts (ESP) Thun-Nord rein technisch überhaupt machbar wäre. Diese Abklärungen sind noch nicht abgeschlossen. Ergänzend laufen auf Ebene Kanton Bern und Bund politische Abklärungen zu diesem Standort. Die Stadt Thun lehnt eine Werkstatt in diesem Gebiet ab.

Die Arbeiten der Feinbewertung werden im Herbst abgeschlossen.

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Erstellt: 8. Jul 2016 @ 13:45

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