SBB vermarktet die Region St. Gotthard schweizweit

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Visualisierung eines für den zukünftigen "Gotthard Panorama Express" gestalteten SBB Panoramagens. / Quelle: SBB CFF FFS

Die SBB bewirbt die sagenumwobene Region St. Gotthard im Herzen Europas neu mit einer nationalen Kampagne. Für die SBB ist es eine Premiere, eine gesamte Region verstärkt als Tourismusregion zu etablieren. Auch nach der Inbetriebnahme des neuen Gotthard-Basistunnels im Dezember 2016 wird die SBB die historisch bedeutsame Gotthard-Bergstrecke im Stundentakt bedienen. Zusätzlich fährt ab Ostern 2017 der Gotthard-Panorama-Express, ein touristischer Zug mit den beliebten Panoramawagen.

Mit Slogans wie „Erfahren Sie Geschichte“ oder „Atmen Sie Pionierluft“ bewirbt die SBB im Juli und August 2016 die geschichtsträchtige Region St. Gotthard schweizweit in Bahnhöfen, Zügen und ausgewählten Publikationen. Mit Fotomontagen werden der Mythos Gotthard und die bewegte Geschichte der Region dargestellt. Basis für das Engagement ist das 2015 erhaltene Mandat des Programms San Gottardo 2020 (Gemeinschaftsprojekt der Kantone Uri, Tessin, Wallis und Graubünden), die Vermarktungsaktivitäten für die Region St. Gotthard zu koordinieren. Gemeinsam mit lokalen Partnern werden die verschiedenen touristischen Angebote der Region sowie die Marke St. Gotthard noch stärker vernetzt, neue Produkte entwickelt und über nationale und internationale Kanäle vermarktet. Leistungsträger und Tourismusorganisationen können ihre Angebote unter dem Dach „www.sbb.ch/Gotthard“ vermarkten. Dort finden Interessierte neben Ausflugstipps und Blogs auch Angebote und Neuigkeiten zur Region.

Weiterhin Stundentakt auf Gotthard Bergstrecke
Nach der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels im Dezember 2016 wird ein grosser Teil der Reisenden die schnellen Verbindungen durch den neuen Tunnel wählen. Deshalb ist eine gezielte Vermarktung der Region St. Gotthard wichtig – dazu gehört auch die Bergstrecke. Dort fährt die SBB weiterhin im Stundentakt. Zwischen Erstfeld und Bellinzona verkehren künftig stündlich Regioexpress-Züge, die alle zwei Stunden bis Lugano und teilweise sogar bis Mailand verlängert werden. Neben den aktuellen Haltestellen hält der Regioexpress künftig auch in Ambrì-Piotta und Lavorgo. Die heute verkehrenden Interregio-Kompositionen sind für den zukünftigen Verkehr auf der Bergstrecke deutlich zu gross. In Zeiten mit starker Nachfrage (am Wochenende im Sommer und Winter) werden jedoch einzelne Interregio-Züge aus Basel und Zürich weiterhin bis Göschenen geführt. Von Ostern bis Ende Oktober wird zudem an Wochenenden morgens eine Direktverbindung von Zürich via Göschenen und Airolo bis Bellinzona und abends wieder zurück angeboten. Damit wird die Region St. Gotthard und die Leventina vor allem für Wanderer, Velofahrer und Tagesausflügler gut erschlossen. Für angemeldete Gruppen mit Velos wird die SBB die bestehende Komposition mit einem Gepäckwagen ergänzen.

Der Gotthard-Panorama-Express ist ein zusätzliches touristisches Angebot ab Ostern 2017 mit Panoramawagen zwischen Flüelen und Lugano, kombiniert mit einer Dampfschifffahrt über den Vierwaldstättersee ab Luzern. Der Gotthard Panorama Express ist mit anderen Angeboten abgestimmt: In Bellinzona besteht Anschluss zu den Eurocity von und nach Mailand, in Flüelen zu den Schiffen auf dem Vierwaldstättersee und über Göschenen bzw. Andermatt kann die Reise mit dem Glacier Express kombiniert werden.

Pro Bahn: Angebot am Gotthard – SBB mit kalten Füssen
Die SBB will die Region St. Gotthard mit einer nationalen Kampagne bewerben und dazu beitragen, dass diese Region auch nach der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels noch mehr als bisher aufgesucht wird. Pro Bahn Schweiz, die Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs begrüsst Anstrengungen, welche eine nachhaltige touristische Entwicklung der betroffenen Gebiete ermöglichen. Allerdings stellt sich da die Frage, wie dieses Ziel mit der vorgesehenen, schlechten Erschliessung per Bahn erreicht werden soll.

Guter Vorsatz – schlechte Lösung
Es ist löblich, dass die Gotthard-Bergstrecke weiterhin im Stundentakt erschlossen und auf der Südseite auch noch Ambri-Piotta und Bodio bedient werden. Das geschieht mit unbegleiteten Vorortstriebzügen, die einen reduzierten Erste-Klasse-Komfort (ohne Preisreduktion!) aufweisen und die Reisenden in Erstfeld zum Umsteigen zwingen. Pro Bahn Schweiz bleibt dabei: Das Angebot der SBB ist lieblos, unkomfortabel und widerspricht den Grundsätzen von Bahn 2000, welche möglichst viele umsteigefreie Verbindungen vorsehen.

Wettbewerb soll spielen
Die Forderungen von Pro Bahn Schweiz bleiben die gleichen: Der bisherige IR-Komfort auf der Bergstrecke muss mit den zusätzlichen Halten in der Leventina beibehalten werden. Ist die Frequenz zu gering, können Wagen abgehängt werden. Das spart Energie. Wenn andere Bahnen bessere Konzepte anbieten, sollen sich die SBB dem Wettbewerb stellen und der Bessere soll gewinnen. Das mag zwar kalte Füsse geben, zwingt aber zu kundenfreundlicherem Verhalten. Erste Ansätze lassen sich zwar ausmachen: Zum einen die neu lancierte Kampagne, der Verlängerung einzelner IR- Züge bis Göschenen bei Bedarf (nur weiss man nicht genau, wann) und im Sommerhalbjahr am Wochenende zwei Züge von Zürich nach Bellinzona und zurück. Dazu kommt noch der Gotthard Panorama Express, der auch nur zeitweise verkehrt. Das sind Ansätze, die nicht ausreichen. Pro Bahn Schweiz fordert deshalb, dass die bisherigen IR-Züge weiterhin mindestens bis Bellinzona (noch besser bis Locarno) verkehren.

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Erstellt: 13. Jul 2016 @ 13:52

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