Der Regierungsrat des Kantons Zürich hat die geplante Anpassung des Tarifs des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) genehmigt. Die Ticketpreise im ZVV erhöhen sich im Dezember 2016 um durchschnittlich 3 Prozent. Angebotsausbauten, erhöhte Trassenpreise, neue Vorgaben des Kantonsrates zur Kostenunterdeckung sowie die Leistungsüberprüfung 16 des Regierungsrates machen diese Anpassung erforderlich.

Das Angebot und die Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich wurden in letzter Zeit markant ausgebaut. Die Einnahmen durch zusätzliche Fahrgäste können die entstehenden Mehrkosten nicht alleine decken. Hinzu kommt eine weitere Erhöhung der Trassenpreise für die Benützung der schweizerischen Eisenbahninfrastruktur. Der Kantonsrat hat Anfang Jahr beschlossen, dass der Kostendeckungsgrad des ZVV weiter gesteigert werden soll. Zudem soll der ZVV im Rahmen der Leistungsüberprüfung 16 des Regierungsrates einen Beitrag leisten. Aus diesen Gründen ist eine massvolle Steigerung der Tarife um durchschnittlich 3 Prozent erforderlich.

Positive Vernehmlassung
Im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens konnten sich die Gemeinden, die regionalen Verkehrskonferenzen und die marktverantwortlichen Verkehrsunternehmen zu den geplanten Tarifmassnahmen äussern. 95 Prozent jener, die davon Gebrauch gemacht hatten, stimmten dem Verbundtarif 2017 (ohne ZSG-Schiffszuschlag) zu. Dem ZSG-Schiffszuschlag haben in der Vernehmlassung über drei Viertel zugestimmt.

Auch Preise für kurze Strecken steigen
Nachdem Einzelbillette und Multikarten der Tarifstufen Lokalnetz und Kurzstrecke bei den letzten beiden Tarifanpassungen geschont wurden, werden die Preise im Einzelticketsortiment dieses Mal auf allen Tarifstufen angehoben. Die Preise der Jahresabonnemente steigen stärker als jene der Monatsabonnemente. Der Preis des 9-Uhr-Tagespasses bleibt unverändert. Der Rabatt, den Junioren im ZVV bisher auf Mehrfahrtenkarten und Tageswahlkarten erhielten, wird aufgehoben. Auf Monats- und Jahresabonnemente gibt es für Junioren aber weiterhin rund 27 Prozent Ermässigung auf die Preise der Abonnemente für Erwachsene.

Zuschlag auf dem Zürichsee
Für alle Kurse der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) auf dem Zürichsee und der Limmat ist ab dem Fahrplanwechsel nebst einem regulären Ticket ein Zuschlag von 5 Franken pro Kalendertag nötig. Der Regierungsrat hat den ZVV im Rahmen der Leistungsüberprüfung 16 mit dieser Massnahme beauftragt, da sich der ZVV an der finanziellen Beteiligung des Kantons Zürich am nationalen Bahnfinanzierungsfonds (BIF) beteiligen soll. Für Pendlerinnen und Pendler werden persönliche Monats- und Jahreszuschlagskarten angeboten. Aufgrund der Stellungnahmen, die beim ZVV zum ZSG-Schiffszuschlag eingegangen waren, wurden die Preise für die Zuschlagskarten im Vergleich zu den ursprünglich geplanten Preisen substanziell reduziert. Die Jahreszuschlagskarte kostet 150 Franken (Erwachsene) respektive 90 Franken (Junioren), die Monatszuschlagskarte 25 Franken (Erwachsene) resp. 15 Franken (Junioren).

Pro Bahn: Höher hinaus
Der Zürcher Regierungsrat hat das Ausmass der Preiserhöhungen beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) bekannt gegeben. Er schreibt dabei von einer moderaten Preiserhöhung und insbesondere sollen die Preise für Kurzstrecken erhöht werden.

Die Sektion Zürich von Pro Bahn Schweiz lehnt diese Massnahme ab, denn beim individuellen Verkehrsmittel sinken die Preise oder sie bleiben gleich, obwohl auch Strassen immer wieder ausgebaut werden. Die Begründung des Ausbaus des Angebots im öffentlichen Verkehr kommt deshalb recht scheinheilig daher.

Gerade die Preiserhöhung im Kurzstreckenbereich wird die Leute dazu anhalten, abends für Veranstaltungsbesuche das eigene Auto zu verwenden. Erstens hat es dann weniger Verkehr, zweitens geht es schneller und drittens kann dann anstelle des Fahrpreises gleich eine Konsumation genehmigt und die Gemütlichkeit gepflegt werden. Die Busse werden in den Nebenverkehrszeiten noch leerer herumfahren.

Seefahrt nicht mehr so lustig
Die Einführung des Schiffszuschlags auf dem Zürichsee ist einerseits einsehbar, werden doch auf allen andern Schweizer Seen Zuschläge erhoben, welche weit über denjenigen des ZVV hinausgehen. Auf der anderen Seite werden damit auch die Pendlerinnen und Pendler bestraft, welche das Schiff täglich für den Weg zur Arbeit benutzen. Wohl ist der Zuschlag abgefedert worden, die Arbeitswegverteuerung aber bleibt.

Zürcher Parlament als Preistreiber
Von einer Beruhigung an der Tariffront kann übrigens keine Rede sein. Weitere Preiserhöhungen werden folgen, obwohl ZVV und Transportunternehmungen seit Jahren dank einer effizienten Betriebsführung dazu beitragen, den Kostendeckungsgrad laufend zu erhöhen. Dies kümmert aber die Parlamentarier und Parlamentarierinnen von SVP, FDP, CVP, und BDP im Zürcher Kantonsrat wenig bis gar nichts. Sie wollen noch mehr und insbesondere einen noch höheren Kostendeckungsgrad, was nichts Anderes als entweder Leistungseinbussen oder noch höhere Preise bedeutet.

Die eigentlichen Preistreiber sind also weder der ZVV noch der Regierungsrat, vielmehr sind es Volksvertreterinnen und Volksvertreter, welche nur den Steuerfuss im Kopf haben. Wählerinnen und Wähler sollten sich 2019 daran erinnern.

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Erstellt: 21. Jul 2016 @ 12:36

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