SUST-Schlussbericht zur Stufenschalterexplosion der BLS Re 425 169 am 8. August 2016 auf Lötschberg-Südrampe

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Die durch den Brand am Lötschberg am 8. August 2016 lädierte BLS Re 425 169 "Bönigen" am 13. September 2016 im Areal der Werkstätte Spiez, kurz vor der Überführung in den Abbruch. / Quelle: Bernhard Ledermann

Ein mit einer Doppeltraktion an der Spitze und einer Schiebelokomotive am Schluss bespannter Güterzug fuhr am Abend des 8. August 2016 von Domodossola nach Spiez. Kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Hohtenn (VS) kam es in der zweiten Lokomotive, der BLS Cargo Re 425 169 „Bönigen“, zu einer Explosion und der Maschinenraum geriet zwischen Ausserberg und Hohtenn in Brand.

Die Lok beförderte zusammen mit der Re 425 170 und der Schiebelok Re 465 002 den Güterzug 48610 auf der Lötschberg-Südrampe, als es zur Explosion des Stufenschalters kam.

In einer ersten Handlung wurde die Lok laut BLS vom Zug abgehängt und vorgezogen. Erster bekannter Aufenthaltsort war dann das Einfahrsignal D253 Hohtenn bei km 55.400. Der effektive Zugstandort, als es zum Zwischenfall kam, dürfte ca. bei ca. km 59.000 liegen.

Aufgrund des Vorfalles kam es zu einer rund 3 km-langen Ölspur zwischen Ausserberg und Hohtenn. Die Oelspur begann noch vor dem Spurwechsel „Rarnerkumme“, bei Bahn-km 57.511 bis 57.067.

Lok wird nicht repariert
Bei der Re 425 169 „Bönigen“ brannte der Maschinenraum vollständig aus. Die BLS entschied daher, die Lok nicht mehr zu reparieren und auszurangieren.

Untersuchung
Der Unfall ereignete sich um ca. 20:20 Uhr. Die Meldung traf am 8. August 2016 um 21:40 Uhr bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) ein.

Nach Löscharbeiten wurde die Lokomotive am 9. August 2016 in die BLS-Werkstatt in Spiez überführt, wo sie durch die SUST inspiziert wurde. Nach der Inspektion der Lokomotive eröffnete die SUST eine Untersuchung.

Für die Untersuchung standen folgende Grundlagen zur Verfügung:

  • Fotos der Unfallstelle;
  • Bestandsaufnahme in der BLS-Werkstatt Spiez;
  • Befragung der Beteiligten;
  • Fahrdaten;
  • Elektroschemata Lokomotive Re 425;
  • Dokumentation des Stufenschalterunterhalts;
  • Diverse Auszüge aus dem ERP-System der BLS;
  • Diverse SUST-interne Aktennotizen betreffend Stufenschalterexplosionen auf den Lokomotiven Re 420 und Re 620 der SBB;
  • Untersuchung durch die Ecole des sciences criminelles de l’Université de Lausanne (ESC), beauftragt durch die SUST für den Vorfall in Fiesch vom 8. März 2016 (Schlussbericht Reg.-Nr.: 2016030803);
  • Gutachten ESC Lausanne.

Ursachen
Die Explosion mit anschliessendem Brand im Maschinenraum der Lokomotive ist auf einen Defekt des Hochspannungsstufenschalters des Typs NO 32/4 zurückzuführen.

Sicherheitsempfehlungen und Sicherheitshinweise
Mit dem Schlussbericht wurde eine Sicherheitsempfehlung ausgesprochen.

Bernhard Ledermann zur Geschichte der BLS Re 425 169 „Bönigen“
Bei der am 28. Juli 1970 von der BLS übernommen Lokomotive Re 425 169 „Bönigen“ handelte es sich um die einzige Lokomotive dieser mit 35 Einheiten umfassenden Serie, welche die Original-Bremswiderstände behielt. Alle braunen Re 4/4 wurden mit sogenannten Schaufelwiderstände abgeliefert.

1988 beschloss die BLS die anfällig gewordenen Schaufelwiderstände durch Kanthal-Bremswiderstände aus Frankreich zu ersetzen. Die erste Lokomotive mit diesen optisch eckiger aussehenden Widerstände war die Re 4/4 170, welche am 1. Juli 1988 die Werkstätte Spiez nach ihrer ersten Hauptrevision (R3) verliess. Bis Ende 1997 wurden die Re 4/4 161-165 und 170-182/184-189 während den fälligen Hauptrevisionen (R3) sowie die Re 4/4 166-168, 183 und 190-195 während den fälligen R2 mit den neuen Bremswiderständen ausgerüstet.

Am 1. Juli 1999 verliess die Re 4/4 169, welche 1988 auf den Namen Bönigen getauft wurde, nach ihrer zweiten R2 die Werkstätte Spiez mit einem neuen matten Aussenanstrich, jedoch weiter mit den damals 29-jährigen Schaufel-Bremswiderständen. Warum sie keine neuen Bremswiderstände erhielt, konnte nie in Erfahrung gebracht werden.

Während ihren 46 Jahren durchlief diese Maschine insgesamt fünf Revisionen in der Werkstätte Spiez. Es waren diese nach Kastenanschriften die folgenden:

  • R2 20.09.1977
  • R3 31.03.1988
  • R2 01.07.1999
  • R1 29.04.2005
  • R1 25.02.2011

Doch wollen wir auch in Zukunft Freude an den „Braunen“ der BLS haben, sie sind weiterhin vor Transitgüterzüge im Einsatz, sei dies als Vorspann- oder Schiebelokomotive, sowie natürlich am Autoverlad.

Info

Erstellt: 14. Aug 2016 @ 09:06

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