Die SBB konkretisiert die Anfang 2016 angekündigte Neuausrichtung der Bahngastronomie. Die Speisewagenflotte der SBB wird in den nächsten Jahren modernisiert und weiter ausgebaut: Im 1.-Klass-Wagen nach dem Speisewagen wird eine Cateringzone mit Service am Platz eingeführt und das Take-Away-Angebot wird erweitert. Ab 2021 werden über 120 SBB Speisewagen im Einsatz sein und über ein Catering-Angebot mit hoher Verlässlichkeit und Qualität verfügen. Die Zusammenarbeit mit Starbucks wird weiter entwickelt und mit zusätzlichen Partnern ergänzt.

In den vergangenen Jahren haben sich die Kundenbedürfnisse und Essgewohnheiten unterwegs laufend verändert. Das schnell wachsende Verpflegungsangebot an Bahnhöfen führt zu sinkendem Umsätzen beim Bahncatering, insbesondere bei der Minibar. Deshalb hat die SBB Anfang 2016 eine Neuausrichtung beschlossen. Auch nach dieser wird die Bahngastronomie keinen Gewinn generieren; aber der Verlust wird mit einem einstelligen Millionen-Betrag deutlich tiefer ausfallen als heute. Die SBB ist bereit, den Kunden diesen Service trotz Verlust anzubieten.

Inzwischen hat die SBB die Neuausrichtung konkretisiert; die Details wurden am 28. September 2016 in Zürich HB den Medien vorgestellt. Das Konzept basiert auf dem Service-Versprechen, in allen Intercity- und Eurocity-Zügen der SBB ein zuverlässiges Catering-Angebot anzubieten. Zudem wird das Take-Away-Angebot ausgebaut sowie der Service am Platz im ersten 1.-Klass-Wagen nach dem Restaurant (Cateringzone) eingeführt.

Starke Partner als zentrale Erfolgsfaktoren
Bei der Umsetzung des neuen Konzeptes setzt die SBB auf die Zusammenarbeit mit leistungsfähigen Qualitätspartnern. Ausgewählt wurden Marken, welche bei den Kunden in der Schweiz für hohe Qualität stehen und geschätzt werden. Auch die Zusammenarbeit mit Starbucks wird in veränderter Form weitergeführt: In Zukunft werden nur noch Heissgetränke von Starbucks ausgeschenkt, diese sind bei den Kunden besonders begehrt. Bei den EC-Zügen nach Mailand – Venedig könnte auch zukünftig ein italienischer Kaffee-Brand statt den Produkten von Starbucks vertreten sein. Für das Biersortiment wurden beliebte Marken wie Ittinger und Calanda ins Sortiment aufgenommen und für den Wein fiel die Wahl auf den Partner Mövenpick. Für die Zukunft wird die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern geprüft. Darüber hinaus wurde auch die Speisekarte für den Speisewagen und das Take-Away vollständig überarbeitet.

Start mit zwei Speisewagen, schrittweise Einführung
Das neue Konzept wurde ab 30. September 2016 auf einem ersten Speisewagen umgesetzt. Der zweite folgte etwa eine Woche später. Die beiden bestehenden Starbucks-Speisewagen sind entsprechend angepasst worden, ein dritter wurde extra umgebaut und dient als Ersatz. Diese Wagen verkehren wie bisher auf der Ost-West-Achse. Ziel ist es, nach der Lancierung möglichst viele Erfahrungen zu sammeln. Dazu werden die Kunden aktiv mit einbezogen. So können Angebot und Prozesse zukünftig noch gezielter auf deren Bedürfnisse ausgerichtet werden. Für den Service in der Cateringzone testet die SBB in den beiden Wagen eine spezielle Bestell-App.

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Ab Dezember 2017 erfolgt Schritt für Schritt die Einführung des neuen Catering-Konzeptes auf der gesamten Speisewagen-Flotte der SBB. Diese wird mit der Beschaffung der neuen Züge – dem Fernverkehrs-Doppelstockzug und dem Giruno – von heute rund 90 Speisewagen auf über 120 im Jahr 2021 ansteigen. Die SBB konzentriert sich künftig auf die Gastronomie in den Speisewagen und in der Cateringzone: Sie steigt deshalb ab Ende 2017 schrittweise aus dem Minibargeschäft aus.

Organisationsanpassungen und neues Bahngastronomie-Konzept bei Elvetino: SEV fordert faire Chance für alle Railbar-Stewards
Bei Elvetino wird CEO Wolfgang Winter per 1. Oktober neu auch Leiter Verkauf Schweiz. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV nimmt diese Anpassung positiv zur Kenntnis und fordert von Elvetino, dass sie bei der Umsetzung des neuen Cateringkonzeptes allen 200 Railbar-Stewards eine faire Chance auf Weiterbeschäftigung bietet.

Der SEV erwartet, dass die Mitarbeitenden unter der neuen Verkaufsleitung wieder vermehrt über Motivation, Schulung und Coaching geführt werden sollen statt nur mit Kontrollen und disziplinarischen Massnahmen. Dass die Fehler- und Angstkultur abgeschafft werden soll, begrüsst der SEV sehr. Er hat diese Art der Führung seit Jahren kritisiert und anhand von Beispielen auch aufgezeigt, dass sie nicht zielführend ist.

Was sodann das neue Bordgastronomie-Konzept betrifft, das Elvetino in diesem Monat offiziell umzusetzen beginnt, erwartet der SEV von der 100-prozentigen SBB-Tochter, dass sie wie versprochen ihre soziale Verantwortung gegenüber ihrem Personal wahrnimmt.

Das Konzept sieht bekanntlich vor, dass bis Ende 2017 alle Railbars aus den Zügen verschwinden sollen, indem sie durch mehr Speisewagen mit Selbstbedienungszonen sowie durch Bedienung am Platz in Teilen der ersten Klasse ersetzt werden. Damit verlieren die zurzeit rund 200 Railbar-Stewards ihre Stelle, doch hat Elvetino garantiert, ihnen allen eine alternative Stelle anzubieten.

Railbar-Stewards haben Anrecht auf Umschulung
„Wir erwarten von Elvetino, dass sie alle Betroffenen unter Berücksichtigung deren individuellen Bedürfnisse an ihre neue Aufgabe heranführt“ , betont SEV-Gewerkschaftssekretärin Regula Bieri. „Alle müssen eine faire Chance erhalten, die verlangten Verkäuferfähigkeiten und Sprachkenntnisse zu erwerben.“

Somit hofft der SEV, dass sich mit dem neuen Konzept und der neuen Führung eine positive Zukunft für die Bahngastronomie ergibt und damit sichere Arbeitsplätze.

Bahngastronomie ist ein Service public
Nach wie vor bedauert der SEV aber das Verschwinden der Railbars aus den Zügen, da er nicht überzeugt ist, dass das neue Konzept der Kundschaft in der 2. Klasse einen ebenbürtigen Service bringt, insbesondere auf langen Strecken.

Klar ist für den SEV, dass ein Bordgastronomieservice zum Kundenservice der Bahn gehört und dass dieser kaum selbsttragend sein kann und muss.

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Die SBB konkretisiert die Anfang 2016 angekündigte Neuausrichtung der Bahngastronomie. Die Speisewagenflotte der SBB…

Posted by Bahnwelt im Internet on Mittwoch, 28. September 2016

Elvetino AG
Die Elvetino AG ist zu 100% eine Tochtergesellschaft der SBB AG. Das Bahngastronomieunternehmen ist in der Schweiz sowie in Deutschland, Frankreich und Italien tätig. Mit dem Hauptsitz in Zürich und einer Niederlassung in Paris beschäftigt die Elvetino AG europaweit ca. 1000 Mitarbeitende.
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Erstellt: 28. Sep 2016 @ 16:59

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