Auto oder öV? Die Preis- und Kostenentwicklung fällt stärker denn je zu Ungunsten des öffentlichen Verkehrs aus

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Relative Preis- bzw. Kostenentwicklung seit 1990 analog zur früheren Untersuchung der PUE bis 2013, aktualisiert für 2016. / Quelle: Preisüberwachung PUE

Eine Untersuchung des Preisüberwachers aus dem Jahre 2013 hat gezeigt, dass der öffentliche Verkehr seit 1990 gegenüber dem Privatverkehr in preislicher Hinsicht an Boden verloren hat. Betrachtet man die Situation heute, haben sich die Unterschiede nochmals vergrössert. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) hat seit 2013 von sinkenden Treibstoffpreisen sowie tieferen Neuwagenpreisen profitiert und ist damit im Vergleich zur allgemeinen Teuerung sogar günstiger geworden. Währenddessen steigen die Preise der Bahn auch im Vergleich zur allgemeinen Teuerung weiter stetig an.

Die Preisüberwachung hat die Entwicklung der Fahrkosten und Preise im Strassen- und Schienenverkehr von 1990 bis 2013 bereits früher analysiert und vorliegend nun aktualisiert.

Die erste Untersuchung aus dem Jahr 2013 kam zum Schluss, dass sich die Fahrkosten des Strassenverkehrs seit 1990 teilweise sogar unter der allgemeinen Teuerung entwickelten. Die Fahrkosten des Schienenverkehrs im Vergleich dazu stiegen in diesem Zeitraum stetig an. Betrachtet man die Preisentwicklung zwischen 2013 und heute, hat sich die Situation sogar weiter deutlich verschärft.

Der Schienenverkehr hat gegenüber dem Strassenverkehr seit 2013 nochmals klar an Boden und an Attraktivität verloren. Zu denken gibt vor allem, dass die Preisentwicklung im Schienenverkehr offensichtlich kaum durch Entwicklungen des wirtschaftlichen Umfelds wie die (Negativ-)Teuerung oder den Frankenkurs beeinflusst wird. Die divergierende Preis- bzw. Kostenentwicklung bei der Transportmittelwahl steht im Widerspruch zu den Mobilitätszielen des Bundes, welche einen grösseren Anteil des öffentlichen Verkehrs (Modal Split) erwarten.

VCS zur Studie des Preisüberwachers zu steigenden öV-Preisen
Die Studie des Preisüberwachers zu Preisen im öV und auf der Strasse zeigt deutlich, dass Autofahren immer günstiger und der öffentliche Verkehr laufend teurer wird. Damit droht eine Rückverlagerung auf die Strasse.

Die Studie des Preisüberwachers bestätigt, was der VCS Verkehrs-Club der Schweiz seit Jahren sagt: Bahnfahren wird teurer, Autofahren dagegen billiger. Die Preise des öffentlichen Verkehrs sind in den letzten 10 Jahren um 30 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist der Preis fürs Autofahren günstiger geworden. In diesen Zusammenhang sind auch die Preiserhöhungen per Dezember 2016 zu setzen. So ist es zu begrüssen, dass unter anderem das Halbtax-Abo, Gleis 7 und Fahrten durch den neuen Gotthard-Basistunnel nicht teurer werden. Die Preissteigerung ist nachvollziehbar, weil die Trassenpreise steigen. Aber: Der VCS fordert, dass die Preisspirale ein Ende hat, denn es droht die Rückverlagerung auf die Strasse. Die vom Bundesrat propagierte „Nutzerfinanzierung“ hat eine Höhe erreicht, die nicht überschritten werden darf. „Das Preisniveau im öffentlichen Verkehr in der Schweiz hat mittlerweile ein so hohes Niveau erreicht, dass es sich viele nicht mehr leisten können. Geht die Entwicklung so weiter, haben wir die beste Eisenbahn der Welt –und niemand fährt mit“, befürchtet die Co-Geschäftsführerin des VCS, Caroline Beglinger.

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