SUST-Bericht zur Entgleisung einer Rangierbewegung im Anschlussgleis in Schönbühl-Urtenen

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Blick auf die am 22. August 2016 in Schönbühl-Urtenen entgleisten Wagen. Rot eingezeichnet ist die Fahrtrichtung der Rangierbewegung. / Quelle: SUST

Am 22. August 2016 wurden in Schönbühl, in der Anschlussgleisanlage Migros, diverse Rangierbewegungen ausgeführt. Dabei wurde die Handweiche 49 mehrfach befahren. Um ca. 11:45 Uhr entgleiste eine indirekt geführte Rangierbewegung bei der Fahrt Richtung Anschlussgleisanlage Migros auf der Handweiche 49. Der in Fahrtrichtung erste Wagen befuhr die Weiche ohne Komplikationen. Der zweite und dritte Wagen entgleisten mit beiden Achsen, der vierte Wagen mit einer Achse. Der fünfte und sechste Wagen waren von der Entgleisung nicht betroffen. Durch die Entgleisung entstanden Schäden an den Zug- und Kupplungsvorrichtungen der betroffenen Wagen und an der Infrastruktur. Es wurden keine Personen verletzt.

Feststellungen
Beim Eintreffen der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) befand sich die Handweiche 49 in einer Zwischenstellung und die Plombe des Weichenhebels war beschädigt. Dies sind Anzeichen, dass die Weiche vorgängig aufgeschnitten worden ist. Gemäss Aussagen der beteiligten Mitarbeiter musste die Handweiche 49 am Ereignistag nicht umgestellt werden. Da die Weichenlaterne die korrekte Stellung anzeigte und die Weichenzunge sich in der richtigen Lage befand, konnten die beteiligten Mitarbeitenden nicht erkennen, dass die Weiche nicht in korrekter Endlage war.

Die Anschlussgleisanlage Migros wird täglich befahren. Die Gleisanlage befindet sich in einem gut unterhaltenen Zustand, die Instandhaltungsarbeiten werden regelmässig ausgeführt und protokolliert. Bei der Kontrolle der benachbarten Weichenhebel fiel auf, dass neben der Weiche 49 auch die Plomben der Weichen 40 und 41 beschädigt waren.

Das Aufschneiden von Weichen kann betriebsgefährdende Folgen haben. Deshalb ist in den Schweizerischen Fahrdienstvorschriften (FDV R 300.9, Ziffer 4.6) das Verfahren nach einer Weichenaufschneidung geregelt. Diese Bestimmungen und die firmeninternen Prozesse sind den Mitarbeitenden der Migros bekannt.

Schlussfolgerung
Aufgrund der Spuren liegt die Ursache der Entgleisung darin, dass sich die Weiche 49 in einer Zwischenstellung befand. Der Weichenverschluss der Weiche war nicht richtig eingerastet und verriegelt. Durch die Vibrationen beim mehrmaligen Befahren der Weiche löste sich die Zunge von der Stockschiene.

Die Entgleisung ereignete sich in der Anschlussgleisanlage der Migros. Aufgrund der geringen Geschwindigkeit (maximal 10 km/h) und der Distanz zu den Betriebsgleisen der SBB ist das Schadenpotenzial verhältnismässig gering. Die SUST verzichtet deshalb, gestützt auf Art. 29 Abs. 1 der Verordnung über die Sicherheitsuntersuchung von Zwischenfällen im Verkehrswesen (VSZV) auf weitere Untersuchungshandlungen und schliesst die Untersuchung gem. Art. 45 VSZV mit diesem summarischen Bericht ab.

Beteiligte Fahrzeuge:

  • Rangierkomposition bestehend aus einem Schienentraktor (Tm 523 der Genossenschaft Migros Aare) und sechs Wagen (SBB Cargo AG).

Schäden:

  • Verkehrsmittel: Die betroffenen Wagen wiesen entgleisungsbedingte Beschädigungen
    auf.
  • Infrastruktur: Die Bahnanlagen waren im Bereich der Entgleisung beschädigt.

Info

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