Personalumfrage 2016: SBB Mitarbeitende sind motiviert, es zeigen sich aber auch Handlungsfelder

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Die Ergebnisse der jüngsten Personalumfrage bei allen SBB Mitarbeitenden liegen vor. Die Personalmotivation blieb im Vergleich zur Umfrage 2014 auf hohem Niveau stabil. Das ist nicht selbstverständlich: Die Personalumfrage wurde im Zeitraum durchgeführt, als die SBB die Umsetzung des Fitnessprogramms „Rail Fit 20/30“ kommunizierte. Weiter zeigen die Ergebnisse ein hohes Veränderungsbewusstsein bei den Mitarbeitenden. Gleichzeitig besteht Bedarf, das Vertrauen in die Konzernführung zu steigern.

Die SBB befindet sich in einer anspruchsvollen Veränderungsphase, ausgelöst durch einen tief greifenden Wandel im Mobilitätsmarkt. Gerade in solchen Zeiten ist die Pulsfühlung bei den Mitarbeitenden besonders wichtig. Die Resultate der Personalumfrage sind angesichts von Veränderungen im Unternehmen mit substantiellen Einsparungen und auch einer Erhöhung der Lohnabzüge für alle Mitarbeitenden insgesamt erfreulich ausgefallen.

So ist die Personalmotivation nahezu stabil (74 Punkte, gegenüber 75 im Jahr 2014). Die Personalmotivation umfasst die Kriterien Verbundenheit mit dem Unternehmen, Engagement für die SBB, Arbeitszufriedenheit sowie den eigenen Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele. Die Personalzufriedenheit liegt gleich wie vor zwei Jahren (66 Punkte). Damit konnte der Höchststand seit Beginn der Messungen im Jahr 2000 gehalten werden.

Im Zuge von „Rail Fit 20/30“ fühlte die SBB bei ihren Mitarbeitenden erstmals auch den Puls für das Veränderungsbewusstsein: Dieses ist stark ausgeprägt (76 von 100 Punkten). Auch kennen die Mitarbeitenden die neue Vision und Strategie der SBB (75 Punkte). Dies ist ein wichtiger Indikator, weil das hohe Veränderungsbewusstsein eine zentrale Voraussetzung für die tatsächlichen Veränderungen ist.

Die Personalumfrage zeigt aber auch auf, wo Handlungsbedarf besteht. Das Vertrauen in die Konzernleitung ist nach dem Höchstwert im Jahr 2014 zurückgegangen (von 52 auf 50 Punkte). Die Mitarbeitenden stellen in Frage, ob die Konzernleitung das Unternehmen nachhaltig in die Zukunft führen kann. Hier kommt deutlich zum Ausdruck, dass der Veränderungsbedarf und die angekündigten Massnahmen im Rahmen von „Rail Fit 20/30“ zu Verunsicherungen führen.

Die Konzernleitung ist erfreut, dass Personalmotivation und Personalzufriedenheit trotz vieler, zum Teil schwieriger Veränderungen stabil geblieben sind und dass die Notwendigkeit der Veränderungen erkannt wird. Gleichzeitig nimmt sie den Rückgang des Vertrauens in die oberste Führung ernst und will den Dialog mit den Mitarbeitenden noch stärker pflegen. Die bewusst transparent gemachten Unsicherheiten – z.B. betreffend zunehmendem Wettbewerb oder selbstfahrenden Fahrzeugen – werfen bei den Mitarbeitenden nachvollziehbare Fragen auf. Und die geplante Aufteilung der Risikobeiträge der Pensionskasse zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgeber war verständlicherweise für die Mitarbeitenden keine gute Neuigkeit, obwohl die SBB nach wie vor einen überdurchschnittlich hohen Sozialleistungsanteil trägt. Die Konzernleitung wird im Verlauf von 2017 verstärkt aufzeigen, wie die SBB die Mobilität der Zukunft wirksam gestaltet. Nämlich nicht nur durch Sparmassnahmen, sondern auch durch gezielte Investitionen in die Zukunft sowie Innovationen. Diesem Ziel schenkt die Konzernleitung im kommenden Jahr ein hohes Mass an Bedeutung und will damit auch das Vertrauen in die oberste Führung wieder erhöhen.

Zwischen Mitte September und Anfang Oktober wurden rund 27‘000 Mitarbeitende befragt. Teilgenommen haben gut 19’000 oder 71% aller Befragten (-2% gegenüber 2014). Die SBB führt alle zwei Jahre eine Vollbefragung durch.

Stellungnahme SEV: Zufriedenheit des SBB-Personals: Das Vertrauen des Personals in seine Führung ist gesunken
Das Vertrauen des SBB-Personals in seine Führung ist um 2 Punkte zurückgegangen und liegt nun bei 50 Punkten. Das ist eine der wichtigsten Feststellungen aus der vom Unternehmen durchgeführten Umfrage. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) verlangt von der SBB-Führung, mehr auf das Personal zu hören. Sicher verbessert sich so der Dialog, aber das reicht nicht aus. Die geplanten Abbaumassnahmen im Rahmen von Railfit 20/30 spitzen die Situation weiter zu.

Aus der Umfrage geht hervor, dass die Motivation des Personals stabil bleibt. „Wir vom SEV haben immer betont, dass sich das SBB-Personal dem Unternehmen verbunden fühlt. Im Gegensatz dazu entsteht ein Graben zur Führung und diese Realität muss bekämpft werden. Die von der Führung angekündigten Massnahmen reichen dazu nicht aus. Es bringt nichts, den Dialog zu pflegen und besser zu kommunizieren, wenn die Führung die Meinung des Personals danach nicht berücksichtigt“, kritisiert Manuel Avallone, der für die SBB zuständige Vizepräsident des SEV.

Die SBB stellt in ihrer Medienmitteilung fest, „dass der Veränderungsbedarf und die angekündigten Massnahmen im Rahmen von „Rail Fit 20/30″ zu Verunsicherungen führen“. Dabei betont der SEV die paritätische Aufteilung der Risikoprämien bei der Pensionskasse. „Das Personal fühlt sich nicht genügend berücksichtigt, wenn die Führung die Streichung von 1400 Stellen ankündigt und den GAV angreift, den das Management als zu grosszügig betrachtet und deshalb an den Markt anpassen will“, enerviert sich Giorgio Tuti, Präsident des SEV. „In diesem Zusammenhang erwarten wir von der SBB-Führung, dass sie die Sparmassnahmen auf dem Rücken des Personals zurückzieht“, resümiert Manuel Avallone.

Erstellt: 6. Dez 2016 @ 10:41

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Medienmitteilungen sind wohl Glückssache. Journalismus auch.