Eine verpasste Chance: Kein Halt in Bern Wankdorf ab Fahrplanwechsel

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Der Hauptsitz der SBB direkt beim Bahnhof Bern Wankdorf. / Quelle: SBB CFF FFS

Am 3. Dezember 2015 hat das Bundesamt für Verkehr die SBB informiert, dass die Bewilligung für den geplanten Halt in Bern Wankdorf nicht erteilt wird. Die SBB bedauert, dass diese Chance zur Entlastung der Zentren im Sinne der Kundinnen und Kunden verpasst wurde.

Mit den zwei zusätzlichen Halten von Entlastungszügen beabsichtigte die SBB im Rahmen eines Versuchs, die am Morgen stark ausgelasteten IC ab Zürich und zudem den Knotenbahnhof Bern zu entlasten. Die Erfahrungen im Rahmen eines Pilotversuches sollten zeigen, ob die Kundinnen und Kunden die Züge mit Zwischenhalten nutzen. Die SBB ist erstaunt, dass das Bundesamt für Verkehr BAV diesen innovativen Versuch ablehnt und sieht eine Chance verpasst.

Bern Wankdorf und Zürich Altstetten sind Standorte, an denen mehrere Tausend Arbeitsplätze angesiedelt sind; weitere entstehen in den nächsten Jahren. Der Halt eines Entlastungszugs in Bern Wankdorf wäre eine konkrete Massnahme gewesen, um herauszufinden, ob und wie stark die IC-Züge zur Hauptverkehrszeit zwischen Zürich und Bern entlastet werden können. Der Versuch, der jetzt vom Bundesamt für Verkehr abgelehnt wurde, wäre im Sinne der Kunden. Zudem entspricht er dem politischen Willen, intelligente und kostengünstige Lösungen für die Mobilität der Zukunft umzusetzen.

Die Langfristplanungen, die gemeinsam mit dem Bundesamt für Verkehr erarbeitet wurden, sehen vor, dass künftig mehr Tangentialzüge – also Züge ab und nach Wachstumsgebieten – gefahren werden. Damit sollen auch die Infrastrukturen der bereits stark belasteten Hauptbahnhöfe entlastet werden.

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Pro Bahn: Schuss ins Bein
Mit einer simplen Massnahme liesse sich der Arbeitsweg für zehntausende von Pendlern massiv verkürzen: Mit einem Halt der Fernzüge in den Vorortsbahnhöfen wie Zürich Oerlikon, Zürich Altstetten, Bern Wankdorf, Bern Bümpliz-Süd oder Renens. Die Passagiere könnten in der Nähe ihrer Arbeitsplätze aussteigen, gewinnen pro Weg mindestens eine halbe Stunde und die Bahn würde zwar ein wenig langsamer, übers Ganze gesehen aber doch attraktiver, weil die Gesamtreisezeit für Berufstätige in diesen Regionen massiv verkürzt wird. Diese Forderung hatte Kurt Schreiber, Präsident Pro Bahn Schweiz schon vor mehr als dreissig Jahren aufgestellt. Sie wurde abgelehnt.

Nun ist die SBB doch noch auf den gleichen Gedanken gekommen. Kein Wunder, dieses Mal ist das eigene Personal in Zürich Altstetten und Bern Wankdorf betroffen. Somit sollten ab Mitte Dezember in beiden Bahnhöfen zwei von mehreren Dutzend IC-Züge versuchsweise anhalten. Wenn nun aber mit einer gewissen Häme argumentiert wird, das sei nur wegen des eigenen Personals so gemacht worden, ist dies nur die halbe Wahrheit. Die Ganze besteht darin, dass neben diesen Leuten noch tausende andere von dieser Erleichterung betroffen wären, welche nicht bei den SBB tätig sind. Somit ist eigentlich mit diesem Versuch Vernunft eingekehrt, verkürzt sich doch die Reisezeit pro Weg um satte 30 Minuten – und zwar für alle in jenen Regionen tätigen Mitarbeitenden, nicht nur diejenigen der SBB. Das sind mehrere Tausend.

Dagegen erhebt sich Opposition und sie hat gesiegt. Die Züge fahren weiterhin an beiden Bahnhöfen durch. So hat es das Bundesamt für Verkehr verfügt. Grund dafür seien Einnahmenausfälle für Kantone, Gemeinden und Verkehrsbetriebe. Da muss ja ein Ross lachen. Die meisten Reisenden sind aber mit Zonen- oder Generalabonnementen unterwegs und der Verlust wird sich in Grenzen halten. Kommt dazu, dass die chronisch überfüllten Vorortszüge einmal pro Tag ein wenig entlastet werden.

Eine gute Idee wird dank engstirnigem Gärtchendenken von einigen Lokalprotagonisten mit einem Schuss ins Bein der SBB abgeschossen. Damit hat man der Bahn einen Trumpf aus der Hand geschlagen. Für Pro Bahn Schweiz, der Interessengemeinschaft der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs ist dieses Vorgehen kleinkariert, die Argumentation lächerlich und unverständlich.

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Erstellt: 3. Dez 2015 @ 12:56

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