Extrazug.ch hat 2-achsigen Salonwagen der BLS übernommen

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TSB BLS 2-achsiger Salonwagen_Extrazug ch_20 2 17
Der 2-achsige Salonwagen der BLS (ex. TSB). / Quelle: Extrazug.ch

Der Verein Extrazug.ch hat von der BLS den seit vielen Jahren in Bönigen abgestellten, 2-achsigen Salonwagen übernommen.

Der Wagen mit Baujahr 1911 wurde für die damalige Thunerseebahn gebaut (TSB A 52). Im Jahr 1943 erfolgte ein Umbau für den Kommandozug „Leissigen“ des damaligen Generals Guisan (BLS As 51). Ab 1964 war er in der BLS Werkstätte in Bönigen abgestellt. Am 20. Februar 2017 ist er nun in seiner neuen Heimat – im Depot Langnau – eingetroffen.

Bernhard Ledermann hat die Geschichte des Wagens recherchiert
Ab 1910 nahm die Montreux Oberland Bernois (MOB) Einfluss auf die Fahrpläne der damaligen Thunersee-Bahn (TSB), welche per 1. Januar 1913 mit der damaligen Berner Alpenbahn Gesellschaft Bern-Lötschberg-Simplon (BLS) fusionierte und den beiden Vorgängerinnen der ehemaligen SEZ, nämlich der Spiez-Erlenbach-Bahn (SEB) und Erlenbach-Zweisimmen-Bahn (EZB) in dem für die Reisenden der Golden Pass Strecke Interlaken – Montreux auch Sitzplätze 1. Klasse angeboten werden mussten. Daher beschafften die TSB und EZB im Jahre 1911 bei der SIG in Neuhausen die 2-achsigen Erstklasswagen A 51-52 und 57-58, welche mit ihren 24 Polstersitzplätze damals als sehr luxuriös galten. Weiter war geplant dass die SEB ebenfalls einen solchen Erstklasswagen zum Preis von CHF 11‘750.00 beschaffen sollte, doch aus finanziellen Gründen wurde diese Beschaffung nicht ausgeführt. Zugleich war dies die letzte Beschaffung von 2-achsigen Personenwagen der damaligen BLS und deren mitbetriebenen Bahnen respektive Vorgängerbahnen wie SFB und TSB.

Doch bereits drei Jahre später mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden die beiden Expresszugpaare 1 und 2 resp. 88/89, Interlaken – Zweisimmen aus den Fahrpläne gestrichen, was zur Folge hatte, das diese Wagen praktisch für längere Zeit im Stilllager blieben, was vor allem die damalige mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfende EZB schwer spürte. Daher entschied sich die betriebsführende BLS in den 1940er Jahren diese vier Wagen umzubauen. So wurden der BLS-A 51 und die beiden SEZ-Wagen in Drittklasswagen der Serie C umgebaut. Aus dem BLS-A 52 entstand 1943 bei der SWS in Schlieren der heutigen Salonwagen As 51, welcher die BLS auch Drittkunden anbot respektive zur Verfügung stellte. So figurierte er 1943 auch in einem der Kommandozüge des damaligen Generals Henri Guisan.

Während der Wagen währen dem Umbau eine geschmackvolle Innenausstattung mit Grossraumabteil, kleinem Buffet und WC erhielt, wurden an der Laufwerkkonstruktion des 13200 mm langen und 16 Tonnen schweren Wagens keine Umbauten vorgenommen. So blieben auch die schlechten Laufeigenschaften und ein entsprechender Lärmpegel. So landete der mit A 51 angeschriebene Salonwagen noch vor dem Ende des 2. Weltkrieges auf dem Abstellgleis.

Von 1946 bis im Mai 1950 wurde der Wagen regelmässig als reservierter Wagen für amerikanische Militärurlauber in den Schnellzügen Interlaken – Zweisimmen eingesetzt. Im Juni 1950 wurde der Wagen vom A Salon zum A-Wagen deklassiert. Ab dem Herbst 1950 war er regelmässig als Erstklasswagen in den Schnellzügen – Interlaken Ost – Zweisimmen anzutreffen. Trotz hohem Lärmpegel und den unbefriedigten Laufeigenschaften bildete der A 51 schon damals eine viel beachtete Attraktion. Ab dem Frühjahr 1951 wurden regelmässig Umbauten am Laufwerk vorgenommen um die Laufeigenschaften zu verbessern, doch immer wieder trafen Verschlechterungen ein so dass das Fahrzeug immer wieder aus dem Betrieb gezogen werden musste. Mitte der 1950 Jahre gab es infolge der beschriebenen Laufeigenschaften etliche Beanstandungen von den Reisenden sowie vom Zugspersonal. Erst nach einer weitern R3 vom 15. Juli 1959 mit dem Einbau von neuen Achslagerfedern in Form hochwertiger Gummielemente brachten die gewünschten Verbesserungen des Wagenlaufs.

1964 wurde der A 51 schliesslich endgültig aus dem Verkehr gezogen. Danach diente er über 50 Jahre in der Werkstätte Bönigen als Konferenzraum. Trotzdem erhielt der damalige wagengrüne Waggon noch zwei neue Aussenanstriche. Mit der Inbetriebnahme der nachbestellen EW I in den Jahren 1976-1978 erhielt der seit 1978 als X-v 40 63 94 07 551 bezeichnete Wagen den damals aktuellen blau/crème Anstrich. Als die BLS ab Ende 1981 mit der Beschaffung der ersten Serie der RBDe 565-Pendelzüge ihr Aussendesign aktualisierte, mit blauen Plattformen, erhielt der 1984 zum X-v 40 63 94 07 900-7 umnummerierte Konferenzwagen auch einen entsprechenden Aussenanstrich.

Es wäre natürlich schön wenn der Verein Extrazug.ch diesen Wagen entsprechend restaurieren könnte, denn so hätten wir einen Zeitzeugen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, welche die BLS und damaligen mitbetriebenen Bahnen zur Bewältigung des Lokalverkehrs prägten, respektive nach Umbauten zu Dienstwagen der Serie X ab Ende der 1940 Jahre bis ins 3. Jahrtausend auf dem Netz der BLS AG anzutreffen waren.

BLS As 51_Bernhard Ledermann
Mit dem Anstrich in blau/crème präsentierte sich der Wagen am 8. April 1986 in der Werkstätte Bönigen [links]. Am 20. März 1999 präsentierte sich der Konferenzwagen im damals aktuellen BLS-Anstrich [Mitte]. Das weitere Foto zeigt einen Blick ins Innere am 11. September 2006 [rechts]. Anstelle des ausgebauten WC wurde eine Garderobe eingebaut und neben einer 220 V-Röhrenbeleuchtung erhielt der Wagen noch einen Bahntelefonanschluss. / Quelle Bernhard Ledermann
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Noch 2, 3 Bilder vom Ablad

Gepostet von Verein EXTRAZUG.CH am Dienstag, 21. Februar 2017

Einige von Euch wollten wissen wie es im Generalswagen innen aussieht – et voila!!

Gepostet von Verein EXTRAZUG.CH am Samstag, 25. Februar 2017

Erstellt: 21. Feb 2017 @ 11:35

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