Trenitalia ETR 610 002 im Bahnhof Luzern entgleist

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Am Nachmittag des 22. März 2017 ist beim Bahnhof Luzern der ETR 610 002 von Trenitalia entgleist. Sechs Personen sind leicht verletzt worden. Der Bahnhof Luzern blieb wegen der umfassenden Reparaturarbeiten bis zum Betriebsschluss am 26. März 2017 für Normalspurbahnen nicht befahrbar. Die Züge der schmalspurigen Zentralbahn verkehrten bereits ab 23. März. Die Unfallursache ist noch unklar.

Kurz nach der Abfahrt, um 13:58 Uhr, sind am 22. März 2017 zwei Wagen des Eurocity 158 Milano Centrale – Basel SBB bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Luzern, unterhalb der Langensandbrücke, aus den Schienen gesprungen. 160 Reisende befanden sich im betroffenen Zug. Die Evakuierung der Passagiere konnte um 15:35 Uhr abgeschlossen werden, sie konnten den Zug selbständig verlassen. Sechs Personen wurden leicht verletzt. Die verletzten Personen konnten alle nach ambulanter Behandlung entlassen werden. Sie erlitten hauptsächlich Prellungen und Schürfwunden. Bei den verletzten Personen handelt es sich um drei italienische, eine mazedonische Staatsangehörige und zwei Schweizer.

Der Interregio 2519 (Genf – Luzern) und eine S4 (Luzern – Stans) der Zentralbahn waren im Bahnhofsbereich blockiert und wurden evakuiert.

Toni Häne, Leiter Verkehr von SBB Personenverkehr, sagte vor den Medien:

„Die SBB wünscht den verletzten Personen gute Besserung und entschuldigt sich bei allen Reisenden.“

Der vierte Wagen des ETR 610 002 (TSI-Nummer 93 85 5610 002-3 CH-TI) von Trenitalia, der an den Speisewagen angrenzende 2. Klasse-Wagen, entgleiste und kippte zur Seite. Im Bereich des gekippten Wagens sind zudem ein Fahrleitungsjoch und die Gleisanlagen beschädigt worden. Unter Hochdruck haben mehrere Fachteams der SBB in der Nacht auf den 23. März mit Aufgleisungsarbeiten begonnen, die beschädigten Fahrleitungsmasten entfernt und erste Reparaturen ausgeführt. Am 23. März standen wieder alle Wagen des verunglückten Zuges auf den Gleisen und der ETR 610 002 konnte im Bahnhof abgestellt werden, später wurde er aufgeteilt in den Depotbereich des Bahnhofes verschoben. Am 6. April wurden die Wagen 1, 2 und 3 nach Chiasso überführt. Ab dort überführte eine E 402 B von Trenitalia die Komposition weiter nach Milano. Die Überführung der Wagen 4-7 nach Italien erfolgte am 26. April 2017.

Keine Normalspurzüge im Bahnhof Luzern bis am Montag
Die Stromversorgung im Bahnhof Luzern wurde aufgrund der beschädigten Fahrleitung unterbrochen. Davon waren nicht nur Züge der SBB, sondern auch der BLS und SOB betroffen. Die Fernverkehrszüge wendeten in Sursee, Ebikon, Luzern Verkehrshaus und Arth-Goldau. Die S-Bahnen wendeten in Emmenbrücke, Gersag, Ebikon, Littau und Luzern Verkehrshaus. Reisende benützten die Busse der Verkehrsbetriebe Luzern und die Bahnersatzbusse. An allen umliegenden Bahnhöfen waren Kundenlenker der SBB im Einsatz. Der Bahnersatzbetrieb mit Bussen – es standen über 20 Fahrzeuge im Einsatz – lief stabil. Es war jedoch mit verlängerten Reisezeiten zu rechnen. Der Bahnverkehr in der übrigen Schweiz war von der Störung nicht betroffen.

Die schmalspurige Zentralbahn konnte den Betrieb am Donnerstagmorgen, 23. März 2017 wieder aufnehmen.

Massive Schäden an einem Engpass
Die nach dem wegstellen des beschädigten ETR 610 ausgeführten Analysen an der Havariestelle hatten massive Schäden an Zug, Fahrleitungen, Gleiskörper und Kabelschächten zu Tage gebracht. Sie waren grösser als zuvor angenommen. Damit die umfangreichen Arbeiten an der beengten Stelle schneller und auch sicher für Mitarbeiter ausgeführt werden konnten, entschied sich die SBB für eine Vollsperre. Gearbeitet wurde rund um die Uhr. Die Reparatur- und Instandstellungsarbeiten konnten plangemäss in der Nacht auf Montag abgeschlossen werden. Die Fahrleitung konnte als erstes wieder instand gestellt werden. Zwei Masten und ein Joch über mehrere Gleise wurden bis am Freitagabend ersetzt. Bis am Sonntagabend wurden insgesamt 400 Meter Gleis neu verbaut, vier Weichen komplett ersetzt, sowie zwei Weichen teilumgebaut. Zum Schluss mussten bis zu 200 Tonnen Schotter bewegt werden. Für den mehrstündigen Einsatz der Gleisstopfmaschine benötigen die Bauteams seitlich Platz. Deshalb mussten am Sonntagabend auch die benachbarten Gleise der Zentralbahn gesperrt werden. Ab 20:20 Uhr bis Betriebsschluss verkehrten zwischen Luzern und Luzern Allmend Ersatzbusse. Mit Betriebsbeginn am Montag, 27. März 2017 verkehrten auch alle Normalspurzüge von und nach Luzern wieder gemäss Fahrplan. Durch die diversen Umstellungen beim Rollmaterial konnte es vorkommen, dass Züge am Morgen noch in geänderter Formation und als Einer- statt Doppelkomposition verkehrten. Ebenso waren einzelne Ausfälle nicht ausgeschlossen. Für allfällige Unannehmlichkeiten bat die SBB um Verständnis.

Toni Häne, Leiter Verkehr von SBB Personenverkehr, erklärte im Tagesgespräch von Radio SRF 1 am Donnerstag, wie die SBB die logistischen Herausforderungen bewältigt.

Am Donnerstagnachmittag nahmen Andreas Meyer, CEO SBB, und Philippe Gauderon, Leiter SBB-Infrastruktur, persönlich einen Augenschein vor Ort. Andreas Meyer dankte den Kundinnen und Kunden für ihre Geduld, den Betreibern der Bahnersatzbusse für ihre tatkräftige Unterstützung und den Mitarbeitern vor Ort für ihren selbstlosen Einsatz.

Im Einsatz standen am Unglückstag ein Grossaufgebot an Einsatzkräften wie Rettungsdienste, Feuerwehr, SBB und Polizei.

Untersuchungsstelle ermittelt in alle Richtungen
Die Ursache wird untersucht durch die unabhängige Unfalluntersuchungsstelle des Bundes (SUST), die Luzerner Behörden sowie Experten der SBB. Wie Sust-Bereichsleiter Christoph Kupper am Donnerstagmittag gegenüber der Schweizerischen Depeschenagentur sagte, liefen die Ermittlungen in verschiedene Richtungen. Derzeit sei noch „alles offen“, so Kupper weiter.

Die SBB hat grosses Interesse, die Ursache so schnell wie möglich zu kennen. Bislang gibt es seitens SBB keine konkreten Hinweise auf Unregelmässigkeiten sowohl an der Bahninfrastruktur als auch am Fahrzeug von Trenitalia. Die Gleisanlagen im Bahnhof Luzern werden regelmässig inspiziert, die letzte Inspektion fand am 20. März 2017 statt. Dabei wurden auch die Weichen, welche der Zug 158 befahren hat, untersucht und keine Unregelmässigkeiten festgestellt. Nach Angaben von Trenitalia wurden am Zug wenige Tage vor dem Ereignis Unterhaltsarbeiten ausgeführt.

Nach ersten Einschätzungen ist durch die Entgleisung des Zuges ein Schaden in Millionenhöhe entstanden.

Social Media

En voyage… (Bellinzona, 26.04.2017)

Posted by sguggiari.ch on Dienstag, 25. April 2017

Ein Teil des am 22. März 2017 in Luzern entgleisten ETR 610 am 06. April 2017 im Talkessel Schwyz.https://www.info24news.net/2017/03/23/entgleisung-luzern-bahnhof-bleibt-gesperrt/

Posted by info24 – ÖV Schweiz – Europa on Donnerstag, 6. April 2017

Tag 2 nach der Entgleisung in LuzernDer Bahnhof Luzern bleibt wegen den umfassenden Reparaturarbeiten bis…

Posted by info24 – ÖV Schweiz – Europa on Freitag, 24. März 2017

Bahnersatzbusse am 23. März 2017 in Luzern, als Folge der Zugsentgleisung vom 22.03.2017.Leserfotos von Hanspeter Keiser, vielen Dank.–> UPDATE mit weiteren Fotos vom 24. März 2017

Posted by info24 – ÖV Schweiz – Europa on Freitag, 24. März 2017

Bilder zum Unfall in Luzern.

Posted by Lokführer on Donnerstag, 23. März 2017

Augenschein in Luzern: Liebe Kunden, bitte entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten. Wir hatten einen Schutzengel….

Posted by Andreas Meyer CEO SBB AG on Donnerstag, 23. März 2017

Posted by Bahnonline.ch on Donnerstag, 23. März 2017

#oh oh #abbiamo deragliato….#luzern

A post shared by @ bettinacasanova on

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Erstellt: 22. Mrz 2017 @ 14:37

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Baebi Jean-Pierre
Gast
Baebi Jean-Pierre

Untersuchungen haben ergeben, dass die Stellwerkanlage richtig funktionierte und eine Weichenumstellung unter dem Zug kann ausgeschlossen werden.
Diese Entgleisung kann daher verschiedene Ursachen haben.

Nicht auszuschliessen ist, dass durch übermässiges spiel bei den Achsen des Zuges ein Rad auf dem Herzstück der Weiche auflief welches dann zur Entgleisung führte.
Auch ein Achs- oder Radkrankbruch könnte eine Ursache sein.

Wir müssen wohl warten, bis zum Abschluss der Untersuchungen der SUST. Dann wissen wir alle mehr.

Eduard J. Belser
Gast
Eduard J. Belser

Einen viel unglücklichen Ort auf dem Schweizer Bahnnetz hätte Murpy kaum finden können um den Zug entgleisen zu lassen. Noch grössere Probleme könnte eine Entgleisung vermutlich nur auf der Ost-West-Achse zwischen dem Aarauer Schachen und Dulliken verursachen. Ob Unterhaltsmängel bei der Ferrovia Bunga-Bunga für die Entgleisung verantwortlich sind? Die Italiener haben sich ja seinerzeit beim Unterhalt der berüchtigten ETR 470 Pannolinos nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Beppo Leitl
Gast
Beppo Leitl

Es wird ja in allen Artikeln so betont, dass es ein Zug der Trenitalia ist – doch Entgleisungen, vor allem bei dem Tempo, liegen wohl eher an den Geleisen und Weichen. Wie es auf den Fotos ausschaut, hat der hintere Zugteil eine Weiche anders befahren, als der vordere.