Zürich Hardbrücke: Ladungsverlust während Gleiserneuerungsarbeiten

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Vom Flachwagen abgerutschte Gleisjoche. / Quelle: SUST

Am 31. Mai 2016 wurden in Zürich auf der Hardbrücke im Gleis 802 Fahrbahnerneuerungsarbeiten durchgeführt. Dazu wurde eine Gleisbaumaschine Puscal der Firma Scheuchzer SA eingesetzt. Nachdem die Gleisbaumaschine am Einsatzort installiert worden war, wurden die Sicherungsgurten, mit denen die aufgestapelten Gleisjoche auf den Flachwagen Xas gesichert waren, gelöst. Vor Beginn der Gleisarbeiten führten die beiden Portalkrane eine Testfahrt über die aufgestapelten Gleisjoche erfolgreich durch. Kurz nach Beginn der Gleisarbeiten um 22:35 Uhr rutschten die oberen beiden Gleisjoche eines Dreierstapels auf das sich noch im Betrieb befindende Nachbargleis 902 ab. Ein Regionalzug, der kurz darauf die Stelle passieren sollte, konnte durch den Sicherheitswärter rechtzeitig angehalten werden. Personen wurden keine verletzt und es entstand nur geringer Sachschaden am Gleiskörper.

Feststellungen
Bei der Überführung der Komposition vom Abstellort zum Einsatzort wurden keine Auffälligkeiten bezüglich Verhalten der Gleisjoche auf dem Flachwagen festgestellt.

Beim Lösen der Sicherungsgurten wurden keine Auffälligkeiten festgestellt, die auf eine vorbestehende Verschiebung der Ladung hingewiesen hätten.

Die Spurweite der Portalkrane ist nur minimal breiter als die Gleisjochbreite. Eine Ladeverschiebung um wenige Zentimeter wäre bei der Kontrollfahrt der Portalkrane festgestellt worden.

Zum Zeitpunkt des Ladungsverlustes wurden keine Erschütterungen und Vibrationen des Gleises durch Bauarbeiten oder einen auf dem Nachbargleis durchfahrenden Zug bemerkt.

Die Gleisbaumaschine und die Flachwagen waren gebremst. Es wurden zum Zeitpunkt des Ladungsverlustes keine abrupten Bewegungen der Komposition festgestellt.

Der Flachwagen, von welchem die Gleisjoche abrutschten, wies keine Beschädigungen an den Federn, Aufhängungen und Rädern auf, die ein Schwanken oder ein seitliches Einknicken des Wagens zur Folge gehabt haben könnte.

Die Auflageflächen (Schwellenunterseiten) sowie die Schienenoberkanten der Gleisjoche wiesen keine Öl- oder Fettspuren auf, die ein Abrutschen begünstigt hätten.

Das Gleis zwischen dem Bahnhof Zürich Hardbrücke und der Dienststation Hard weist an der Unfallstelle eine mittlere massgebende Neigung von 12 ‰ und einen Radius von 366 m auf. Die Gleisüberhöhung im Kurvenbereich beträgt 150 mm. Die Gleisbaumaschine Puscal wurde innerhalb der maximal zulässigen Gleisüberhöhung von 150 mm und ausserhalb des minimal zulässigen Kurvenradius von 200 m betrieben.

Zum Zeitpunkt des Ereignisses herrschte Windstille und trockenes Wetter bei einer Temperatur von 15 °C. Witterungsbedingte Einflüsse können ausgeschlossen werden.

Die Recherchen und die Aussagen aller Beteiligten mit jahrelanger Erfahrung dieser Art der Fahrbahnerneuerung zeigen übereinstimmend, dass sich in der Vergangenheit noch nie ein solches Ereignis mit diesem Ausmass zugetragen hatte.

Schlussfolgerung
Die durchgeführte Untersuchung konnte keine plausible Erklärung über die Ursache des plötzlichen Ladungsverlustes aufzeigen. Aufgrund der bisherigen Untersuchungsresultate schliesst die SUST einen systemischen Hintergrund aus. Die SUST verzichtet deshalb gestützt auf Art. 29 Abs. 1 der Verordnung über die Sicherheitsuntersuchung von Zwischenfällen im Verkehrswesen (VSZV) auf weitere Untersuchungshandlungen und schliesst die Untersuchung gem. Art. 45 VSZV mit einem summarischen Bericht ab.

Beteiligte Unternehmen:

  • Transportunternehmen: SBB AG, Infrastruktur (SBB I)
  • Infrastrukturunternehmen: SBB AG, Infrastruktur
  • Weitere Unternehmen: Scheuchzer SA

Beteiligte Personen:

  • Mehrere Mitarbeiter der Scheuchzer SA

Beteiligte Fahrzeuge:

  • Puscal 80 85 94 07 512-5, Scheuchzer SA
  • Flachwagen Xas 80 85 98 52 101-7, SBB I

Schäden:

  • Infrastruktur: Es gab geringe Schäden an den Schwellen.
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