Die trinationale Region Basel braucht eine leistungsfähige S-Bahn mit dichtem Takt und durchgehenden Linien. Dazu ist die Erweiterung der Bahninfrastruktur dringend notwendig. Schlüsselelement ist das Herzstück, die neue unterirdische Verbindung zwischen dem Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof sowie dem Bahnhof St. Johann. Nun liegt eine Bestvariante für die Linienführung und die Anschlüsse an die drei Bahnhöfe vor. Sie ist abgestimmt auf den Ausbau der S-Bahn-Zulaufstrecken und die verbesserte Erschliessung des Bahnhofs Basel SBB. Die vorgestellte Lösung bringt einen markanten Mehrwert für die Bahnkundinnen und -kunden, hat ein gutes Nutzen-Kosten-Verhältnis und begünstigt die weitere Entwicklung der Stadt und des Grossraums Basel. Sie kommt ohne teure Tiefbahnhöfe aus und kann in Etappen realisiert werden. Am Bahnhof Basel SBB eröffnet sie die Chance, mit einem neuen Platz an Stelle der bisherigen Margarethenbrücke einen städtebaulich höchst attraktiven Zugang zu den Perrons und zur Innenstadt zu schaffen.

Welche Infrastruktur braucht es, damit die Angebotsvorstellungen für die trinationale S-Bahn umgesetzt werden können? Wie soll die Linienführung des Herzstücks verlaufen? Wie wird das Herzstück an den Bahnhof Basel SBB, den Badischen Bahnhof und den Bahnhof St. Johann angeschlossen? Wo sollen sich die Haltestellen befinden? Wie sollen der Bahnhof Basel SBB künftig erschlossen und die schon heute prekäre Personenfluss-Situation verbessert werden? Und welche Ausbauten braucht es auf den einzelnen Zulaufstrecken? Diese Fragen standen im Zentrum der Untersuchungen, die die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft in enger Abstimmung mit der SBB, der Deutschen Bahn (DB) und dem Bundesamt für Verkehr (BAV) durchgeführt haben.

Am 26. April 2017 präsentierten die beiden Basel die Ergebnisse, die im sogenannten Synthesebericht festgehalten sind. Im Zentrum des Berichts steht der Variantenvergleich für die Linienführung des Herzstücks, dem zentralen Element eines zukunftsfähigen S-Bahn-Systems für die trinationale Region. Nebst vier Tunnelvarianten wurde auch eine Variante ohne Herzstück untersucht. Die Arbeiten bestätigen klar den Kundennutzen des Herzstücks: Die Tunnelverbindung zwischen Bahnhof Basel SBB und Badischem Bahnhof ist die Voraussetzung für dichtere Takte, weniger Umsteigevorgänge, kürzere Reisezeiten und eine Entlastung der Tramlinien, die durch die Basler Innenstadt führen.

Aus dem Vergleich ging die sogenannte Variante „HOCH Y“ klar als Bestvariante hervor, die nun weiterverfolgt wird. „Hoch“ bedeutet, dass die Tunnelstrecke oberirdisch an den Bahnhof SBB, den Badischen Bahnhof und den Bahnhof St. Johann angeschlossen wird. Das Herzstück verläuft vom Bahnhof SBB zuerst via Elsässerbahn, taucht westlich des Zollis ab und erreicht in einem Bogen via Schützenmatte die neue Tiefhaltestelle Basel Mitte. Die Strecke unterquert anschliessend den Rhein, erschliesst das Klybeck-Areal mit einer weiteren neuen Haltestelle und erreicht von Norden her den Badischen Bahnhof. Der Buchstabe „Y“ steht für den Abzweiger ab der Haltestelle Mitte: Über ihn werden der Bahnhof St. Johann und von dort aus der Euro Airport ans S-Bahn-Netz angebunden.

Die Bestvariante verzichtet auf teure Tiefbahnhöfe. Dies ermöglicht einen einfacheren Betrieb der Bahnhöfe, geringere Behinderungen während der Bauphase, tiefere Erstellungskosten und ein günstigeres volkswirtschaftliches Nutzen-Kosten-Verhältnis. Die Bestvariante ist städtebaulich besonders attraktiv, weil sie nebst dem Stadtzentrum auch den grossen Entwicklungsschwerpunkt Basel Nord erschliesst. Am Bahnhof SBB bietet sich die Chance, einen zweiten leistungsfähigen Perronzugang zu schaffen, indem die Margarethenbrücke durch einen neuen Margarethenplatz ersetzt und direkt mit den Perrons verbunden wird. Damit entstehen ein städtebaulich attraktiver Umsteigeort zwischen Tram, Bus und Bahn, ein direkterer Zugang zur Innenstadt und ein neues Bahnhofsportal.

Nicht zuletzt ermöglicht die Bestvariante auch eine allenfalls gebotene zeitlich gestaffelte Umsetzung: In erster Priorität wird die Tunnelverbindung zwischen dem Bahnhof Basel SBB und dem Badischen Bahnhof realisiert, womit schon von Anfang an ein grosser Kundennutzen erzielt wird. Durch eine spätere Ergänzung des Abzweigers Richtung Bahnhof St. Johann und Euro Airport wird der Kundennutzen nochmals deutlich gesteigert.

Das Herzstück liegt im Zentrum der künftigen trinationalen S-Bahn. Es verknüpft die sieben Äste des Netzes miteinander und ermöglicht mehr, bessere und schnellere Verbindungen innerhalb der Agglomeration. Es steigert damit den Nutzen der geplanten Investitionen auf den Zulaufstrecken. Dies sind der Ausbau im Ergolztal, die Doppelspur im Laufental, die Kapazitätserweiterung zwischen Pratteln und Rheinfelden, die Hochrheinelektrifizierung, die Ausbauten im Wiesental, die Erweiterung auf vier Gleise am Oberrhein sowie der Bahnanschluss des Euro Airports.

Mit der nun vorliegenden Bestvariante des Herzstücks ist ein wesentlicher erster Teil des Auftrags aus dem Ratschlag zum Vorprojekt erfüllt, den die beiden Basler Parlamente im September 2014 verabschiedet hatten.

Die Investitionen für das Herzstück allein (ohne Zulaufstrecken, jedoch inklusive Anbindung an die Bahnhöfe) betragen 1.9 Milliarden Franken. Der Y-Ast allein kostet 0.4 Milliarden Franken. Er zieht auch Ausbauten der Bahnhöfe St. Johann und Euro Airport (2. Etappe) nach sich, so dass sich die Gesamtkosten Herzstück inklusive Y-Ast bis EAP auf 2.8 Milliarden Franken belaufen.

Die gesamten Investitionskosten für alle Massnahmen zu Gunsten der trinationalen S-Bahn betragen nach aktueller Schätzung 4.25 Milliarden Franken. Von diesen Gesamtkosten entfallen rund 800 bis 900 Millionen Franken auf ohnehin notwendige Unterhalts- und Erneuerungsmassnahmen und von Dritten zu erwartende Finanzierungsbeiträge. Die effektiven Ausbaukosten zu Lasten STEP AS 2030/35 belaufen sich somit auf rund 2.6 Milliarden ohne Y-Ast bzw. 3.3 Milliarden inklusive Y-Ast.

Der Synthesebericht liegt nun beim Bund, der die Ergebnisse im Hinblick auf die Botschaft über den nächsten Ausbauschritt der Bahninfrastruktur prüft. Die beiden Kantone werden auf der Basis der Bestvariante die Planungsarbeiten im Rahmen des Vorprojekts in enger Abstimmung mit dem BAV, der SBB und der DB vorantreiben. Ausserdem werden sie zusammen mit der SBB die zukünftige Gestaltung des Bahnhofs Basel SBB weiter konkretisieren.

Regierungsrätin Sabine Pegoraro (BL) und Regierungsrat Hans-Peter Wessels (BS) unterstrichen an der Medienkonferenz:

„Die Region ist sich über die Grenzen hinaus einig: Sie will und braucht den Ausbau der regionalen Bahninfrastruktur. Eine attraktive, leistungsfähige S-Bahn in der trinationalen Region Basel ist ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität der Bevölkerung und die Attraktivität der dynamischsten Wirtschaftsregion der Schweiz.“

Martin Dätwyler, stellvertretender Direktor der Handelskammer beider Basel, bestätigte, dass die Wirtschaft ein grosses Interesse am Ausbau der Bahninfrastruktur hat und geschlossen hinter diesem Vorhaben steht:

„Das Herzstück und der Ausbau der Zulaufstrecken sind zwingend für ein leistungsfähiges Schienennetz und ein attraktives S-Bahn-Angebot. Davon profitieren die Unternehmen ebenso wie die Arbeitspendler und die Bevölkerung innerhalb und ausserhalb der Region.“

Rudolf Dieterle unterstrich als Koordinator Bahnknoten:

„Die Region demonstriert mit den in kurzer Zeit und in hoher Intensität durchgeführten Vertiefungsarbeiten, dass sie nicht nur weiss, WAS sie will, sondern auch WIE und WANN. Nun gilt es, diese Botschaft nach Bern zu tragen.“

Gemeinsam smarte Städte bauen
Basler Regierung und SBB schreiten gemeinsam vorwärts. Regierungsrat Hans-Peter Wessels und Andreas Meyer ziehen am gleichen Strick, wenn es um die Entwicklung von Arealen, aber auch der Mobilität in der Stadt und Region Basel geht. Sei es im Fern-, Güter- oder auch im Regionalverkehrs. Der Leiter des Bau- und Verkehrsdepartements und der SBB CEO sind überzeugt, dass die Stadt Basel ein ausserordentliches Potential in sich birgt, und einen Rückstand aufzuholen hat.

Im Congress Center Basel findet diesen Donnerstag das erste Mal in der Schweiz die Konferenz „Smart Suisse“ statt. Eine Konferenz, die sich mit der Zukunft auseinandersetzt und Akteure zusammenbringen will, die das urbane Leben von morgen aktiv und nachhaltig mitgestalten: Vertreter der öffentlichen Verwaltung, der Energiebranche, Schulen/Bildung, Mobilitätsdienstleister oder Industrie. Die Organisatoren der Konferenz setzen sich zum Ziel, die Vernetzung unter den Stakeholdern zu fördern, damit sich die Stadtentwicklung in Zukunft nicht nur an der politischen Gemeinde orientiere, sondern viel mehr auch am gelebten urbanen Raum.

Anlässlich dieser bevorstehenden Konferenz, skizzieren Andreas Meyer und Hans-Peter Wessels gegenüber der Basler Zeitung ihre Vorstellung, wie die Stadt der Zukunft dereinst aussehen könnte. Sie sind sich einig, dass eine Smart City ihren Bewohnern maximale Lebensqualität bei minimalem Ressourcenverbrauch bieten wird.

Dank einer intelligenten Verknüpfung von Infrastrukturen, wie eben Transport, Energie, Kommunikation. Innovationen, die eine bessere Lebensqualität für die urbane Bevölkerung bringen sollen. Hans-Peter Wessels ist überzeugt, dass die Anwendung neuer Technologien in unserem städtischen Raum schnell Fuss fassen werde: „Wir stehen entsprechend vor großen technologischen Umwälzungen. Man könnte natürlich vor dem Wandel auch Angst haben. Besser wäre der Ansatz, die technologischen Veränderungen für die Bevölkerung nutzbar zu machen.“

Andreas Meyer ist überzeugt, dass die heutige Planung und Entwicklung von urbanen Arealen sich stark verändern werden: „Es lässt sich heute nicht mehr sequentiell in Schritten vorgehen wie in der Vergangenheit. Wer smart planen will, muss von Anfang an alle Player parallel miteinander vernetzen: Bahn, Immobilien, Dienstleistungen, Ver- und Entsorgung, Stromversorgung, Telekommunikation. Und man muss eine integrierte Sicht auf die Mobilität- und Arealentwicklung haben.“ Für ihn stellt die SmartSuisse-Konferenz darum eine grosse Chance dar. Sie soll für die Schweiz einen Weckruf darstellen und aufrütteln, um sich gemeinsam mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die Schweiz ihre hohe Lebensqualität in ihren Städten auch in Zukunft bewahren und sogar verbessern kann, trotz des grossen Bevölkerungswachstums und sich ändernden Mobilitätsbedürfnissen. „Denn wir haben in der Schweiz kluge Köpfe. Aber bezüglich Smart Citys einen grossen Rückstand auf andere Länder“, sagt Andreas Meyer gegenüber der Basler Zeitung.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels ist überzeugt, dass technische Innovationen und die Digitalisierung Städte wie Basel stark verändern. Er sieht grosse technologische Umwälzungen auf urbane Zentren zukommen. Die Rolle der Politik in dieser Entwicklung, sieht er als offener Wegbereiter für Unternehmen und Institutionen, die städtebauliche Innovationen vorantreiben und neue Konzepte entwickeln. Er bezeichnet in diesem Zusammenhang die SBB als starke und professionelle Partnerin. Der Regierungsrat freut sich, dass die SBB für Basel sowohl als Bahnunternehmen als auch als Immobilienbesitzer ein wichtiger und zuverlässiger Partner sei: „Wir sind sehr daran interessiert, mit den SBB zusammen in Richtung innovativer Entwicklung vorwärts zu gehen.“

Mit 1,24 Mio. Fahrgästen täglich ist die SBB der wichtigste Kundenzubringer für die smarten Städte von morgen. Die SBB betreibt ein eigenes Stromnetz mit sieben Kraftwerken und produziert einen Grossteil ihres Strombedarfs selbst. Schon heute stammen 90 Prozent aus erneuerbaren Ressourcen, bis 2020 sollen es 100 Prozent sein. Als treibende Kraft des öV in der Schweiz und ökologische Vorreiterin unter Bahnen in Europa spielt die SBB eine entscheidende Rolle beim Thema Smart City. Mit modernen, gut vernetzten Entwicklungs- und Infrastrukturprojekten leistet die SBB einen Beitrag zur Steigerung der Standortattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Mit innovativen Mobilitätslösungen und zukunftsweisenden Quartierentwicklungen an besten Lagen kann die SBB die Städte in ihren smarten Vorhaben unterstützen und zu einer zentralen Partnerin auf dem Weg zur Smart City werden.

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Erstellt: 26. Apr 2017 @ 17:58

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