Die Schweizerische Südostbahn (SOB) und die SBB haben eine langfristige Zusammenarbeit beschlossen. Gemäss einer am 7. Juli 2017 unterzeichneten Vereinbarung, fährt und vermarktet die SOB ab Dezember 2020 zwei Linien der SBB im Co-Branding. Dies wird in eigener betrieblicher Verantwortung erfolgen, aber unter dem Dach einer einheitlichen SBB Fernverkehrskonzession. Die Kooperation der beiden Bahnen bringt einen direkten Nutzen für die Bahnkunden.

Wie im Februar 2017 angekündigt, bleibt die SBB im laufenden Fernverkehrs-Konzessionsverfahren gesprächsbereit und prüft mögliche Kooperationsvarianten. Die SOB und SBB haben sich nach intensiven Gesprächen auf eine strategische Kooperation geeinigt: Ab Ende 2020 wird die SOB zwei Linien der SBB mit eigenem Rollmaterial und im Co-Branding SOB-SBB fahren und vermarkten. Für diese Leistungen wird die SOB von der SBB abgegolten. Es handelt sich dabei um die folgenden Linien:

  1. Zürich–Zug–Arth-Goldau– bzw. Basel–Olten–Luzern–Gotthard-Panoramastrecke–Bellinzona–Locarno/Lugano
  2. Bern–Burgdorf–Langenthal–Olten-Zürich–Pfäffikon–Ziegelbrücke–Sargans–Chur

Mit dieser langfristig angelegten Kooperation intensivieren die SOB und die SBB ihre Zusammenarbeit. Diese bringt den Kunden auf beiden Linien Angebots- und Komfortsteigerungen: durchgängige Verbindungen von Basel bzw. Zürich über die Gotthard-Panoramastrecke ohne Umsteigen in Erstfeld und eine direkte IR-Verbindung von Bern nach Chur. Kunden profitieren zudem von neuen Fernverkehrszügen der SOB mit aufgewerteter 1. Klasse (2:1-Bestuhlung) entsprechend dem neuen Kundenversprechen für alle Interregio-Züge. Dank der vertieften Zusammenarbeit erzielen beide Bahnen wirtschaftliche Synergien bei der Bahnproduktion. Konkret kann das Rollmaterial beider Bahnen besser eingesetzt und ausgelastet werden. Zusätzlich bringt die SOB ihre Stärken beim flexiblen Einsatz der Züge und der aktiven Linienvermarktung ein.

Allfällige Personalübertritte vom einen zum anderen Bahnunternehmen werden im Rahmen der bestehenden Gesamtarbeitsverträge der beiden Unternehmen geplant und mit den Mitarbeitenden besprochen. Stellen werden keine abgebaut. Die Umsetzung erfolgt per Dezember 2020. Im Vorfeld wird die SOB via bestehende Optionen das benötigte Rollmaterial beschaffen und der gemeinsame Betrieb wird sorgfältig vorbereitet. Die vereinbarte Kooperation bringt Vorteile für die Kunden und beide Unternehmen.

Die Fernverkehrskonzession
Die Fernverkehrskonzession ist das Recht und die Pflicht, die der Bund einem Transportunternehmen zur Betreibung der in der Konzession enthaltenen Fernverkehrslinien vergibt. Das BAV erteilte der SBB am 25. Februar 2000 erstmalig diese Konzession, rückwirkend ab 01.01.1999. Sie wurde im Dezember 2007 um 10 Jahre erneuert. Die neue Konzession wird gültig sein ab dem 10.12.2017.

Stellungnahme VSLF: Kooperation bei zwei Fernverkehrslinien zwischen SOB und SBB
Wie am 7. Juli bekanntgegeben wurde, haben die Südostbahn SOB und die Schweizerischen Bundesbahnen SBB beschlossen, die Fernverkehrslinien Zürich – Arth-Goldau – bzw. Basel – Luzern – Gotthard-Bergstrecke – Bellinzona – Locarno/Lugano und Bern – Burgdorf – Zürich – Pfäffikon – Chur ab Dezember 2020 unter der Konzession der SBB durch die SOB mit Rollmaterial der SOB fahren zu lassen.

Nicht kommuniziert wurde, wie viele Zugsleistungen von der SBB zur SOB verschoben werden. Die SOB spricht von einer Verdoppelung der Verkehrsleistung und einem Bedarf von zusätzlich ca. 90 Lokführern (Stand heute: ca. 140 Lf).

Den VSLF erreichten bereits Dutzende Anfragen von Mitgliedern, da dieser Entschluss eventuelle Leistungsverschiebungen an SBB-Standorten wie Basel, Luzern, Arth-Goldau, Chur und im Tessin auslösen wird. Die damit verbundenen Personalverschiebungen – gerade in peripheren Depots – lösen beim betroffenen Lokpersonal eine grosse Verunsicherung aus.

Die Aussagen von Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr und Mitglied der Konzernleitung SBB, dass der GAV eingehalten werde und dass es aktuell zu früh sei für konkrete Aussagen über die Auswirkungen auf das Personal, trägt nicht unbedingt zur Beruhigung bei.

Ob die vereinbarte Kooperation Vorteile für die Kunden und beide Unternehmen bringen wird, wird der VSLF kritisch verfolgen. Die Ausgangsstandorte und Kadenz der betroffenen Züge widersprechen dem heute von den SBB angestrebten wirtschaftlichen Personaleinsatz. Die SOB lässt offen, teilweise auch Personal anzumieten.

Den Sozialpartnern wurde ein enger Kontakt zu den Planungen der Einsatzkonzepte zugesichert.

Der VSLF wird sich dafür einsetzen, dass potentielle Personalverschiebungen nicht nur GAV-konform (dies setzen wir voraus), sondern vor allem auch sozialverträglich und auf freiwilliger Basis umgesetzt werden. Dies auch im Interesse der Unternehmung.

Stellungnahme Transfair: Kooperation statt Konfrontation im Fernverkehr
SBB und die Schweizerische Südostbahn (SOB) einigen sich auf eine Zusammenarbeit. Per Dezember 2020 wird die SOB zwei Linien der SBB im Co-Branding fahren und vermarkten. Die bekannt gewordene strategische Kooperation der beiden Bahnen im Fernverkehrsdossier Schweiz geht aus Sicht des Personalverbandes Transfair in die richtige Richtung: Kooperation statt Konfrontation mit dem Erhalt der Fernverkehrskonzession bei der SBB. Ebenso wichtig ist die Aussage, dass mit diesem Vorgehen kein Personalabbau erfolgen werde.

Transfair hat sich aktuell zur Thematik geäussert und die Haltungen gegenüber den Bahnunternehmen, der Politik und dem BAV formuliert. Für Bruno Zeller, Branchenleiter öffentlicher Verkehr, ist der Umgang mit dem Personal bei allfälligen Übergängen zentral: „Die Sozialpartner müssen rechtzeitig einbezogen werden. Es gilt, künftig betroffenen Mitarbeitenden gute Lösungen mit Perspektiven anbieten zu können.“

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Erstellt: 7. Jul 2017 @ 17:34

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