Im ersten Semester 2017 verzeichnete Hupac eine Verkehrssteigerung von 8,3% gegenüber 2016. Seit Juni behindern umfangreiche Baustellen den Verkehr; sie führen zu einer Verschlechterung der Qualität des Angebots und bremsen die Entwicklung der Verlagerung auf die Schiene. Hupac begrüsst den Masterplan Schienengüterverkehr des deutschen Verkehrsministeriums und weist auf Handlungsfelder bei der internationalen Integration hin.

Zufriedenstellendes Wachstum in den ersten Monaten des Jahres
Der Schweizer Kombi-Operateur Hupac schloss das erste Halbjahr 2017 mit einem Verkehrszuwachs von 8,3% ab. Insgesamt wurden rund 30.000 Strassensendungen mehr transportiert als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Seit Juni ist der Verkehr wegen zahlreichen Baustellen stark belastet.

„Die mangelhafte internationale Koordination der Baustellen gepaart mit unzureichenden Ressourcen bei den Bahnen sind eine Gefahr für den Kombinierten Verkehr“

, warnt Hupac CEO Beni Kunz.

Unkoordinierte Baustellen behindern den Verkehr
Mitte Juni wurde die Luino-Linie für einen Zeitraum von sechs Monaten gesperrt, um den Ausbau dieser wichtigen Zufahrtsstrecke zum Gotthard-Basistunnel zu ermöglichen. Die Umleitungen über Domodossola und Chiasso sind wegen einer hohen Anzahl an Baustellen auf dem gesamten Nord-Süd-Korridor sehr anfällig. Eine Situation, die alle Partner der Logistikkette unter Druck setzt: Transportunternehmer, Kombi-Operateure, Terminals und Bahnen müssen Ineffizienzen hinnehmen und grosse Anstrengungen unternehmen, um das System des kombinierten Verkehrs aufrecht zu erhalten.

Um die Normalisierung der Verkehrslage zu unterstützen, erarbeitet Hupac eine Reihe von Massnahmen gemeinsam mit den Bahnpartnern und Infrastrukturbetreibern. Kurzfristig stehen die Bereitstellung zusätzlicher Lokomotiven und Lokführer, der gezielter Abbau der Verspätungen und die Verschiebung einiger Wartungsarbeiten im Fokus. Langfristig muss der Prozess einer korridorweiten Baustellenplanung überarbeitet und optimiert werden, u.a. durch die Revision der einschlägigen EU-Regulierung (Annex VII der Richtlinie 2012/34). Qualitätssteigernde Massnahmen sind auch der Einsatz von interoperablen Lokomotiven und die Verbesserung der Planung auf allen Ebenen.

Offen ist schliesslich auch die politische Frage, wer künftig die durch Bauarbeiten anfallenden Mehrkosten trägt. Kapazitätsreduzierungen und Fahrzeitverlängerungen belasten die Wirtschaftlichkeit der Verkehre. In einigen Ländern Europas wie UK sind tragfähige Lösungen gefunden worden, um trotz der erforderlichen Bauarbeiten ein marktfähiges Angebot aufrecht zu erhalten.

Nachhaltige Lösungen für Qualität und Marktwachstum

„Die gegenwärtige schwierige Situation zeigt einmal mehr, wie sensibel der Markt auf Qualitätseinbussen reagiert“

, unterstreicht Kunz.

„Unsere Gespräche mit den Bahnen und Infrastrukturbetreibern zielen darauf ab, das Bewusstsein für die Anforderungen unseres gemeinsamen Marktes zu stärken und die Situation nachhaltig zu verbessern.“

Dazu gehört die Aufstockung der Bahnressourcen wie Loks und Lokführer als qualitätssichernde Reserve, eine Massnahme, die mit Kosten verbunden ist, aber welche die Folgekosten der Nicht-Qualität mindert und dem Risiko einer Rückverlagerung von Verkehren auf die Strasse begegnet.

Auch für die gegenwärtig erstarkende Konjunktur müssen umgehend die erforderlichen Ressourcen bereitgestellt werden. Wenn das Bahnsystem die wachsende Nachfrage nach Gütertransporten abschöpfen will, muss in zusätzliche Ressourcen wie Loks und Lokführer investiert werden. Hupac steht bereit mit einer ausreichend dimensionierten Wagenflotte.

„Wir wollen vom Verkehrswachstum profitieren“

, so Kunz.

Hupac begrüsst den Masterplan Schienengüterverkehr und fordert internationale Optik
Den Schienengüterverkehr stärken und wirtschaftlich attraktiver gestalten – das ist das Ziel des Masterplans Schienengüterverkehr der Bundesrepublik Deutschland. Der Ende Juni vorgestellte Plan enthält viele positive Elemente, wie beispielsweise die Halbierung der Trassenpreise zur Ankurblung der Nachfrage, die zügige Umsetzung eines flächendeckenden 740-Meter-Netzes, den Ausbau von Grossknoten und ein Förderprogramm für die ETCS-Nachrüstung von Lokomotiven.

„Wir begrüssen die Stossrichtung des Masterplans, der dem Schienengüterverkehr hohe Priorität einräumt und entsprechende Investitionen anregt“

, so Kunz.

Die Umsetzung soll im Herbst nach der Bundestagswahl in Angriff genommen werden. Die Anforderungen des grenzüberschreitenden Verkehrs sind in der gegenwärtigen Fassung des Masterplans jedoch noch unterrepräsentiert.

„90% unseres Verkehrs tangieren Deutschland“

, stellt Kunz fest.

„Internationale Kooperation, integrierte Planung, europaweite Harmonisierung und Interoperabilität sind Stichworte, die wir im Masterplan noch vermissen.“

Positive Entwicklungen sind auch im Markt Italien zu beobachten. Infrastrukturausbauten und eine bahnfreundliche Verkehrspolitik haben zu einer Zunahme des Schienengüterverkehrs geführt.

„Die Marktnähe des Infrastrukturbetreibers RFI Rete Ferroviaria Italiana ist ein positives Element für unseren Bereich“

, sagt Kunz.

Nach Ausbau der Zulaufstrecken via Chiasso und Luino und Fertigstellung der Terminals in Mailand, Piacenza und Brescia kann Hupac auf optimale Produktionsbedingungen in Italien zählen.

Verkehrsentwicklung im 1. Halbjahr 2017 Anzahl StrassensendungenJanuar-Juni 2017Januar-Juni 2016in %
Transalpin via CH254.229231.7939,7
Transalpin via A18.79818.4581,8
Transalpin via F1.9121.62817,4
Nicht-transalpin132.986124.6406,7
Gesamt407.925376.5198,3

 

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