Wieder zurück im Sernftal

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Es ist vollbracht: Nach Jahren von Planen und Handeln ist auch der ehemalige Sernftalbahn-Triebwagen BDe 4/4 Nr. 5 wieder zurück in seiner Heimat. Am Dienstag, 25. Juli 2017 traf er mit einem Spezialtransport – 69 Tonnen schwer und 30 Meter lang – in Elm ein. Zusammen mit dem Triebwagen Nr. 6 bildet er ab sofort den neuen Blickfang beim historischen Stations-Ensemble.

Pünktlich traf der Schwertransport mit dem frisch restaurierten Triebwagen auf seiner letzten grossen Reise von Rumänien über Österreich und Deutschland im Glarnerland ein. Viele Schaulustige und Fotografen begleiteten den Rückkehrer durchs Glarnerland bis an den südlichen Endpunkt der ehemaligen Sernftalbahn in Elm. Wenn möglich fuhr der Rücktransport auf der Strecke, wo früher die Gleise der Sernftalbahn verlegt waren. Spektakulär war die Durchfahrt im Dorf Matt bei der Kirche – der engsten Stelle der damaligen Bahn.

In Elm war von Vereinsmitgliedern alles Bestens vorbereitet für das Entladen des neuen Juwels. Problemlos rollte der Triebwagen Nr. 5 auf das Gleis neben die Nr. 6. Aus grosser Freude musste der über siebzigjährige Projektleiter Köbi Keller einige Tränen wegwischen. Er und alle Beteiligten des Vereins Sernftalbahn dürfen stolz auf das Vollbrachte sein!

Der Meilenstein in der SeTB-Vereinsgeschichte – der erfolgreiche Abschluss der „Rückholaktion Triebwagen“ – wird am 17. August 2017 mit einem kleinem Festakt in Elm gefeiert.

Chronologie „Rückholaktion Triebwagen“
Vorgeschichte
Der Verein Sernftalbahn wurde im Jahr 2006 auf Initiative von Ernst Bobby Leutwiler aus Ennenda ins Leben gerufen. Bereits damals geisterte in den Köpfen der 16 Gründungsmitglieder die Idee einen vierachsigen Triebwagen der ehemaligen Sernftalbahn ins Chlytal zurückzuholen.Im Frühling 2009 konnte das SeTB-Museum im frisch herausgeputzten Güter-schuppen bei der einstigen Station Engi Vorderdorf eröffnet werden.

An der Hauptversammlung im Februar 2010 beschlossen die Vereinsmitglieder beim Museum ein Trasse für den SeTB-Güterwagen K 36 und einen ehemaligen SeTB-Triebwagen aus Österreich zu erstellen. Zwei Jahre später wurde an der Hauptversammlung entschieden das Museumsgleis zu überdachen, um die historischen SeTB-Fahrzeuge vor Wind und Wetter zu schützen.

2012
An der Hauptversammlung im Februar 2012 wurde von den Vereinsmitgliedern ein Antrag von Köbi Keller angenommen die Rückführung eines vierachsigen SeTB-Triebwagens von Oberösterreich in die ursprüngliche Heimat voranzutreiben. Das Vorhaben verzögerte sich, da Stern & Hafferl verlauten liess, dass die beiden vierachsigen Triebwagen in den nächsten Jahren weithin auf der Attergaubahn im Einsatz stehen werden.

2013
Mit der Vereinsreise im Mai 2013 zu den „Sernftalern“ auf der Attergaubahn in Oberösterreich stieg bei den Mitgliedern die Euphorie für die „Rückholaktion Triebwagen“. Der Vorstand konnte den ersten persönlichen Kontakt mit Vertretern von Stern & Hafferl, dem Betreiber der Attergaubahn, aufnehmen.

Köbi Keller, Projektleiter „Rückholaktion Triebwagen“, machte zusammen mit Vorstandskollegen erste Abklärungen für die Sanierung/Restaurierung eines Triebwagens und evaluierten Betriebe im In- und Ausland für die Vergabe der anstehenden Arbeiten. Die Gesamtkosten (Kauf, Sanierung, Aufarbeitung, Bemalung und Transport) werden für einen Triebwagen auf zirka 100’000 Schweizer Franken voranschlagt.

2014
Ein Antrag von fünf Vereinsmitgliedern auch den zweiten Triebwagen aus Oberösterreich ins Glarnerland zurückzuholen wurde vorbehältlich der Finanzierung und der Standortfrage einstimmig durch die Hauptversammlung im Februar 2014 genehmigt.

Die GRB Glarner Regionalbank konnte als erster Hauptsponsor gewonnen werden Sie sicherte die Übernahme der Transportkosten eines Triebwagen von Österreich in die Schweiz zu, 12’500 Schweizer Franken.

Der Verein liess neue Souvenirartikel mit dem Signet der „Rückholaktion Triebwagen“ produzieren.

An der Landsgemeinde 2014 in Glarus präsentierte der Verein den neuen Spendenflyer „Rückholaktion Triebwagen“ und lancierte die Spendensammlung.

Im Juni 2014 reiste eine SeTB-Delegation nach Attersee im Salzkammergut/
Oberösterreich um die beide „Sernftaler“ zu inspizieren und mögliche Eigenleistungen durch Vereinsmitglieder bei der Aufarbeitung zu klären. Erste Gespräche mit der Betriebsleitung von Stern & Hafferl fanden vor Ort statt und eine Kostenberechnung für die Revisions- und Restaurationsarbeiten wurde veranlasst.

2015
Am 18. März 2015 reichte der Verein beim Lotteriefonds des Kantons Glarus ein 68-seitiges Gesuch für einen Beitrag an die „Rückholaktion Triebwagen“ ein. An der Sitzung vom 9. Juni 2015 bewilligte die Glarner Regierung 30’000 Schweizer Franken aus dem Kulturfonds für die Rückholaktion.

Zweimal reiste 2015 eine Vereinsdelegation für weitere Verhandlungen nach Oberösterreich. Stern & Hafferl teilte mit, dass die beiden Sernftaler voraussichtlich im Herbst 2016 auf der Attergau ausgemustert werden. Der Triebwagen ET 110 (ehemals SeTB BDe 4/4 Nr. 5) soll in Rumänien saniert und zu einem „Sernftaler“ rückgebaut werden und der Triebwagen ET 109 (ehemals SeTB BDe 4/4 Nr. 6) direkt als Ausstellungsfahrzeug in die Schweiz kommen. Die Autobetrieb Sernftalbahn AG hat dem Verein einen zusätzlichen Standplatz für den ET 109 auf dem AS Gelände in Engi Vorderdorf zugesichert. Dort werden Vereinsmitglieder die Restaurations-arbeiten an diesem Fahrzeug ausführen.

Die Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft m.b.H. hat sich für folgende Leistungen bereit erklärt: Technische Begleitung des Umbauprojektes (ET 110); Aufarbeitung der Drehgestelle in Vorchdorf (ET 110); Mithilfe beim Verlad In Attersee und Vorchdorf (ET 109 und ET 110). Diese Leistungen und die Übernahme der Transportkosten Österreich–Rumänien–Öserreich (ET 110) durch Stern & Hafferl sind daran gebunden, dass der Verein beide Fahrzeuge im Herbst 2016 mit allen Lasten zu einem Preis von je 1 Euro übernimmt und bis spätestens Sommer 2017 abtransportieren lässt.

Für beide Fahrzeuge wurde von der Rhätischen Bahn RhB kostenlos die entsprechenden Stromabnehmer zugesichert, die Appenzellerbahnen AB schenkten dem Verein die ehemaligen GF-Kupplungen und die Forchbahn FB hat für den Triebwagen Nr. 5 die beiden Stirntüren in Aussicht gestellt.

2016
Anfangs Jahr wurden weitere Beitragsgesuche bei Firmen und Institutionen eingereicht. Migros Kulturprozent sicherte 10’000 Schweizer Franken zu, Läderach chocolatier suisse und die Schweizerische Stiftung Pro Patria je 5’000 Schweizer Franken. Natürlich konnte der Kassier regelmässig grössere und kleinere Spenden von Firmen und Privatpersonen verbuchen.

Da in Absprache mit der AS AG in Engi Vorderdorf für den zweiten Triebwagen kein geeigneter Standort gefunden werden konnte, nahm der Verein das Angebot der AS AG an den Triebwagen Nr. 6 bei der Rückkehr im Herbst in Elm zu stationieren

An der Hauptversammlung im März 2016 stellte der Vorstand den Antrag die Gesamtkosten von zirka 160’000 Schweizer Franken für die Sicherung und Rettung der beiden Triebwagen zu bewilligen. Einstimmig ohne Enthaltung gaben die anwesenden Mitglieder definitiv grünes Licht für die „Rückholaktion Triebwagen“.

Vom 11. bis 16. April 2016 weilte eine Vereinsdelegation in Attersee um die Verhandlungen mit Stern & Hafferl zum Abschluss zu bringen und die Arbeitsvergabe für den Triebwagen Nr. 5 an die Firma S.C. Calea Ferata Ingusta SRL in Criscior (Rumänien) zu unterzeichnen.

Die feierliche Ausserdienststellung der Triebwagen Nrn. 5 und 6 auf der Attergaubahn und die Inbetriebnahme der neuen Tramlinks fanden am 10. September 2016 statt. Der Gesamtvorstand und weitere SeTB-Vereinsmitglieder nahmen an der feierlichen Zeremonie vor Ort teil.

Bereits am 29. September 2016 konnte die Nr. 6 in Vöcklamarkt auf einen Schwertransporter der Firma Egger AG aus St. Gallen verladen werden. Tags darauf traf das „fremde“ Fahrzeug in seiner alten Heimat in Elm ein. Am 30. September 2016 um 16:15 Uhr rollte der ehemalige SeTB-Vierachser, noch in der Bemalung von Stern & Hafferl, wieder auf „seinen“ Chlytaler-Boden.

Sofort formierte sich um den Projektleiter Köbi Keller eine Arbeitsgruppe „Nr. 6“, welche jeweils freitags die Restaurierung des Juwels innen und aussen vorantrieb.
Die Bevölkerung und die Gäste von Elm zeigten grosses Interesse am Rückkehrer und verfolgten interessiert den Fortschritt der Restaurationsarbeiten.

2017
Der Triebwagen Nr. 5 wurde Mitte Januar ohne Drehgestelle zur Fachwerkstätte S.C. Calea Ferata Ingusta nach Criscior in Rumänien transportiert. Dort wurde das Fahrzeug unter der Leitung des Inhabers Georg Hocevar, der sich als äusserst kooperativer Partner erwiesen hat, saniert und restauriert.

Auf Grund des einstimmigen Beschlusses an der Hauptversammlung am 23. März zum Projekt „Elm 2020“ (Verlegung des SeTB-Museums nach Elm) hat der Vorstand entschieden den zweiten Triebwagen bei seiner Rückkehr ebenfalls direkt nach Elm zu transportieren. Diese Regelung ist für den Verein zukunftsweisend und spart zudem die Kosten eines zusätzlichen Transportes des Triebwagens von Engi Vorderdorf nach Elm in zwei bis drei Jahren.

Am 13. Juli verliess der Wagenkasten Nr. 5 nach abgeschlossener Restaurierung auf einem österreichischem Schwertransporter Rumänien wieder in Richtung Vorchdorf zu Stern & Hafferl. Drei Vereinsmitglieder reisten mit der SeTB-Beschriftung im Reisegepäck ebenfalls nach Vorchdorf um dort das ursprüngliche Erscheinungsbild des ehemaligen „Sernftalers“ zu vervollständigen.

Nach der Montage der Drehgestelle durch Mitarbeiter von Stern & Hafferl wurde das neue alte und historisch wertvolle SeTB-Juwel am Montag, 24. Juli, bei der S&H-Hauptwerkstätte in Vorchdorf auf ein Fahrzeug der Firma Emil Egger AG verladen. Der 69 Tonnen schwere und 29,5 Meter lange Spezialtransport wird heute im Glarnerland erwartet und der Triebwagen Nr. 5 neben dem bereits fertig restaurierten Triebwagen Nr. 6 in Elm entladen werden.

Bis zur offiziellen Begrüssung der beiden Triebwagen am 17. August wird beim Triebwagen Nr. 6 sein richtiger Schweizer Pantograph ebenfalls auf dem Dach montiert sein. Ein weiterer Meilenstein in der SeTB-Vereinsgeschichte kann mit dem Festakt abgeschlossen werden.

Wir danken ganz herzlich allen beteiligten Sponsoren, Gönnern und Spendern – Institutionen, Firmen und Privatpersonen – für die tolle Unterstützung bei unserem ambitioniertem Projekt „Rückholaktion Triebwagen“. Ohne sie alle wäre die Rettung der beiden „Sernftaler“ nicht möglich gewesen.

Abriss aus der Geschichte der vierachsigen SeTB-Triebwagen der zweiten Generation
Die Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG in Schlieren SWS und die Maschinenfabrik Oerlikon in Zürich-Oerlikon MFO fertigten die drei vierachsigen Triebwagen. Als CFe 4/4 Nrn. 5–7 kamen sie in den Monaten Juni bis August 1949 bei der Sernftalbahn in den Dienst. Nach der schweizweiten Aufhebung der dritten Wagenklasse im Sommer 1956 lautete die Fahrzeugbezeichnung BFe 4/4, ab 1963 schliesslich BDe 4/4.

Im Jahr 1969 verkaufte die Sernftalbahn die Triebwagen nach der Betriebseinstellung an die Aigle–Ollon–Monthey–Champéry-Bahn AOMC. Auf der Talstrecke Aigle–Monthey kamen sie mit einem neuen Anstrich als BDe 4/4 111–113 zum Einsatz.

Die Bahngruppe Stern & Hafferl in Österreich erwarb die „Sernftaler“ 1985/86 von der AOMC, nachdem sie dort als überzählige Fahrzeuge aus dem Verkehr genommen wurden. Der ehemalige Nr. 5 kam als BD4ET 23108 auf der Strecke Gmunden–Vorchdorf bei der Traunseebahn zum Einsatz, die ehemaligen Nrn. 6 und 7 als BD4ET 26109 und BD4ET 26108 bei der Attergaubahn auf der Strecke Vöcklamarkt–Attersee. Ein Depotbrand in Attersee zerstörte im Dezember 1987 die ehemalige Nr. 7. Kurz darauf versetzte Stern & Hafferl den ehemaligen Triebwagen Nr. 5 von der Traunseebahn zur Attergaubahn und bezeichnete ihn neu als BD4ET 26110. Bis am 10. September 2016 standen die beiden ursprünglichen SeTB-Triebwagen Nrn. 5 und 6 in Oberösterreich täglich im Fahrplanverkehr im Einsatz.

Öffnungszeiten des SeTB-Museums/Gartenbahnbetrieb
Das Museum in Engi Vorderdorf ist an jedem dritten Wochenende in den Monaten Mai bis Oktober geöffnet, jeweils von 10–16 Uhr. Die Gartenbahn fährt nur bei trockener Witterung.

Nächste Öffnungstage:

  • Samstag, 19.08.2017 & Sonntag, 20.08.2017
  • Samstag, 16.09.2017 & Sonntag, 17.09.2017
  • Samstag, 21.10.2017 & Sonntag, 22.10.2017

Der Eintritt ins Museum ist kostenlos. Spenden für die Unterstützung der Aktivitäten des Vereins werden gerne entgegengenommen.

Auf Anfrage sind kostenpflichtige Gruppenführungen ausserhalb der Öffnungszeiten möglich. Auf Wunsch wird ein Glarner Apéro angeboten.

Haben Sie Interesse aktiv in unserem Verein mitzumachen? Helfen Sie mit die Erinnerungen an die Überlandstrassenbahn Schwanden–Elm wach zu halten! Gerne übernehmen wir Ausstellungsstücke und Zeitdokumente aus Privatbesitz in unsere Sammlung. Bitte kontaktieren Sie uns auf info@sernftalbahn.ch.

Info

Erstellt: 27. Jul 2017 @ 18:27

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