Der Schienengüterverkehr durch die Alpen konnte im ersten Semester 2017 wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes nicht an das Wachstum der Vorjahre anschliessen. Aufgrund des Unterbruchs der Rheintalbahn bei Rastatt und der Totalsperre für den Ausbau der Luino-Strecke ist für das zweite Halbjahr 2017 mit einem weiteren Rückgang auf der Schiene zu rechnen. Die Zahl der Lastwagenfahrten über die Schweizer Alpenübergänge nahm weiter ab und sank auf den tiefsten Stand seit 1999.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat am 19. September 2017 den Bericht zum alpenquerenden Güterverkehr im ersten Halbjahr 2017 veröffentlicht. Dieser zeigt, dass in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 20.5 Mio. Tonnen über die Schweizer Alpen transportiert wurden. Das sind 1.1 % weniger als im 1. Halbjahr 2016. Anders als in den Vorjahren gelang es den Anbietern im Schienengüterverkehr nicht, ihren Marktanteil auszubauen. Zahlreiche Bautätigkeiten in der Schweiz und auf den Zufahrtsstrecken des alpenquerenden Schienengüterverkehrs im Ausland, besonders die zahlreichen Bauarbeiten zur Erstellung des 4-Meter-Korridors, führen gemeinsam mit einer hohen Auslastung der vorhandenen Infrastruktur zu Einschränkungen und Kapazitätsengpässen, vor allem auf der Gotthard-Achse. Nicht zuletzt ist der Markt von starkem Wettbewerb geprägt. Der Bahnanteil am gesamten alpenquerenden Güterverkehr in der Schweiz ging in der Berichtsperiode auf 70.9 %, zurück. Dies sind 0.4 Prozentpunkte weniger als im ersten Semester 2016.

Während der Wagenladungsverkehr deutlich zurückging (-18.7%), konnte der unbegleitete kombinierte Verkehr durch die Alpen zulegen (+6.7%). Daraus resultiert in der Summe eine leicht negative Entwicklung auf der Schiene. Die Entwicklung im 2. Halbjahr wird durch Bauarbeiten auf der Luino-Linie beeinflusst. Diese dienen dem Ausbau der Nord-Süd-Achse, insbesondere der Ertüchtigung der Gotthard-Achse für Transporte mit vier Metern Eckhöhe. Die Arbeiten gehen mit einer halbjährigen Totalsperre einher, die Mitte Juni 2017 begann. Aufgrund des Unterbruchs der Rheintalbahn wird der alpenquerende Schienengüterverkehr im zweiten Halbjahr 2017 nicht die Werte des Vorjahres erreichen.

Auch strassenseitig ging der Güterverkehr durch die Alpen im ersten Halbjahr zurück: Die Zahl der alpenquerenden Fahrten schwerer Güterfahrzeuge sank auf 489’000. Im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode fuhren damit 1.5 % weniger Lastwagen durch die Schweizer Alpen. Die Zahl der Fahrten sank auf den tiefsten Halbjahreswert seit Inkrafttreten des Verkehrsverlagerungsgesetzes im Jahr 1999. Gleichzeitig konnte die Auslastung gesteigert werden, was das nahezu unveränderte Transportaufkommen in Tonnen auf der Strasse (+0.1 %) zeigt.

Marktanteile in % an Netto-netto-Tonnen

2016

1. Semester 2017

Gotthard
SimplonTotalGotthardSimplonTotal
SBB Cargo International 44.3%23.9%34.8%48.4%35.8%42.6%
SBB Cargo44.7%12.7%29.8%39.9%9.4%25.9%
BLS Cargo 7.5%41.4%23.4%7.4%43.4%23.9%
Crossrail0.0%15.9%7.4%0.0%3.0%1.4%
DB Cargo AG2.6%5.8%4.1%3.5%8.3%5.7%
Railcare0.8%0.0%0.4%0.8%0.0%0.5%
andere0.0%0.4%0.2%0.0%0.4%0.2%
Total100.0%100.0%100.0%100.0%100.0%100.0%
Stellungnahme Alpen-Initiative: Erfreuliche Zahlen, aber es braucht weitere Anstrengungen
Das Bundesamt für Verkehr hat die neusten Zahlen des alpenquerenden Güterverkehrs präsentiert: Auch im ersten Halbjahr 2017 sind wieder weniger Lastwagen durch die Schweizer Alpen gefahren als in der Vorjahresperiode.

Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative, äussert sich zu den Zahlen wie folgt:

„Die Alpen-Initiative ist erfreut über den weiteren Rückgang. Aber es braucht zusätzliche Anstrengungen, um das Verlagerungsziel 2018 zu erreichen. Wir haben deshalb 10 Massnahmen vorgeschlagen, mit denen die Zahl der alpenquerenden Fahrten weiter reduziert und das Verlagerungsziel von maximal 650’000 Lastwagen pro Jahr erreicht werden kann.“

„Es genügt nicht, sich über langsam sinkende Zahlen zu freuen. Es braucht politische Anstrengungen, um das vom Volk gewünschte und im Gesetz verankerte Verlagerungsziel zu erreichen. Der Bundesrat muss aktiv Verlagerungspolitik betreiben, nicht einfach abwarten, wohin die Reise auf den alpenquerenden Transitachsen geht.“

„In den 10 Massnahmen fordert die Alpen-Initiative unter anderem gleiche Rahmenbedingungen für Bahn und Strasse, aber auch die Einführung von CO2-Limiten für Lastwagen. Ebenso verlangen wir die Einführung einer Alpentransitabgabe (Toll Plus) für den alpenquerenden Schwerverkehr oder die maximale Ausschöpfung der LSVA. Mit vermehrten Kontrollen der Lastwagen auf den Transitachsen kann zudem die Sicherheit erhöht und die Verlagerung unterstützt werden. Der Bund muss deshalb das längst versprochene Schwerverkehrskontrollzentrum südlich des Gotthards realisieren.“

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