SBB Cargo: Automatische Bremsprobe bringt Zeitersparnis im Rangierbetrieb

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Der Testbetrieb ist ein Automatische Bremsprobe: Meilenstein für die technologische Entwicklung im Güterverkehr. / Quelle: SBB CFF FFS Cargo

Die automatische Bremsprobe wird seit Ende August 2017 im realen Betrieb getestet. Bislang war eine automatisierte Bremsprobe an Güterwagen nicht möglich, da diese über keine Energieversorgung verfügen. Ein länderübergreifendes Projekt ändert das nun – und schafft Effizienz.

Die automatische Bremsprobe wurde von SBB Cargo gemeinsam mit dem Experten für Güterwagenmonitoring, PJ Messtechnik (PJM), und der österreichischen Rail Cargo Austria (RCG) entwickelt. Sie wird seit Ende August 2017 an drei Testzügen der grössten Kundin von SBB Cargo, der Migros, in der Deutschschweiz eingesetzt. Die drei Kompositionen bestehen aus einmal zehn Wagen und zwei Mal fünf Wagen. Somit sind insgesamt 20 Wagen im Einsatz, die im Kombinierten Verkehr unterwegs sind.

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SBB Cargo testet die automatische Bremsprobe zwischen August 2017 und Sommer 2018. / Quelle: SBB CFF FFS Cargo

Wagen legen im Testbetrieb rund eine Million Kilometer zurück
Die Wagen rollen bis im zweiten Quartal 2018 zwischen Oberbuchsiten und Frenkendorf sowie zwischen Oberbuchsiten und Gossau. Dabei absolvieren die Fahrzeuge bis zum Ende der Tests insgesamt rund eine Million Kilometer. Zudem wird mehr als 500 Mal die Bremsprobe gemacht und somit schliesslich die Bremsen aller Wagen rund 10’000 Mal geprüft.

Das System dahinter dokumentiert die Ergebnisse der automatischen Bremsprobe auf den Tablets des Bremsprobenverantwortlichen und leitet diese Daten direkt ans Projektteam weiter. Die kontinuierliche Analyse der Messergebnisse fliesst in die Weiterentwicklung des Produktes ein.

Eine halbe Stunde einsparen durch Automation
Bisher ist eine automatisierte Bremsprobe an Güterwagen nicht möglich, da diese über keine Energieversorgung verfügen. Dieses Problem löst PJM über die Verwendung von Generatoren, die permanent während Fahrt Energie erzeugen und in einen Akku einspeisen. Bei der herkömmlichen Güterwagen-Bremsprobe müssen vor jeder Neuformierung eines Zuges die Bremsen von einem Mitarbeiter direkt am Wagen auf ihre Funktionalität überprüft werden. Dies kann bei einem 500 Meter langen Güterzug bis zu 40 Minuten dauern. Die Vorteile der automatischen Bremsprobe, die nur rund zehn Minuten beansprucht, liegen damit auf der Hand: Sie schafft enorme Effizienz im Rangierbetrieb.

Interoperabilität dank länderübergreifendem Projekt

„Ich bin stolz, dass wir uns über die Landesgrenzen hinweg gefunden haben“

, sagte Nicolas Perrin, CEO von SBB Cargo, bereits im Mai 2017 an der Transportlogistikmesse in München.

Damals unterzeichneten SBB Cargo, PJM und die österreichische RCG einen Vertrag zur Zusammenarbeit. Das gemeinsame Ziel ist es, einen intelligenten Güterzug länderübergreifend einzusetzen und damit die Grundlage für einen neuen Standard der In-Train-Kommunikation zu schaffen.

Auch Dr. Clemens Först, Vorstandssprecher von Rail Cargo Austria bestätigt:

„Die Kooperation mit der SBB ist ein wesentlicher Schritt im Schienengüterverkehr, weil die Bahnen nun endlich über die Grenzen hinaus etwas Gemeinsames entwickeln.“

Dieses Pilotprojekt ist ein Meilenstein für die technologische Entwicklung im Schienengüterverkehr.

„Schon jetzt zeigt sich, wie viel Potential die technologische Plattform der automatischen Bremsprobe bietet“

, berichtet Dr. Martin Joch, Geschäftsführer von PJM.

So wird nicht nur die Interoperabilität garantiert, sondern auch offene Standards für den europäischen Warenverkehr erprobt. Darüber hinaus werden Sicherheit und Zuverlässigkeit im Schienenverkehr mit automatisierten Prozessen weiter erhöht.

Automatische Bremsprobe ist Teil von Automationsprojekt „Ein-Personen-Betrieb“
Dieses Projekt von SBB Cargo besteht aus den drei wesentlichen Komponenten:

  • Rangieren mit Fahrwegüberwachung: Sensoren und Kameras erfassen beim Rangieren den Raum vor der Lok und warnen akustisch und visuell vor Hindernissen. Der Rangiermitarbeiter steht dabei neben dem Zug und steuert ihn mit der Funkfernsteuerung und dem Kollisionswarnsystem.
  • Automatische Kupplung: Diese Komponente wird momentan am „5L“-Demonstratorzug getestet. Sie wird den Rangierbetrieb deutlich effizienter gestalten.
  • Automatische Bremsprobe: Gegenüber der Bremsprobe von Hand wird die automatische Bremsprobe die Zugsvorbereitungszeit signifikant verkürzen.

Weitere Informationen zu den Innovationsprojekten von SBB Cargo finden Sie unter sbbcargo.com/Innovation

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