Spitzentreffen Regierungsrat Kanton Aargau und SBB: Gemeinsam für einen starken und bezahlbaren öV
– Regierungsrat stimmt der Fusion von BDWM und WSB zu

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Der Aargauer Landammann Stephan Attiger und die SBB unterstreichen anlässlich des jährlichen Spitzentreffens die Wichtigkeit der Zusammenarbeit für einen starken öffentlichen Verkehr. Diese Zusammenarbeit wurde im Rahmen der «Gesamtperspektive Aargau» gefestigt. Die «Gesamtperspektive Aargau» umfasst Angebote für Kundinnen und Kunden des Personen- und Güterverkehrs, notwendige Eisenbahninfrastrukturprojekte, die Entwicklung von Arealen um Bahnhöfe und die klare Definition zukünftig benötigter Flächen für die Bedürfnisse des öffentlichen Verkehrs. Ziel ist es, Engpässe zu beheben, das Bahnangebot weiter zu verbessern, attraktive öV-Drehscheiben zu entwickeln und zentrale Areale für städtebauliche Entwicklungen zu nutzen. Die Entwicklungen der Projekte der «Gesamtperspektive Aargau» standen im Spitzentreffen am 24. November 2017 im Zentrum.

Stephan Attiger, Landammann des Kantons Aargau und Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, hat SBB CEO Andreas Meyer und SBB Regionalkoordinator Michel Berchtold zu einem gemeinsamen Treffen eingeladen. Im Vordergrund standen der gemeinsame Austausch und die Entwicklungen in der «Gesamtperspektive Aargau», mit der die gemeinsame Zusammenarbeit weiter gefestigt wurde. Beide Parteien betonten, dass auf allen Ebenen ein sehr konstruktiver Austausch stattfindet und wichtige Projekte gut vorankommen.

Die Konzeptionsphase rund um die öV-Drehscheibe Wohlen steht vor dem Abschluss. Ziel ist es, die Umsteigebeziehungen zwischen den Zügen der SBB und BDWM mit der Sanierung und behindertengerechten Anpassung des BDWM-Bahnhofs wesentlich zu verbessern. Am Bahnhof Stein-Säckingen konnten im Sommer der neue Busterminal und das Bike+Rail eröffnet werden. Die Bauarbeiten für das dortige P+Rail-Parkhaus haben begonnen. Nach Abschluss der Arbeiten in Stein-Säckingen wurden von der SBB rund 4 Millionen Franken und vom Kanton Aargau rund 2,3 Millionen Franken investiert. Zudem werden in den Kantonen Aargau und Solothurn von SBB Infrastruktur Grossprojekte wie der Eppenbergtunnel und der Vierspurausbau Aarau-Olten im Umfang von mehreren hundert Millionen Schweizer Franken vorangetrieben.

Auf der gemeinsamen Agenda des Treffens standen zudem weitere aktuelle Themen wie die STEP Ausbauschritte 2025 und 2030/35 sowie die Vergabe der Fernverkehrskonzession.

Kanton Aargau und SBB unterstützen Ausbau des Bahnnetzes

Der Kanton Aargau und die SBB sind sich einig, dass das Angebot dort ausgebaut werden soll, wo Kundinnen und Kunden am meisten profitieren und wo es bereits heute Engpässe gibt. So begrüssen Kanton und SBB den vorgeschlagenen Umfang des Ausbauschritts 2030/35 von 11,5 Milliarden Franken. Grundsätzlich befürworten Kanton und SBB die Systematisierung des Angebotes auf der Ost-West-Achse und die dadurch mögliche optimale Trassennutzung mit Verbesserungen des Angebots im Kanton Aargau. So soll beispielsweise im Viertelstundentakt eine RE-Verbindung Aarau – Lenzburg – Zürich möglich werden.

Regierungsrat Stephan Attiger betonte im Spitzengespräch aber auch die zwingenden Massnahmen zum Beheben der entstehenden Nachteile der Systematisierung. Der Kanton Aargau und die SBB unterstreichen aber auch die Wichtigkeit des Infrastrukturausbaus am Bahnhof Lenzburg, um dessen Leistungsfähigkeit und Komfort zu verbessern. Stephan Attiger legte dar, dass es für die Funktionsfähigkeit des Bahnhofs Lenzburg als öV-Drehscheibe zweier Unterführungen bedarf. Zudem sprach er auch die wichtigen Infrastrukturprojekte der nächsten Jahre auf Kantonsgebiet an, insbesondere die Leistungssteigerung zwischen Rupperswil und Mägenwil sowie den Ausbau des Bahnhofs Zofingen. Mit beiden Anpassungen können die Angebote im Regional- und Fernverkehr weiter verbessert werden.

Die SBB unterstützt zudem alle Anstrengungen, um das System des öffentlichen Verkehrs insgesamt besser auszulasten. Hier sei auch die Unterstützung des Kantons sowie der Städte und Gemeinden notwendig. Die SBB zeige Handlungsmöglichkeiten für Kantone und Kommunen auf, damit der öffentliche Verkehr wettbewerbsfähiger wird. Weiter steht die SBB im Kontakt mit Hochschulen, öffentlichen Verwaltungen und Firmen, damit diese dank angepassten Unterrichtszeiten und flexiblen Arbeitszeitmodellen die Hauptverkehrszeiten entlasten können. Am 1. November 2017 wurde die Zusammenarbeit der SBB mit der FHNW präsentiert. Zu den FHNW-Trägerkantonen gehört auch der Kanton Aargau. Ab September 2018 werden am neuen Campus Muttenz die Vorlesungen gestaffelt, damit die Hauptverkehrszeiten entlastet werden können.

Bessere Kundeninformation im Bahnhof Aarau

Zuletzt sicherte die SBB Stephan Attiger zu, dass auf dem Generalanzeiger im Bahnhof Aarau im Dezember 2017 wieder die Zugabfahrten im Hauptkundenstrom sichtbar sein werden. Zurzeit sind dort Werbung und bei Bedarf Informationen zu Störungen geschaltet, während die Zugabfahrten auf der Rückseite angezeigt werden. Dieses Konzept hat sich für Kundinnen und Kunden nicht bewährt. Darauf hat die SBB nun reagiert: Abfahrts- und Störungsinformation sowie Werbung werden zukünftig neu positioniert.

Regierungsrat stimmt der Fusion von BDWM und WSB zu – Zusammenschluss der beiden Bahnen bringt erhebliche Vorteile
Der Regierungsrat stimmt einer Fusion der BDWM Transport AG und der Wynental- und Suhrentalbahn AG (WSB) zu. Der vollständige Zusammenschluss der regionalen Transportunternehmen bringt gegenüber der ursprünglich angedachten Gründung einer gemeinsamen Management Holding verschiedene Vorteile: grössere Synergien, ein kleinerer Aufwand für die Umsetzung, die raschere Einführung einer gemeinsamen Firmenkultur, die einfachere Anpassung der Aktionärsstruktur. Die definitive Entscheidung zur Fusion obliegt den Aktionären der beiden Bahnen anlässlich ihrer ordentlichen Generalversammlungen im Frühjahr 2018.

Der Kanton Aargau ist der grösste Aktionär der beiden Bahnen BDWM Transport AG (BDWM mit der Tochtergesellschaft Limmat Bus AG; Aktienanteil 51,4 Prozent) und der Wynental- und Suhrentalbahn AG (WSB; Anteil 42,8 Prozent). Weitere Hauptaktionäre sind der Bund und der Kanton Zürich, wobei der Kanton Zürich lediglich eine Beteiligung an der BDWM hat. Ende September 2016 hatte der Kanton Aargau, in enger Absprache mit den anderen Hauptaktionären, die Eigentümerstrategien der Bahnen angepasst und einen Grundsatzentscheid zur künftigen Organisationsstruktur gefällt: Die Bahnen sollten in einer regionalen Management Holding mit einer gemeinsamen Verwaltung (Finanzen, Controlling, Personal und Unternehmensentwicklung) zusammengeführt werden. Die Möglichkeit einer Fusion zu einem späteren Zeitpunkt blieb dabei ausdrücklich offen.

Danach hat der Lenkungsausschuss der Bahnen weitere Abklärungen getroffen und ein Reorganisationskonzept erstellt. Insbesondere wurden die Unterschiede zwischen einer Management Holding und einer Fusion vertiefter analysiert, wobei steuerliche, gesellschafts- und verkehrsrechtliche sowie vor allem auch finanzielle Aspekte geprüft wurden. Das Resultat: Der Lenkungsausschuss hat eine Fusion empfohlen. Der Regierungsrat ist dieser Empfehlung nun gefolgt. Auch der Bund begrüsst die Fusion, der Kanton Zürich hat gegen den Zusammenschluss keine Einwände.

Die Vorteile der Fusion

Die Fusion bringt gegenüber der heutigen Organisation oder einer Management Holding verschiedene Vorteile:

  • Die Strukturen sind schlanker und die Synergien grösser, damit steigt auch das Kostensenkungspotential.
  • Der Aufwand für die Umsetzung ist kleiner.
  • Die Phase der Unsicherheit für die Mitarbeitenden ist kürzer; eine gemeinsame Unternehmenskultur kann rascher etabliert werden.
  • Alle bisherigen Aktionäre werden automatisch Aktionäre der fusionierten Gesellschaft, so dass keine weitere Bereinigung der Aktionärsstruktur notwendig ist.
  • Die neue Gesellschaft ist für die künftigen technischen, organisatorischen und finanziellen Herausforderungen noch besser aufgestellt.
  • Mit der Fusion erfolgt eine Stärkung und Professionalisierung des Unternehmens; dadurch ist auch die für 2022 geplante Inbetriebnahme der Limmattalbahn sichergestellt (die BDWM hat die Ausschreibung für den Betrieb der Limmattalbahn gewonnen).

Die neue Gesellschaft, bestehend aus den beiden fusionierten Bahnen und den separaten Busbetrieben, beschäftigt insgesamt 550 Mitarbeitende, bei 106 Millionen Franken Umsatz und 30 Millionen Fahrgästen pro Jahr. Damit wird sie zu einer der grösseren Bahn- und Busunternehmen der Schweiz.

Organisation und Aktionärsstruktur

Die vorgeschlagene Organisationsstruktur der neuen Gesellschaft steht im Zeichen der Kontinuität. Als Präsident des Verwaltungsrates (VR) ist Kaspar Hemmeler (bisheriger VR-Präsident WSB) vorgesehen, als Vizepräsident Mathias Meyer (bisheriger VR-Präsident BDWM). Der Geschäftsleitung wird Dr. Severin Rangosch (aktueller CEO der BDWM) vorstehen. Mathias Grünenfelder (heutiger CEO der WSB) soll stellvertretender CEO und Leiter Grossprojekte der fusionierten Gesellschaft werden. Diese starke Verankerung der Grossprojekte auf Stufe Geschäftsleitung trägt dem Umstand Rechnung, dass die neue Gesellschaft Betreiber der Limmattalbahn wird und daher bedeutende Vorhaben anstehen. Der Sitz der neuen Gesellschaft wird in Aarau sein, die Büros vorerst in den heutigen Räumen der WSB, später im geplanten neuen Bahnhofsgebäude.

Durch die Fusion gibt es auch Veränderungen bei den Eigentumsverhältnissen. Der Kanton Aargau wird gemäss der Bewertung der beiden Bahnen mit rund 45 Prozent der grösste Aktionär der neuen Gesellschaft, der Bund der zweitgrösste mit einem Anteil von rund 33 Prozent. Die Stadt Aarau wird neu einen Anteil von 5,7 Prozent haben (bisher 7,9 Prozent Anteil an der WSB). Der Anteil des Kantons Zürich verringert sich auf 2,2 Prozent (bisher 7,8 Prozent an der BDWM).

Weiteres Vorgehen

In den nächsten Monaten werden verschiedene Teilfragen zur Fusion vertieft und zum Entscheid vorbereitet. Darunter auch Optionen für eine gemeinsame Lösung der beruflichen Vorsorge. Die Kommunikation und Begleitung der Mitarbeitenden geniesst entsprechend einen hohen Stellenwert. Sie wurden über die aktuellen Entscheide im Voraus informiert. Für die Aktionäre der betroffenen Unternehmungen findet im Februar 2018 eine Informationsveranstaltung statt.

Die Fusion soll im Frühjahr 2018 an den ordentlichen Generalversammlungen der Bahnen beantragt und bei einem positiven Entscheid rückwirkend per 1. Januar 2018 vollzogen werden. Für den Kanton Aargau ist von Gesetzes wegen der Regierungsrat zuständig, da er über das Eingehen einer kantonalen Beteiligung zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben beschliesst.

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Erstellt: 26. Nov 2017 @ 09:24

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