Verkauf von Vossloh Rail Vehicles an Stadler Rail abgeschlossen

Vollzug bereits zum Jahresende 2015 erfolgt – Buchgewinn stärkt Eigenkapital – Cash-Zufluss vermindert Nettofinanzschuld

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Mit Wirkung zum Ablauf des 31. Dezember 2015 ist der Verkauf des spanischen Lokomotiven-Geschäfts von Vossloh an die Schweizer Gesellschaft Stadler Rail AG, Bussnang, vollzogen worden. Alle erforderlichen Kartellfreigaben wurden inzwischen erteilt. Der Vertrag über die Veräusserung des von Vossloh als nicht fortgeführte Aktivitäten ausgewiesenen Geschäftsfelds Rail Vehicles an Stadler war am 4. November 2015 unterzeichnet worden. Mit dem Buchgewinn aus der Veräusserung wird sich das Eigenkapital des Vossloh-Konzerns um einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag verbessern. Der Mittelzufluss aus der Akquisition wird die Nettofinanzschuld des Vossloh-Konzerns verringern.

Rail Vehicles mit Sitz in Valencia wurde von Vossloh als eines von drei Geschäftsfeldern im Geschäftsbereich Transportation geführt. Geschäftstätigkeit ist die Entwicklung und Fertigung innovativer dieselelektrischer Lokomotiven sowie von Nahverkehrsbahnen. Im Geschäftsjahr 2014 sind Umsätze in Höhe von 223,2 Mio.€ erzielt worden, in den ersten neun Monaten 2015 betrug der Umsatz 182,4 Mio.€. Mit dem Verkauf von Rail Vehicles wird ein wichtiger Schritt der im Dezember 2014 verabschiedeten Mittelfriststrategie umgesetzt.

Die beiden derzeit noch im Geschäftsbereich Transportation verbleibenden Geschäftsfelder Locomotives in Kiel und Vossloh Electrical Systems werden bis spätestens Ende 2017 ganz oder in Teilen verkauft oder in eine von Vossloh nicht mehr kontrollierte Partnerschaft überführt. Vossloh treibt bis dahin konsequent alle Massnahmen voran, um die Potentiale beider Geschäfte weiter zu entwickeln. Kerngeschäftsbereiche des Konzerns sind Core Components, Customized Modules und Lifecycle Solutions. Der Geschäftsbereich Core Components fertigt im industriellen Massstab Serienprodukte, die in hoher Stückzahl für die Bahninfrastruktur benötigt werden. Entwicklung und Fertigung von Systemen für die Bahninfrastruktur, die regelmässig noch für den Kunden und das Projekt individuell angepasst werden müssen, bilden den Geschäftsbereich Customized Modules. Einbau und Wartung sind zugehörige Leistungen von Customized Modules. Sowohl für Schienenbefestigungssysteme, die dem Geschäftsbereich Core Components zugeordnet werden, als auch für Weichen- und Weichensysteme, die zum Geschäftsbereich Customized Modules gehören, ist Vossloh einer der grössten und weltweit führenden Anbieter. Im Geschäftsbereich Lifecycle Solutions erbringt Vossloh Dienstleistungen rund um die Schiene. Hierunter fallen Schweissungen und Transport der Langschienen, die Instandhaltung und präventive Pflege von Schienen und Weichen oder die Aufarbeitung und Rückführung von Altschienen. Die Leistungen reichen bis zum Lebenszyklus-Management ganzer Streckenabschnitte. In Deutschland ist Vossloh bereits ein führender Anbieter von Schienendienstleistungen.

Stadler Rail zur Übernahme von Vossloh España
Stadler Rail AG übernahm von Vossloh das spanische Lokomotiven-Geschäft in Valencia. Die bereits im November des vergangenen Jahres kommunizierte Übernahme wurde am Silvester rechtlich vollzogen. Der neue Eigentümer hiess die Mitarbeiter in Valencia am 6. Januar 2016 persönlich in der Stadler-Familie willkommen und stellte sich und sein Unternehmen den Behörden und Journalisten vor. Wie er ausführte, ermöglicht die Übernahme Stadler Rail den Eintritt in neue Märkte und neue Marktsegmente und trägt ausserdem zu einer Konsolidierung am Markt bei.

Stadler Rail baut seit über 75 Jahren Züge. Der Systemanbieter von Lösungen im Schienenfahrzeugbau hat seinen Hauptsitz in Bussnang, ein Dorf mit 438 Einwohnern im Osten der Schweiz, nahe an der Grenze zu Österreich und Deutschland. Die Stadler Rail Gruppe verfügt über mehrere Standorte in der Schweiz, in Deutschland, Polen, Ungarn, Tschechien, Italien, Österreich, in den Niederlanden, Weissrussland, Algerien, USA – und jetzt auch in Spanien. Mit der Übernahme des Werkes in Valencia ist die Zahl der Mitarbeiter auf fast 7000 angestiegen. Der Umsatz der Stadler Rail Gruppe belief sich 2014 auf knapp 2 Milliarden Franken. 2015 dürfte sich der Umsatz wegen der Euro-Franken-Krise auf demselben Niveau bewegen. 2013 lag er bei 2,4 Milliarden Franken.

Mit 18 Mitarbeitern angefangen
Peter Spuhler ist Inhaber und CEO der Stadler Rail Group. Der in Sevilla geborene Schweizer übernahm das Unternehmen im Jahr 1989 als 30-Jähriger mit gerade einmal 18 Mitarbeitern und zu einer Zeit, als in Europa niemand mehr in die Schienenfahrzeugbranche investierte. Er begrüsste seine 900 neuen Mitarbeiter in Valencia persönlich und hiess sie in der Stadler-Familie willkommen. „Ich bin stolz, ein so starkes Team bei Stadler integrieren zu dürfen. Ich bin mir sicher, dass wir gestärkt in die Zukunft gehen und die kommenden Herausforderungen gemeinsam meistern werden.“ Spuhler zeigte sich überzeugt, dass mit Valencia ein Unternehmen integriert wird, welches das Produktportfolio von Stadler Rail perfekt ergänzt und dem Unternehmen überdies den Zutritt zu neuen Märkten ermöglicht. „Mit Valencia sind wir neu im Marktsegment der Lokomotiven und stärken unsere Marktposition auf der Iberischen Halbinsel, im südlichen Afrika und in Süd- und Mittelamerika.“

Im Bereich der Strassenbahnen findet durch die Übernahme auch eine gewisse Konsolidierung am Markt statt – was Spuhler als eine Antwort auf die Konsolidierungswelle bezeichnete, welche die Chinesen durch ihren Mammut-Zusammenschluss von CNR und CSR zu CRRC losgetreten haben.

Iñigo Parra neu in der Konzernleitung
Wie Peter Spuhler weiter ausführte, kommt zu den fünf Divisionen der Stadler Rail Gruppe – Schweiz, Deutschland, Zentraleuropa, Components und Service – nun eine weitere Division hinzu. Die neue „Division Spanien“ wird von Iñigo Parra, CEO des Werkes Valencia, geleitet. Parra ist damit neu Mitglied der Konzernleitung von Stadler Rail. Konzernsprache bleibt Deutsch.

Züge für den längsten Eisenbahntunnel
Die bekanntesten Fahrzeugfamilien der Stadler Rail Group sind der Gelenktriebwagen GTW (600 verkaufte Züge), der Regio Shuttle RS1 (497 verkaufte Züge), der FLIRT (1128 verkaufte Züge), der Doppelstocktriebzug KISS (216 verkaufte Züge) und der Hochgeschwindigkeitszug EC 250 (29 verkaufte Züge) im Segment der Vollbahnen und die Variobahn (407 verkaufte Fahrzeuge) sowie der Tango (159 verkaufte Fahrzeuge) im Segment der Strassenbahnen. Der EC250 wird nach der Eröffnung des Gotthard-Tunnels im Frühjahr durch einen der längsten Eisenbahntunnel der Welt fahren und Frankfurt mit Mailand verbinden. Das Segment des Stadtverkehrs wird durch die Metro ergänzt (13+24 verkaufte Fahrzeuge). Des Weiteren stellt Stadler Meterspurfahrzeuge, Reisezugwagen und Lokomotiven her und ist weltweit der führende Hersteller von Zahnradbahnfahrzeugen.

Weiter hält Stadler Rail Service 15 Fahrzeugflotten mit über 300 Fahrzeugen mit einer jährlichen Laufleistung von 60 Millionen Kilometern instand. Mit dem Neuzugang von Valencia und seinem Produktportfolio deckt Stadler Rail nun alle Marktsegmente im Bereich des Schienenfahrzeugbaus ausser Güterwagen und Very-Highspeed-Züge (>250km/h) ab.

Erstellt: 4. Jan 2016 @ 15:43

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