BAV sichert Fahrrechte für Personen- und Güterzüge

0
246

Mit dem Netznutzungskonzept (NNK) und den Netznutzungsplänen (NNP) hat das Parlament neue Instrumente geschaffen, um den Bahnen Fahrrechte (Trassen) für den Güter- und den Personenverkehr zu sichern. Bei der Konkretisierung der Trassen-Zuteilung für die nächsten Jahre konnten die potenziellen Trassen-Konflikte grösstenteils gelöst werden. Bei einer einzelnen Überbelegung auf der Strecke Zürich – Schaffhausen hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) entschieden, die Trasse gemäss dem Willen des Gesetzgebers dem Güterverkehr zu sichern. Geplante halbstündliche Zusatzzüge der Zürcher S-Bahn für die Morgen- und Abend-Stosszeit auf der Linie der S3 zwischen Zürich und Bülach können deshalb nur stündlich gesichert werden. Der definitive Entscheid fällt im Rahmen des Fahrplanverfahrens.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat die Aufgabe, die Fahrrechte (Trassen) für den Güter- und Personenverkehr zu sichern und beiden Verkehrsarten ein attraktives Angebot zu ermöglichen. Dabei muss das BAV verhindern, dass der Güterverkehr bei Ausbauten des Personenverkehr-Angebots das Nachsehen hat. Hierfür wurden die neuen Instrumente Netznutzungskonzept (NNK) und Netznutzungsplan (NNP) geschaffen. Das NNK mit Zeithorizont 2025 wurde am 30. August 2017 durch den Bundesrat verabschiedet. Die daran anknüpfenden Netznutzungspläne werden durch die SBB Infrastruktur erarbeitet und müssen vom BAV genehmigt werden. Bei der Erarbeitung der NNP für die Jahre 2019, 2021 und 2024 konnten verschiedene Konflikte zwischen den Verkehrsarten bereinigt werden. Im einzigen noch offenen Fall hat das BAV entschieden, die Interessen des Güterverkehrs für die Sicherung der minimalen Trassenzahl von Zürich nach Schaffhausen zu wahren und deshalb einen vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) im Rahmen der 4. Teilergänzung ab Dezember 2018 geplanten halbstündlichen Zusatzzug der Zürcher S-Bahn (S3 Zürich – Bülach) in der Hauptverkehrszeit nur stündlich zu sichern. Es verbleibt die Möglichkeit, dass dieser Trassenkonflikt durch die Trassenvergabestelle (Trasse Schweiz) im Rahmen des Fahrplanverfahrens noch gelöst werden kann.

Bei der Erarbeitung der NNP hat sich weiter gezeigt, dass die vom ZVV gewünschten Zusatzzüge der S23 von Zürich nach Winterthur für die abendliche Hauptverkehrszeit entgegen der Darstellung im NNK nicht gesichert werden können. Auslöser ist hier nicht ein Konflikt mit dem Güterverkehr, sondern Platzmangel im Bahnhof Winterthur.

Stellungnahme Zürcher Verkehrsverbund: Bund bevorzugt Güterverkehr statt Halbstundentakt der S3 zwischen Zürich und Bülach
Die S3 soll künftig nicht wie geplant im Halbstundentakt in der Hauptverkehrszeit zwischen Zürich-Hardbrücke und Bülach verkehren. Das hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) entschieden. Die dafür benötigten sogenannten „Trassen“ werden statt dem Personenverkehr dem Güterverkehr zugeschlagen. Die S3 verkehrt deshalb dort nur im Stundentakt. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ist über diesen Entscheid überrascht, weil die Einführung dieses Angebots seit mehreren Jahren geplant war.

Mit den 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn übernimmt ab Dezember 2018 die neue S11 das bisherige Angebot der S3 im Limmattal. Die S3 sollte stattdessen in den Spitzenstunden im Halbstundentakt neu ins Zürcher Unterland nach Bülach geführt werden.

Planungen seit fast einem Jahrzehnt bekannt
Der definitive Fahrplan für die 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn wurde bereits 2009 fixiert. Darin war auch der Halbstundentakt der S3 im Unterland enthalten. Diese Massnahme wurde im Hinblick auf das starke Wachstum der Fahrgastzahlen im Unterland für nötig erachtet und hat sich bestätigt. Das Konzept war auch dem BAV bekannt. Der Kanton Zürich hatte gestützt darauf die Finanzierungskredite für Infrastrukturanpassungen von insgesamt 345 Mio. Franken gesprochen, wovon er rund zwei Drittel trägt.

Angebot und zusätzliche Doppelstockzüge bestellt
Gestützt auf diese Fahrpläne hat der ZVV zusammen mit den übrigen Bestellern (darunter auch der Bund) bei der SBB das Angebot der Zürcher S-Bahn verbindlich bestellt. Auch das Fahrplanverfahren des ZVV für das Verbundangebot 2019 ist einschliesslich der S3 und der darauf ausgerichteten Buslinien inzwischen rechtskräftig abgeschlossen worden. Dabei waren auch sämtliche Gemeinden involviert.
Für die zusätzlichen S-Bahn-Kurse wurden zudem auch neue Doppelstockzüge gekauft, die bei einer derart kurzfristigen Streichung der S3 nicht anders eingesetzt werden können.

ZVV prüft weitere Schritte
Der ZVV ist stets bestrebt, mittels transparenter und vorausschauender Planung grösstmögliche Sicherheit zu erlangen. Dies vor allem auch im Hinblick auf grössere finanzielle Investitionen. Der vorliegende Entscheid des BAV widerspricht Planungen und Vereinbarungen, die seit Jahren bekannt sind. Der ZVV wird die Begründung des Entscheids abwarten und anschliessend über allfällige weitere Schritte entscheiden.

Shop Bahnonline.ch
Im Shop von Bahnonline.ch finden Sie zahlreiche Bahnsachen zu günstigen Preisen.

Shop ansehen >

Kommentare

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: