Digitalisierung, harmonisierte Tarife, neue Branchenstrukturen. Unter dem Namen «ÖV-Ticket 2020» arbeiten die Verkehrsunternehmen und die regionalen Tarifverbünde der Schweiz gemeinsam an der Zukunft des öffentlichen Verkehrs. Die Branche stellt sich mit dem neuen Programm breit und vereint auf, um in einer zunehmend digitalisierten Mobilitätswelt massgeschneiderte Lösungen zu erarbeiten. Ziel ist es, mit innovativen Lösungen die Bedürfnisse und Erwartungen aller Kunden aber auch der Gemeinden, Kantone und des Bundes als Besteller und Finanzierer des öffentlichen Verkehrs bestmöglich zu erfüllen.

Immer mehr Menschen in der Schweiz benutzen den öffentlichen Verkehr. Auf den Hauptverkehrsachsen des Schweizer öV wird bis 2030 mit einem Zuwachs von bis zu 50 Prozent gerechnet. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung die Art und Weise, wie Menschen Mobilität nutzen: Mit neuen Verkehrsträgern steigt der intermodale Wettbewerb und die Kunden profitieren von neuen Angeboten. Die Branche des öffentlichen Verkehrs hat diese Trends erkannt: Mit dem Swiss Pass hat sie schon vor rund drei Jahren das Zeitalter des elektronischen Abonnements eingeläutet. Zudem hat sie gemeinsam und auf eigene Initiative eine digitale, zukunftsgerichtete Vertriebsplattform lanciert.

Jeannine Pilloud (SBB), Franz Kagerbauer, Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) und Bernard Guillelmon (BLS) gaben am 6. März 2018 der Öffentlichkeit einen Einblick in die nächsten geplanten Schritte unter dem Titel «ÖV-Ticket 2020».

Viele Wege führen zum richtigen Ticket

Im Vordergrund steht die Frage, wie die Fahrgäste am einfachsten zum korrekten Ticket für Ihre Fahrt kommen. Einerseits sollen die bewährten Verkaufskanäle für den Ticketkauf vor der Fahrt um neue Angebote erweitert werden. Konkret wird beispielsweise die Entwicklung von neuen benutzerfreundlichen, modernen und kostengünstigen Tablet-Automaten angestrebt. Die Digitalisierung ermöglicht aber auch neue Modelle, bei denen das Ticket für die Fahrt erst im Nachhinein verrechnet wird. Schon heute existieren auf dem Schweizer Markt entsprechende Applikationen des Automatischen Ticketings für Smartphones, die eine Fahrt digital erfassen. Mit verbindlichen Standards für die ganze Schweiz garantiert die öV-Branche die Gleichbehandlung aller Kunden. So muss es auch in Zukunft möglich sein, allen Kunden den Zugang zum öffentlichen Verkehr einfach und barrierefrei sicherzustellen. In diesem Zusammenhang befassen sich Verkehrsunternehmen und Verbünde auch intensiv mit den Themenkreisen Datenschutz und anonymes Reisen.

Tarife: vereinfacht, harmonisiert und kundenorientiert

Auch künftig wird es in der Schweiz regional unterschiedliche Ticketsortimente geben. Das ist grundsätzlich sinnvoll und entspricht auch den Bedürfnissen der Kunden. Es soll weiterhin massgeschneiderte Produkte für verschiedene Märkte wie beispielsweise den touristischen Verkehr oder den Pendlerverkehr geben. Ziel der Branche ist es aber, diese Tarife zu vereinfachen und zu harmonisieren. Der wichtigste Baustein hierfür ist, dass künftig jede Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr in der Schweiz mit einem einzigen Ticket machbar sein soll. Auch werden die wenigen noch bestehenden Unterschiede bei den Nutzungsbestimmungen zwischen dem nationalen Tarif und den Verbundtarifen aufgehoben. Künftig gelten beispielsweise für die Mitnahme von Tieren oder Fahrrädern oder auch bezüglich Altersgruppen schweizweit einheitliche Tarifbestimmungen. Schliesslich werden auch in den Bereichen Vertriebssystem oder Ticketkontrollen Branchenstandards erarbeitet.

Vereint statt doppelspurig: Effiziente und verbindliche Zusammenarbeit

Die laufenden Projekte werden gemeinsam von den Verkehrsunternehmen und Verbünden erarbeitet. Ein Kernpunkt des Programms «ÖV-Ticket 2020» ist es deshalb auch, zeitgemässe und effiziente Strukturen für die Zusammenarbeit zwischen diesen bisher weitgehend getrennten Welten zu bilden. Auch hier soll auf den Stärken des bisherigen Systems aufgebaut und optimiert werden. Gemeinsame Gremien und schlanke Prozesse ermöglichen effiziente Entscheide mit grösstmöglicher Verbindlichkeit für alle Beteiligten. So kann die Branche künftig flexibler handeln und vorausschauend neue Lösungen entwickeln. Basis für diese Zusammenarbeit ist ein neues Übereinkommen «Ue500», das von allen Unternehmen und Verbünden unterzeichnet werden soll.

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