Die Rahmenbedingungen für den Schweizerischen Schienengüterverkehr haben sich in letzter Zeit grundlegend gewandelt. Gesellschaftliche, technologische und ökonomische Veränderungen stellen den Schienengüterverkehr vor grosse Herausforderungen. Die Kommission Güterverkehr des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV) hat deshalb die Strategie Schienengüterverkehr erarbeitet, mit dem Ziel, den Schienengüterverkehr zu stärken.

Der Güterverkehr befindet sich in einem Wandel: Einerseits steigen die Mengen im Transitverkehr auf der Schiene. Gleichzeitig steht der Binnenverkehr unter Druck.

Die vom Bund (ARE) vorgestellte Entwicklung des gesamten Güterverkehrs – auf der Strasse und der Schiene – bis 2040 sagt steigende Mengen voraus. Diese Verkehrszunahme kann nur bewältigt werden, wenn ein Grossteil des Transportes im Binnen- und im grenzüberschreitenden Güterverkehr auf der Schiene erfolgt.

Gleichzeitig verändern sich auch die Rahmenbedingungen für den Schienengüterverkehr schnell und grundlegend. Zunehmende Kapazitätsengpässe auf der Schiene sowie veränderte Kundenbedürfnisse nach mehr Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Flexibilität stellen für die Transportunternehmen grosse Herausforderungen dar.

Deshalb hat der VöV-Vorstand eine neue Strategie Schienengüterverkehr VöV verabschiedet. Darin setzt sich der VöV für eine sinnvolle Zusammenarbeit aller Güterverkehrsarten (Schiene, Strasse, Fluss) ein.

«Ziel ist es, den Modalsplit zugunsten der Schiene zu verändern – und zwar dort, wo es volks- und betriebswirtschaftlich sinnvoll ist»

, erläutert Ueli Stückelberger, Direktor VöV.

Hans-Peter Hadorn, Präsident Kommission Güterverkehr ergänzt:

«Die besten Lösungen ergeben sich in Zusammenarbeit mit Kunden. Mit der Gründung der Interessengemeinschaft Wagenladungsverkehr IG WLV haben wir bereits den ersten Grundstein dafür gelegt.»

Ziel der IG WLV ist es, die Effizienz und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Wagenladungsverkehrs zu verbessern. Die IG WLV besteht aus dem Verband der Verladenden Wirtschaft (VAP) sowie dem Verband öffentlicher Verkehr (VöV) und SBB Cargo.

VöV fordert faire Rahmenbedingungen für den Schienengüterverkehr

Der Schienengüterverkehr benötigt zwingend ausreichende Trassen in einer guten Qualität und zu einem fairen Preis. Nur so sind seine Produkte konkurrenzfähig. Deshalb muss die Infrastruktur ausgebaut werden und sind die Trassenpreise anzupassen. Mit grosser Zustimmung betrachtet der VöV die Entwicklung zum Masterplan Schiene in Deutschland und die hierbei ab 2019 umgesetzte Halbierung der Trassenpreise für den Schienengüterverkehr.

Die rasante technologische Weiterentwicklung Richtung Digitalisierung und Automatisieren eröffnet dem Güterverkehr neue Möglichkeiten und Effizienzsteigerungen. Der VöV setzt sich für eine zeitnahe Umsetzung der Chancen ein, welche durch neue Technologien entstehen.

«Die Automation und Digitalisierung der Güterbahn ist zentral, um im Wettlauf mit den technologischen Fortschritten der Strasse mithalten zu können»

, betont Nicolas Perrin, CEO SBB Cargo.

Auf europäischer Ebene hat der Unterbruch in Rastatt 2017 gezeigt, dass unterschiedliche nationale Bestimmungen weiterhin einen flüssigen grenzüberschreitenden Güterverkehr behindern. Zudem braucht es ein länderübergreifend abgestimmtes Vorgehen bei der Baustellenplanung und im Störungs- und Krisenmanagement.

«Der Güterverkehr ist entscheidend für die internationalen Warenströme. Deshalb müssen wir international denken und bestehende nationale Hürden abbauen»

, sagt Dirk Stahl, CEO BLS Cargo.

Stellungnahme SEV: Vorbehalte zur Schienengüterverkehr-Strategie des VöV – Einzelwagenladungsverkehr bleibt volkswirtschaftlich wichtig
Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV unterstützt das Hauptziel der heute vorgestellten Strategie des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV) zum Schienengüterverkehr, für letzteren «faire Rahmenbedingungen» zu schaffen. Auch die vom VöV geförderte Zusammenarbeit zwischen Bahn und Kunden im Rahmen der IG WLV findet der SEV grundsätzlich richtig. Jedoch darf diese Interessengemeinschaft nicht in erster Linie das betriebswirtschaftliche Ziel verfolgen, die Effizienz und Rentabilität des Wagenladungsverkehrs für den Monopolisten SBB Cargo zu erhöhen. Sondern die IG muss auch dafür sorgen, dass der Wagenladungsverkehr (WLV) seine volkswirtschaftlichen Ziele erfüllt – wofür es weiterhin einen flächendeckenden Einzel-WLV braucht.

Auf die Frage, ob der VöV mit seiner Strategie einen weitgehenden Abbau des Zustellnetzes des Einzel-WLV unterstütze, antwortete Direktor Ueli Stückelberger, es brauche Anpassungen an die geänderten Rahmenbedingungen, relativierte aber, dass SBB Cargo Lösungen mit den Kunden suche. SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn hält dazu fest.

«Auch wenn der Bund den Betrieb von SBB Cargo im Moment nicht mehr direkt subventionieren will, sondern Eigenwirtschaftlichkeit fordert, verlangt er von SBB Cargo trotzdem weiterhin, dass sie im Import-/Export- und im Binnen-Güterverkehr ein Angebot betreibt, das auf den Bedarf der verladenden Wirtschaft in der Schweiz ausgerichtet ist. SBB Cargo muss also auf die Bedürfnisse der Kunden Rücksicht nehmen und darf nicht einfach Zustellpunkte schliessen mit der Begründung, dass plötzlich das Mindest-Verkehrsvolumen mehr als verdoppelt werden müsse.»

Einzelwagenladungsverkehr als Service public abgelten

«Es gibt also einen Zielkonflikt zwischen der Eigenwirtschaftlichkeit des Einzel-WLV und dessen Erschliessungsfunktion für die KMU, besonders in Randgebieten»

, folgert Daniela Lehmann, die im SEV die Verkehrspolitik koordiniert.

«Dazu kommt, dass eine Güterverlagerung auf die Strasse Bevölkerung und Umwelt stärker belastet, was zu höheren Gesundheitskosten führt. Auch würden die schon jetzt vielerorts verstopften Strassen noch stärker frequentiert.»

«Hinzu kommt die stärkere Strassenabnützung – vor allem, wenn Lastwagen schwer beladen sind, zum Beispiel mit Holz»

, ergänzt Philipp Hadorn.

«Manche Strassen müssten gar verstärkt werden. All das belastet die Volkswirtschaft mit Zusatzkosten, die über die eingesparten Bundessubventionen für Cargo weit hinausgehen. Deshalb ist das neue politische Dogma der Eigenwirtschaftlichkeit des Einzel-WLV kurzsichtig. Anstatt dessen Subventionierung den Kantonen zu überlassen, sollte der Bund der SBB ihren Service public im Güterverkehr weiterhin abgelten. Warum nicht im Rahmen von Leistungsvereinbarungen wie im Personenverkehr?»

Hadorn, der als Nationalrat auch Mitglied der Verkehrskommission (KVF) ist, prüft einen entsprechenden Vorstoss im Parlament:

«denn es gilt dringend die Kapazitäten für die wachsenden Volumen der Zukunft auf der Schiene aufzubauen und nicht aus kurzfristiger Optik sich Schritt für Schritt aus dem Markt zu verabschieden.»

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Erstellt: 15. Mai 2018 um 10:31

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