Am 9. Dezember 2018 wechseln die Fahrpläne im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Mit dem Fahrplanwechsel geht ein weiterer Angebotsausbau auf dem Schienennetz einher, vor allem rund um Winterthur. Neue Linienverknüpfungen und mehr Kapazitäten entschärfen einige der dringendsten Engpässe auf dem S-Bahn-Netz.

Nach gezielten Infrastrukturausbauten in den vergangenen Jahren wird im Dezember 2018 die dritte und letzte Etappe der 4. Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn umgesetzt. Damit wird der grösste Angebotsausbau in der Geschichte des ZVV abgeschlossen. Der Ausbau ist nötig, weil sich die Passagierzahlen auf der Zürcher S-Bahn seit 1990 mehr als verdreifacht haben.

Durchgehender Viertelstundentakt zwischen Zürich und Winterthur

Kernstück der letzten Ausbauetappe bildet die neue S11. Heute verkehrt diese Linie nur in den Hauptverkehrszeiten zwischen Winterthur und Zürich Hardbrücke bzw. Zürich Altstetten. Ab Dezember 2018 fährt die S11 neu den ganzen Tag halbstündlich zwischen Aarau – Zürich – Winterthur, die Züge werden mit Regio-Dosto geführt werden. Darüber hinaus verkehrt sie abwechselnd weiter nach Seuzach oder Sennhof-Kyburg bzw. in den Hauptverkehrszeiten bis nach Wila im Tösstal. Die neue S11 bringt den durchgehenden, schnellen Viertelstundentakt zwischen Winterthur und Zürich, entlastet die S12 und ersetzt zwischen Zürich und Aarau die heutige S3 mit längeren Zügen.

Die S12 verkehrt weiterhin halbstündlich zwischen Brugg – Zürich – Winterthur und neu je stündlich nach Schaffhausen und Wil SG. So entstehen neue attraktive Direktverbindungen. Mit den Doppelstockzügen der S12 stehen den Fahrgästen zwischen Winterthur und Schaffhausen bzw. Wil künftig auch mehr Sitzplätze zur Verfügung. Der Ast nach Schaffhausen wird mit DPZ (maximal 2 Einheiten) betrieben, jener nach Wil SG mit Regio-Dosto (1 Einheit). Geschwächt und gestärkt wird jeweils in Winterthur.

Auch die S24 schafft neue Direktverbindungen: Ab Dezember verkehrt sie von Zürich via Flughafen – Winterthur nicht nur stündlich über Schaffhausen nach Thayngen, sondern auch stündlich nach Weinfelden (anstelle der S8). Alle Bahnhöfe dieser Strecke erhalten damit einen umsteigefreien Anschluss an den Flughafen.

Neue Angebote im Stammertal und Unterland

Die S29 zwischen Winterthur – Stein am Rhein verkehrt neu den ganzen Tag halbstündlich. Das Tösstal erhält auf der S26 neu einen regelmässigen Halbstundentakt. Dieser kann vorläufig nur bis Bauma statt Rüti ZH angeboten werden, da sich der Ausbau des Bahnhofs Tann-Dürnten aufgrund einer Einsprache verzögert.

Auf dem Korridor Zürich – Bülach verkehrt neu die S3 in den Hauptverkehrszeiten als Entlastungslinie. Wegen eines ungelösten Trassenkonflikts ist zum heutigen Zeitpunkt noch offen, ob diese Linie halbstündlich oder nur stündlich angeboten werden kann. Der ZVV hat in dieser Angelegenheit eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht.
Im Sommer 2019 wird am rechten Zürichseeufer die neue S20 in den Hauptverkehrszeiten einen schnellen Viertelstundentakt ermöglichen. Dieses Projekt wurde seit 2015 durch einen Rekurs verzögert.

Neue S36 Bülach – Waldshut mit Seetal-GTW

Die S41 verkehrt neu nur noch auf dem Abschnitt Winterthur – Bülach mit GTW von Thurbo. Von Bülach nach Waldshut verkehrt neu die S36 (diese gab es vor vielen Jahren bereits einmal). Diese Linie wird aufgrund der geringeren Nachfrage mit Seetal-GTW geführt werden. Die Zulassung für Deutschland ist für die Fahrzeuge noch ausstehend, soll aber bis zum Fahrplanwechsel vorliegen.

Anpassungen im ganzen ZVV-Netz erhöhen Zuverlässigkeit

Im Rahmen des Fahrplanwechsels werden zudem vielerorts die Fahrzeiten der S-Bahnen im ZVV leicht angepasst. Damit sollen die Zuverlässigkeit und die Pünktlichkeit der Züge vor allem in den Hauptverkehrszeiten weiter verbessert werden. Die S19 wird in der Hauptverkehrszeit neu mit kurzen HVZ-Dosto betrieben, zwischen 9 und 15 Uhr werden DPZ zum Einsatz kommen.

Auch das Busangebot in den Regionen wird entsprechend angepasst, damit zuverlässige und sichere Anschlüsse an die S-Bahn gewährleistet werden können.

Weniger Engpässe
S11 Aarau/Dietikon – Zürich HB – Stadelhofen – Winterthur
  • S11 und S12 bilden Viertelstundentakt zwischen Winterthur und Zürich via Stadelhofen
  • S11 ersetzt S3 im Limmattal ⇒ mehr Kapazität dank längerem Rollmaterial (Regio-Dosto)
Weniger Engpässe
Zusatzzüge in Hauptverkehrszeiten
  • S3 Bülach – Zürich Harbrücke mit Halt in Oerlikon und Glattbrugg
  • S20 Stäfa – Zürich Hardbrücke mit Halt in Männedorf, Meilen, Küsnacht, Stadelhofen, Zürich HB ⇒ Voraussichtliche Inbetriebnahme am 11. Juni 2019
Neue Direktverbindungen nach Zürich
Neue Durchbindungen in Winterthur
  • S12 Winterthur nach Schaffhausen (mit maximal 2 DPZ-Einheiten)
  • S12 Winterthur nach Wil SG (mit einem Regio-Dosto)
  • S11 Winterthur nach Seuzach (mit Regio-Dosto)
  • S11 Winterthur nach Sennhof-Kyburg (in Stosszeiten nach Wila) (mit einem Regio-Dosto)
  • S24 Winterthur nach Weinfelden
Mehr Angebot durch Taktverdichtungen
  • S29 Winterthur – Stein am Rhein Halbstundentakt
  • S11 Winterthur – Wila Stündliche Direktverbindung nach Zürich in Stosszeit
  • S26 Winterthur – Rüti ZH Neu exakter Halbstundentakt (Verzögerung Einführung Halbstundentakt zwischen Bauma und Rüti ZH wegen einer Einsprache)
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Stellungnahme Pro Bahn Schweiz, Sektion Zürich: Im Viertelstundentakt unterwegs
Mit dem Fahrplanwechsel vom kommenden 9. Dezember 2018 stehen im Gebiet des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) verschiedene Änderungen an.

Die Erfolgsgeschichte des öffentlichen Verkehrs geht weiter, so haben sich beispielsweise die Passagierzahlen auf der Zürcher S-Bahn seit 1990 mehr als verdreifacht.

Zwischen Zürich und Winterthur kann in Zukunft ein durchgehender Viertelstundentakt angeboten werden. Der schnelle Viertelstundentakt am rechten Zürich Seeufer wird im Sommer 2019 Realität. Dieses Projekt wurde seinerzeit durch einen egoistischen Rekurs verzögert.

Ähnlich sieht es auch auf der S26 im Tösstal aus. Infolge eines Rekurses ist derzeit der Ausbau zwischen Bauma und Rüti auf einen durchgehenden Halbstundentakt blockiert. Die dafür benötigte Doppelspurinsel kann derzeit in Tann / Dürnten nicht gebaut werden.

Ebenfalls ist das Bundesamt für Verkehr nicht gleicher Meinung wie die Zürcher Verkehrsplaner und will die S3 nicht halbstündlich nach Bülach fahren lassen. Das sogenannte Hybridgleis (für mehrere Zugsgattungen) nutzbar, soll für Güterzüge zur Verfügung gestellt werden und nicht der S-Bahn.

Für die Sektion Zürich von Pro Bahn Schweiz (PBS), der Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden des öffentlichen Verkehrs, ist dieser Beschluss nicht nachvollziehbar sowie auch für den ZVV nicht. Er hat in dieser Angelegenheit Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht.

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Erstellt: 16. Mai 2018 um 11:55

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