Spitzentreffen Regierungsrat Kanton Luzern und SBB: Gemeinsam für einen starken und bezahlbaren öffentlichen Verkehr

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Der Luzerner Regierungsrat und die SBB unterstreichen anlässlich des Spitzentreffens die Wichtigkeit der Zusammenarbeit für einen starken öffentlichen Verkehr. Die Bahninfrastruktur muss nach Ansicht von Kanton und SBB gemeinsam und gezielt für die Kunden ausgebaut werden. Zudem sollen Engpässe behoben und innovative Ansätze zur besseren Auslastung des öffentlichen Verkehrs gefördert werden. Im Zentrum des Treffens vom 16. Mai 2018 standen die Entwicklungen in der «Gesamtperspektive Zentralschweiz», der Durchgangsbahnhof Luzern sowie ein attraktives Angebot für Reisende im Nord-Süd-Verkehr mit mehr Direktverbindungen ab Luzern.

Der SBB Verwaltungsrat hat anlässlich einer Klausur in Luzern den Regierungsrat Luzern zu einem Spitzentreffen eingeladen. Der gesamte SBB Verwaltungsrat, SBB CEO Andreas Meyer und weitere Konzernleitungsmitglieder begrüssten eine Delegation des Luzerner Regierungsrats. Der Regierungsrat und die SBB Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar unterstrichen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit. Beide Parteien stellten fest, dass in der «Gesamtperspektive Zentralschweiz» ein konstruktiver Austausch stattfindet und die wichtigen Projekte gut vorankommen.

Neue Verbindungen und neue Züge für Reisen ins Tessin

Mit dem Angebot von zusätzlichen Direktverbindungen aus Luzern und der Zentralschweiz ins Tessin bekennt sich die SBB zum Nord-Süd-Verkehr via Luzern. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 verkehrt von Freitag bis Montag ein Frühzug von Basel via Luzern und Gotthard-Basistunnel nach Locarno, mit Abfahrt um 09:18 Uhr in Luzern. Zudem fährt seit dem 9. April 2018 an Wochenenden ein weiterer Frühzug um 08:18 Uhr ab Luzern nach Locarno.

Diese zwei Frühverbindungen will die SBB spätestens ab dem kommenden Fahrplanwechsel täglich anbieten. Sollte eine frühere Umsetzung möglich sein, würde die SBB die Frühzüge sofort einführen. Als Kompensation für die zwei entfallenden Cargo-Trassen – die aktuell kaum genutzt werden – kann der Personenverkehr auf zwei schwach ausgelastete IC-Zugspaare um die Mittagszeit zwischen Zürich und Lugano verzichten. Diese Lösung kommt nach Ansicht der SBB und des Kantons Luzern allen Kunden zugute: Das Sitzplatzangebot und die Zahl der Direktverbindungen am Morgen in Richtung Tessin für den Personenverkehr werden ab Fahrplanwechsel erhöht. Gleichzeitig stehen insgesamt täglich mehr Cargo-Trassen zur Verfügung. Der Vorschlag des BAV zum Trassentausch hätte zur Folge, dass bis zu rund 600 Reisende aus Zürich in Arth-Goldau umsteigen müssten. Diese Lösung ist aus Sicht der SBB und des Kantons Luzern nicht kundenfreundlich.

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Quelle: SBB Infrastruktur

Um die Attraktivität auf der Nord-Süd-Achse weiter zu erhöhen, wird die SBB ab Dezember 2019 EC-Triebzüge der neusten Generation (Giruno) einsetzen, für welche rund eine Milliarde Franken investiert wurden.

Beim Spitzentreffen wurde auch das Zugsangebot an den Flughafen Zürich thematisiert: Die Interregio-Züge von Luzern bis Zürich Flughafen werden spätestens ab Dezember 2020 wieder gemäss dem heutigen Konzept verkehren.

Kanton Luzern und SBB unterstützen Ausbau des Bahnnetzes

Der Kanton Luzern und die SBB sind sich einig, dass das Angebot dort ausgebaut werden soll, wo Kunden am meisten profitieren und wo es bereits heute Engpässe gibt. So begrüssen Kanton und SBB den vorgeschlagenen Umfang des Ausbauschritts 2030/35 von 11,5 Milliarden Franken. Der Kanton Luzern und die SBB unterstreichen auch die Wichtigkeit des Infrastrukturausbaus. So muss der Zimmerberg-Basistunnel II im Ausbauschritt 2030/35 projektiert und realisiert werden, wie in der Botschaft zur Vernehmlassung vorgesehen. Die Projektierung des Durchgangsbahnhofs Luzern muss zudem unverzüglich aufgenommen und gemäss Bundesbeschluss zum Ausbauschritt 2025 vom Bund finanziert werden. Die SBB begrüsst die Absicht des BAV, die Projektierung des Durchgangsbahnhofs Luzern explizit im Ausbauschritt 2030/35 festzuhalten. Die personellen Ressourcen für die Planung dieses Grossprojekts hat die SBB dem Kanton Luzern zugesichert.

Im Kanton Luzern realisiert die SBB bis 2015 Infrastrukturprojekte im Umfang von rund 210 Millionen Franken. Davon sind rund 70 Millionen für den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe gemäss Behindertengleichstellungsgesetz bestimmt. Zusätzlich werden derzeit im Raum Bern Grossprojekte realisiert, welche unter anderem den Halbstundentakt Luzern – Bern ermöglichen und somit einen grossen Nutzen für den Kanton Luzern haben.

Zentral arbeiten und wohnen

Sechs Architekturbüros haben bereits im Sommer 2013 aufgezeigt, wie sie das Areal Rösslimatt städtebaulich nutzen und gestaltet wollen. In einem ersten Schritt wird das Geschäftshaus «Perron» realisiert. Mit «Perron» entsteht zentral und direkt beim Bahnhof Luzern ein Geschäftshaus auf sechs Geschossen mit rund 20’000 m² Nutzungsfläche. Im Kanton Luzern investiert SBB Immobilien bis 2030 gesamthaft rund 250 Millionen Franken.

Einfach auf Anschluss-öV umsteigen

Ende 2018 soll der seit rund zehn Jahren leerstehende Posttunnel als Veloparking wieder eröffnet werden. Reisende, die den Bahnhof Luzern mit dem Velo erreichen, können zukünftig ihr Velo direkt unter den Gleisen abstellen und erreichen die Perrons mit wenigen Schritten. Zudem wird im kommenden Jahr der Übergang vom Zug zum städtischen Nahverkehr und zum Schiffsverkehr erleichtert. Ankommende Kunden werden mittels neuer LED-Screens einfach und schnell zum Anschluss-öV geführt, ortsunkundigen Reisenden wird die Orientierung erleichtert.

Gemeinsam die Auslastung des öffentlichen Verkehrs steigern

Der Kanton Luzern und die SBB unterstützen zudem alle Anstrengungen, um das System des öffentlichen Verkehrs insgesamt besser auszulasten. Dabei ist auch die Unterstützung der Städte und der Gemeinden notwendig. Die SBB steht zudem im Kontakt mit Hochschulen, öffentlichen Verwaltungen und Firmen, damit diese dank angepassten Unterrichtszeiten und flexiblen Arbeitszeitmodellen die Hauptverkehrszeiten entlasten können. Seit 2016 besteht eine Zusammenarbeit der SBB mit der Hochschule Luzern (HSLU) mit dem Ziel, am Campus Rotkreuz die Vorlesungen zu staffeln und damit die Hauptverkehrszeiten zu entlasten.

Stellungnahme Pro Bahn Schweiz: Luzern hat schon wieder das Nachsehen!
Zuerst fand ein Kahlschlag bei den direkten Zugsverbindungen ab Luzern in den Süden statt. Stück für Stück gibt es seither wieder Verbesserungen. Man ist aber noch weit entfernt vom früheren Angebot in den Süden.

Auch der Flughafenzug Luzern – Zürich – Zürich Flughafen bleibt vor Veränderungen nicht verschont. Gemäss Aussagen der SBB zwar nur vorübergehend. Aber immerhin während 2 Jahren.

Die SBB planen per Fahrplanwechsel vom Dezember 2018 eine Verschiebung des Flughafenzuges IR 70, bisher stündliche Abfahrt ab Luzern um x:10. Neu: Luzern ab x:35; Zürich HB an x:25; Zürich HB ab Richtung Flughafen x:37 oder x:39; Streichung des Halts in Zürich Oerlikon; Zürich Flughafen an ca. x:47. Geplant ist eine Durchbindung nach Konstanz. Dieses Reiseziel wird von der Zentralschweizer Reisenden kaum nachgefragt.

Die Verschiebung des Flughafenzugs bedeutet für den Knoten Luzern und die Reisezeiten eine klare Verschlechterung. Die wichtigste Verbindung von Luzern (höchste Nachfrage; seit Jahren steigende Auslastung) fahrlässig geschwächt. Auch wenn es nur für 2 Jahre gelten soll, so müssen die Kunden während dieser Zeit folgende Verschlechterungen in Kauf nehmen:

  • Längere Reisezeiten
  • Statt 1 x Umsteigen auf verschiedenen Relationen 2 x Umsteigen zum Flughafen
  • Streichung des sehr wichtigen Halts in Zürich Oerlikon (Arbeitsplätze, Freizeit, Konzerte)
  • Längere und unattraktive Aufenthaltszeiten in Luzern und Zürich HB (heute 4 Minuten; neu 12 bis 14 Minuten im HB Zürich)

Eine solch befristete grundlegende Angebotsveränderung ist aus Kundensicht sehr unglücklich und stosst auf Unverständnis.

Reisezeitverschlechterung: Beispiele bei Abfahrt um x.35:

  • Kein Anschluss aus Luzern West/Wolhusen mehr zum Flughafen (Ankunft in Luzern x:43)
  • Kein Anschluss auf die halbe Stunde von Nidwalden (Ankunft in Luzern x:32)
  • Kein Anschluss aus Engelberg Richtung Flughafen (Ankunft x:50; Wartezeit von 45 Minuten in Luzern auf Flughafenzug!! oder 2x Umsteigen)
  • Längere Reisezeiten von Luzerner Entwicklungsschwerpunkt Luzern Süd sowie Obwalden nach Zürich/Flughafen (1 h 58 Minuten statt 1 h 38 Minuten)
  • Längere Reisezeiten ab Sursee (via Luzern)
Stellungnahme IGöV Zentralschweiz: Zum SBB-Jahresfahrplan 2019
Wie die SBB am 16. Mai 2018 als Vorausinformation zum Fahrplanjahr 2019 bekannt gaben, soll auf eine Weiterführung der jeweils um x:10 ab Luzern verkehrenden Interregio-Züge von Zürich HB nach Zürich Flughafen verzichtet werden. Analog sollen auch die den Flughafen um x:47 verlassenden Direktzüge nach Luzern erst ab Zürich HB verkehren.

IGöV Zentralschweiz wehrt sich vehement gegen diesen Leistungsabbau zulasten der Zentralschweiz!

Begründung:

  • Die IR 70 mit Abfahrt in Luzern um x:10 sind seit Jahren extrem stark nachgefragt
  • Mit ihrer Fahrzeit von 63 bzw. 62 Minuten stellen sie mit Abstand die schnellste Verbindung zwischen Luzern und Zürich Flughafen her
  • Die Anschlüsse in Luzern aus Richtung Nid- und Obwalden wie auch aus Richtung Wolhusen und Sursee sind zwar nicht immer optimal, das von den SBB vorgestellte Alternativprojekt verschlechtert diese jedoch dramatisch

Die SBB begründen diesen Leistungsabbau mit der Durchbindung der IRs Luzern ab x:35 via Zürich Flughafen nach Konstanz. Neben den erwähnten deutlich verschlechterten Anschlüssen in Luzern verlängert sich bei diesen aufgrund der beidseitigen Einbindung in die «Zürcher Spinne» die Reisezeit von Luzern nach Zürich Flughafen auf 72 Minuten, was eine Reisezeitverlängerung von rund 14% ergibt. Zusammen mit deutlich verlängerten Umsteigezeiten in Luzern werden Anschlussreisende aus Gemeinden südlich und westlich von Luzern noch deutlich höhere Reisezeitverlängerungen erfahren müssen.

Grundsätzlich schätzt IGöV Zentralschweiz die Durchbindung der Interregios x:35 Richtung Thurgau und begrüsst neu entstehende Direktverbindungen, die sowohl Zentralschweizern die Ostschweiz als auch Ostschweizern die Zentralschweiz näherbringen. IGöV Zentralschweiz erwartet aber auch, dass bei diesen Zügen im Abschnitt Luzern – Zürich keine Kapazitäts- und/oder Komfortminderungen eintreten werden.

Auch eine zweite stündliche Verbindung von Luzern nach Zürich Flughafen muss angesichts der touristischen Bedeutung Luzerns als auch als Kompensation für jahrelange Vernachlässigung als durchaus angemessen betrachtet werden.

Die Verknüpfung der Luzerner IRs mit jenen nach Konstanz stellt zwar eine Verbesserung dar, die Anzahl Zugskilometer bleibt jedoch gleich. Demgegenüber ergäbe ein Verzicht auf Durchbindung der IRs Luzern ab x:10 nach Zürich HB statt Zürich Flughafen eine Reduktion der Zugskilometer, was gesamthaft einem Leistungsabbau entspricht.

Und genau jenem Leistungsabbau zulasten der Zentralschweiz wird sich IGöV Zentralschweiz entschieden entgegenstellen und fordert explizit, die so erfolgreichen IRs Luzern ab x:10 bis Zürich Flughafen beizubehalten und mit den neu bis Konstanz zu führenden IRs Luzern ab x:35 eine Qualitätsverbesserung für die Zentralschweiz zu schaffen!

Stellungnahme IGöV Zentralschweiz: Interpellation wegen massiver Verschlechterung der Bahnanbindung Luzerns an den Flughafen
Zürich wird begrüsst
IGöV Zentralschweiz begrüsst explizit die Interpellation der Parlamentarier Konrad Graber und Damian Müller zur massiven Verschlechterung der Bahnanbindung Luzerns an den Flughafen Zürich!

Neben deutlicher Verlangsamung der direkten Züge zum Flughafen müssen vor allem die extrem schlechten Anschlüsse auf den neu vorgesehenen Zug mit Abfahrt Luzern um x:35 hervorgehoben werden. So werden Engelberg sowie Luzerner Hinterland und Entlebuch schlichtweg keinen Anschluss auf die zukünftigen Direktzüge zum Flughafen haben, was zukünftig ein zusätzliches Umsteigen in Zürich HB erfordert – eine deutliche Einschränkung vor allem für Reisende mit Gepäck.

Vorbehaltlich der noch nicht publizierten Fahrpläne der Zentralbahn werden auch die Umsteigezeiten aus Stans und Stansstad in Luzern inakzeptable 33(!) Minuten betragen, aus Obwalden immerhin noch «gemütliche» 18 Minuten. Konkurrenzfähiger Bahnverkehr sieht anders aus!

Hinzu kommt noch, dass die SBB keineswegs alle Züge mit Abfahrt Luzern um x:35 zum Flughafen durchbinden wollen. Gemäss deren Kommentar sollen die Abfahrten in Luzern um 16:35 und um 20:35 in Zürich HB gebrochen werden, analog dazu auch die Abfahrten am Flughafen um 17:15 und 21:15.

Dies widerspricht eindeutig dem erfolgreichen Prinzip des integralen Taktfahrplans und erfordert vom Reisenden eine vorgängige Fahrplankonsultation!

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Erstellt: 16. Mai 2018 um 16:49

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