Eurobus und Flixbus gehen Vertriebspartnerschaft ein [aktualisiert]

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 5. Juni 2018 veröffentlicht.

0
743
Car Eurobus Swiss Express_Flixbus_6 18
Eurobus Car der Comfort-Line, welcher bis Dezember 2017 auf den Schweizer Fernbuslinien eingesetzt wird. / Quelle: Flixbus

Das Schweizer Busunternehmen Eurobus kann für sein Fernbusangebot in der Schweiz auf das Vertriebssystem von Flixbus zurückgreifen.

Eurobus ging zum erfolgreichen Aufbau und Betrieb eines nationalen Fernbusgeschäfts eine Partnerschaft ein: Das Schweizer Busunternehmen nutzt für den Vertrieb der konzessionierten Fernbuslinien das erprobte Buchungssystem des Mobilitätsanbieters Flixbus. Die Konzession, das Angebot, die Linienführung und das Pricing werden von Eurobus gehalten und bestimmt.

Roger Müri, Leiter Fernbus bei Eurobus, freut sich, dass man sich mit dem Marktführer im europäischen Fernbusverkehr auf eine Zusammenarbeit einigen konnte und die Kunden künftig von den Kompetenzen beider Unternehmen profitieren werden.

«Das innovative Buchungs- und Ticketingsystem von Flixbus ist in der Branche richtungsweisend und wird den reibungslosen Start unseres Angebots erleichtern»

, so Müri.

Flixbus-DACH-Geschäftsführer Fabian Stenger ist seinerseits überzeugt, dass die Anbindung des innerschweizerischen Netzes ans europaweite Flixbus-Netz die Nachfrage nach Fernbusreisen in der Schweiz noch einmal verstärken wird.

«Bereits jetzt können wir für die 200 internationalen Direktziele ab der Schweiz fast 50 Prozent mehr Passagiere verzeichnen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Wir sind sicher, dass das Inlandsnetz ebenso erfolgreich wird und für die Schweizerinnen und Schweizer einen echten Mehrwert bietet. Wir freuen uns und sind stolz darauf, mit Eurobus zusammenarbeiten zu können.»

Fernbus Streckennetz_Eurobus_6 18
Eurobus Fernbus-Streckennetz (3 Linien) beim Start am 10 Juni 2018. / Quelle: Eurobus

Start mit drei Linien

Die drei bereits für den Betrieb konzessionierten nationalen Fernbuslinien (St. Gallen – Genf Flughafen, Chur – Sion und Zürich Flughafen – Basel Euro Airport – Lugano) werden wie geplant seit dem 10. Juni 2018 täglich in beide Richtungen betrieben und sind seit dem 5. Juni sowohl auf der neu lancierten Webseite www.swiss-express.ch als auch auf www.flixbus.ch, in der Flixbus-App, in ausgewählten Vertriebskanälen des öffentlichen Verkehrs sowie in zahlreichen Reisebüros buchbar. Das Halbtax-Abonnement und das Generalabonnement werden bei der Buchung akzeptiert.

Zum Start der Fernbuslinien werden sechs Standard-Reisebusse eingesetzt, ab dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember kommen sechs brandneue Doppelstöcker mit behindertengerechten Toiletten zum Einsatz. Entgegen der Mitteilung von Mitte April werden die rot-weissen Busse unter dem Namen Eurobus unterwegs sein und nicht unter dem Namen Domo Swiss Express.

«Mit Eurobus verfügen wir bereits über eine in der Schweiz bestens verankerte Marke, die für hohe Qualität steht»

, erklärt Roger Müri den Entscheid.

Stellungnahme SEV: Flixbus kommt – eine grosse Gefahr für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz
Der Eintritt von Flixbus in den inländischen Fernbusverkehr durch eine Kooperation mit Eurobus stellt eine grosse Gefahr dar für den öffentlichen Verkehr in der Schweiz, insbesondere für die Bahn. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Subunternehmen von Flixbus machen einen Gesamtarbeitsvertrag zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV) sowie einen Branchen-Gesamtarbeitsvertrag dringend nötig.

Die neue Kooperation lässt befürchten, dass das Schweizer Fernbusnetz weiter ausgebaut wird. Doch bei diesem handelt es sich um eine inakzeptable Konkurrenz zur Bahn – obwohl der Bund Milliarden in die Bahn investiert.

«Gewinnmaximierung ist Teil des Geschäftsmodells von Flixbus. Wie sich die tiefen Preise finanzieren lassen, zeigen die Arbeitsbedingungen und Löhne der Chauffeur, die alle bei Subunternehmen angestellt sind. In Deutschland verdient ein Chauffeur gerade einmal 1900 Euro pro Monat, in Frankreich sind es 1500 Euro. Eurobus und Flixbus werden die Schweizerischen Standards respektieren müssen. Die Frage ist, ob diese Unternehmungen bereit sind, einen Gesamtarbeitsvertrag zu verhandeln und sich an die branchenüblichen Bedingungen zu halten»

, sagt Giorgio Tuti, Präsident SEV.

Der Eintritt von Flixbus, einem multinationalen Konzern aus Deutschland, in den Schweizer Markt kommt nicht überraschend. Er ist der Beweis dafür, dass die Fernbusunternehmen die Bahn konkurrenzieren wollen.

«Und trotz Milliardeninvestitionen in die Bahn empfängt der Bund die Fernbusse mit offenen Armen, obwohl dies der eigentlichen Transportpolitik, die auf einer starken Eisenbahn basiert, grundsätzlich widerspricht. Während der Markteintritt von Domo Swiss als Nischenprodukt abgetan wurde, das die Bahn mit 800 Passagieren pro Tag nicht wesentlich konkurrenziert, zeigt die Kooperation zwischen Eurobus und Flixbus nun unmissverständlich, dass der Ausbau des inländischen Fernbusnetzes das übergreifende Ziel ist»

, so Giorgio Tuti weiter.

Auf politischer Ebene hofft der SEV, dass der Nationalrat dem Ständerat folgt, der die Bedingungen für die Konzessionsvergabe an Fernbusunternehmen kürzlich verschärft hat: So dürfen diese die staatlich subventionierten, konzessionierten Unternehmen nicht wesentlich konkurrenzieren.

Info

 

KOMMENTIEREN - commenter - commentare

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: