Der 5L-Zug verkehrt nun im Regelbetrieb, nachdem er sämtliche Bewilligungen erhalten hat. In den vergangenen Wochen wurden die SBB Cargo Mitarbeitenden an den Einsatzorten Dietikon, Renens und Lugano geschult. Jetzt sammelt der Zug im Regelbetrieb fleissig Daten bei seinen Einsätzen.

Seit Ende Mai transportieren die Wagen nun Waren der SBB Cargo Kunden im Kombinierten Binnenverkehr. Die sechzehn Wagen wurden in Vierergruppen aufgeteilt: Je ein solches Paar pendelt zwischen Lugano-Vedeggio und Dietikon beziehungsweise Dietikon und Lugano-Vedeggio. Die anderen zwei Wagengruppen sind zwischen Dietikon und Renens beziehungsweise Renens und Dietikon im Einsatz. Die Wagen verkehren in fahrplanmässigen Zügen, dort gemischt mit Wagen mit Schraubenkupplung. In den nächsten Monaten werden die Komponenten weiter beobachtet, ihre Leistung erfasst und die gesammelten Daten ausgewertet. Während der vierjährigen Testphase in der Schweiz und in Europa sammelt der Zug nun Langzeitdaten.

Leise, leiser, 5L

Das Kürzel 5L steht für leise, leicht, laufstark, logistikfähig und life-cycle-kostenorientiert. Die bereits gefahrenen Testkilometer sowie die Lärm- und Klimatests haben die hohen Erwartungen bestätigt: Die Wagen sind leiser als konventionell ausgerüstete Güterwagen. Heute erhältliche Bestandstechnologie erzielte die guten Messergebnisse. Die Güterwagen haben in Bezug auf den Lärm bald das Niveau des Personenverkehrs erreicht und die Vorgabe, die Lärmemissionen um mindestens fünf Dezibel zu senken, wurde gar übertroffen. Das klingt erst einmal nach wenig: Eine Pegeländerung von zehn Dezibel wird jedoch subjektiv als Verdopplung beziehungsweise Halbierung der Lautstärke empfunden. Zum Vergleich: Ein Güterwagen mit Grauguss-Bremssohle liegt bei etwa 90 Dezibel Schallenergie; einer mit Verbundstoff-Bremssohlen bei 81 Dezibel. Wird jetzt zu den Scheibenbremsen noch eine so genannte Radabsorption eingebaut, sinkt die Schallenergie um weitere rund fünf Dezibel. Ein Radschallabsorber verringert die Lärmemissionen bereits dort, wo sie entstehen.

Weniger Lärm, Verschleiss und Energieverbrauch

Die Tests haben sowohl die positive Wirkung der einzelnen Komponenten für sich als auch im Zusammenspiel miteinander nachgewiesen.

«Der Einsatz neuer Drehgestelle, Radsätze und Scheibenbremsen ist für ein Unternehmen wie SBB Cargo sinnvoll. Das berücksichtigen wir künftig, wenn Rollmaterial angeschafft wird»

, sagt Jens-Erik Galdiks, Mitinitiant des Projekts 5L bei SBB Cargo.

Auch der Einsatz der automatischen Kupplung hat neue Erkenntnisse gebracht. Nicht nur in Bezug auf die Automatisierung des Bahnbetriebs, sondern auch, um das Rollmaterial zu optimieren. Mit der automatischen Kupplung wird nämlich der Verschleiss an Wagen und Infrastruktur vermindert und Traktionsenergie eingespart.

SBB Cargo hat in den vergangenen Wochen bereits die nächsten Entwicklungsschritte eingeleitet: Anlässlich des Lieferantentages , an dem 140 Lieferanten aus dem Bahnumfeld, aber auch aus anderen Branchen teilgenommen hatten, präsentierte SBB Cargo ihre Pläne, einen innovativen und smarten Güterwagen zu entwickeln, der neben 5L auch Sensorik enthält.

Innovationen bei SBB Cargo
Der 5L-Zug ist ein Mosaikstein in der Innovationsstrategie von SBB Cargo. Dazu zählt einerseits der Einsatz von unterschiedlichen Sensoren für die Transportüberwachung am Wagen oder am Gleis ebenso wie die Ausrüstung von rund 5000 Wagen mit RFID-Chips (Radio-frequency identification) und die vorausschauende Wartung. Andererseits die automatische Kupplung, automatische Bremsprobe sowie Loks mit Kollisionswarnsystem als Teil des Ein-Personen-Betriebs, der Rangierabläufe effizienter gestalten und die Zugbildung verbessern wird. Mobile Applikationen unterstützen den Kunden beim Abwickeln der Transporte gleich an der Rampe und bieten ihm Information zu seinen Transporten im Überblick.

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