Summarischer Bericht der SUST zur Entgleisung eines RhB-Wagens in Untervaz-Trimmis

0
198
Flachwagen 8268 beladen mit Armierungseisen Unfall Untervaz_SUST_25 6 18
Der Flachwagen 8268, beladen mit Armierungseisen am Ort nach dem Stillstand des Zuges. Die Entgleisungsstelle befindet sich hinter dem auf der Abbildung dargestellten Wagen. Die vorderen Fahrzeuge sind bereits weggefahren. / Quelle: SUST

Am 25. Juni 2018 wurden im Güterumschlagszentrum in Landquart Armierungseisen von einem Lastwagen auf den Flachwagen 8268 der Rhätischen Bahn (RhB) umgeladen. Die Armierungseisen wurden dabei auf der vorderen rechten Seite des Flachwagens abgestellt. Die linke Seite wurde freigehalten für eine weitere Ladung, die ein zweiter Lastwagen liefern sollte. Dieser Lastwagen traf jedoch nicht ein. Der Flachwagen wurde danach in den Zug 5135 eingereiht. Die technische Zuguntersuchung wurde gleichzeitig mit der Bremsprobe durchgeführt. Hinter der Zuglok 705 waren der Traktor Tm 83, der Flachwagen 8268 und weitere fünf Wagen eingereiht. Die gesamte Anhängelast betrug 197 t. Der Zug verkehrte nach der Zug- und Bremsreihe D 75 %.

Gegen 10:40 Uhr fuhr der Zug 5135 von Landquart los. Als sich der Zug um 10:51 Uhr dem geschlossenen Einfahrsignal Untervaz näherte, stellte der Lokführer einen Ruck in Längsrichtung fest. Im Rückspiegel sah er weiter hinten eine Staubwolke. Er hielt den Zug mit einer Betriebsbremsung an.

Das vordere Drehgestell des Flachwagens 8268 ist bei einer Geschwindigkeit von 14 km/h bei Bahn-km 5.346 nach links entgleist. Der Unfallort befindet sich in einer Rechtskurve auf einer Brücke, die über die SBB-Doppelspur führt. Die Kurvenüberhöhung beträgt dort 88 mm.

Feststellungen

Die Gleisgeometrie im Bereich der Entgleisungsstelle wurde kontrolliert und war in Ordnung. Bei der Entgleisungsstelle konnten an der linken Schiene keine Aufkletterspuren festgestellt werden.

Alle Räder des Flachwagens und deren Spurkränze sowie die Federungen waren in Ordnung. Auf der Holzladefläche des Flachwagens waren keine Ladungsverschiebungsspuren ersichtlich.

Das Leergewicht des Flachwagens beträgt 14.6 t. Die Ladung war wie folgt verteilt: Auf der hinteren Wagenhälfte lagen 4.4 t Armierungseisen, in Längsrichtung symmetrisch verladen und mit einer Spanngurte gesichert. Auf der vorderen Hälfte lagen 13.6 t Armierungseisen, einseitig und ungesichert auf der rechten Wagenseite [Foto]. Auf Grund der beschränkten Zeit bis zur Abfahrt des Zuges um 10:40 Uhr, wurde der Flachwagen nach Umladen der ersten Anlieferung Armierungseisen eingereiht. Anlässlich der Zuguntersuchung wurde die einseitige Verladung nicht festgestellt.

Analyse

Der Schwerpunkt des auf der vorderen Wagenhälfte liegenden Armierungseisens lag etwa 400 mm rechts von der Wagenlängsachse entfernt. Gemäss der Verladevorschrift der RhB, DV Nr. 0018, Ziffer 3.3.2 «Lastverteilung in der Querrichtung» (Anlage 1, Abbildung 2) darf ein Ladungsschwerpunkt eine maximale Distanz von der Wagenlängsachse von 85 mm aufweisen.

Aufgrund des Halt zeigenden Einfahrsignal Untervaz fuhr der Zug sehr langsam durch die Rechtskurve. Bedingt durch die einseitige, rechtslastige Beladung und die Gleisüberhöhung von 88 mm wurden die beiden linken, kurvenaussenseitigen Räder des vorderen Drehgestells des Flachwagens 8268 derart stark entlastet, dass diese abhoben und den Schienenkopf überkletterten. Nach einigem Meter fielen die nicht mehr geführten Räder auf das Gleisbett herunter.

Schlussfolgerung

Die Entgleisung des Flachwagens 8268 ist auf eine stark asymmetrische Lastverteilung zurückzuführen. Die Verladevorschriften der RhB «Lastverteilung in der Querrichtung» sind eindeutig. Der Beladungsfehler wurde anlässlich der Zugsuntersuchung durch das RhB Personal nicht festgestellt.

Die SUST schliesst die Untersuchung nach Art. 45 VSZV mit einem summarischen Bericht ab.

Beteiligte Unternehmen

  • Eisenbahnverkehrsunternehmen: Rhätische Bahn AG (RhB), Chur
  • Infrastrukturbetreiberin: Rhätische Bahn AG (RhB), Chur

Beteiligte Fahrzeuge

  • Flachwagen Re-w 8268

Schäden

  • Verkehrsmittel: Der Wagen wurde leicht beschädigt.
  • Infrastruktur: Die Schwellen und Schienenbefestigungen wurden auf einer Länge von etwa 150 m beschädigt.

Info

KOMMENTIEREN - commenter - commentare

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: