Ausgelöst durch Zeitungsmeldungen über pannenanfällige Züge der Zentralbahn reichte Landrat Conrad Wagner, Stans, eine Kleine Anfrage zur Rollmaterialsituation ein. Der Regierungsrat hält in seiner Antwort fest, dass die Planungen für den Ersatz der Züge von Luzern nach Engelberg und die Ergänzung der S-Bahn-Flotte weit fortgeschritten sind. Die ersten neuen Züge sollen ab 2022 fahren.

Um das Bahnangebot zuverlässig und in der gewünschten Qualität fahren zu können, braucht es entsprechende Planungen. Dabei bewegt sich die Planung im Dreieck von Angebot, Rollmaterial und Infrastruktur. Die Strategische Entwicklungsplanung STEP des Bundes ist seit 2014 das entsprechende Instrument dafür. Die Planungsregion Zentralschweiz mit den Kantonen Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Schwyz und Zug erarbeitete – gestützt auf die mutmassliche Entwicklung von Bevölkerung und Arbeitsplätzen – eine Prognose für die Nachfrage auf der Bahn im Jahr 2030. In einem nächsten Schritt lieferten die Kantone dem Bund ein Angebotskonzept ab, welches diese Nachfrage abdecken kann und erwartete Überlastungen auf einzelnen Strecken abbaut. Basierend auf diesem Angebotskonzept wurde dann das benötigte Rollmaterial und die Infrastrukturen (Doppelspuren, Neubaustrecken, usw.) bestimmt. Während die Infrastrukturen in den Ausbauschritt 2030/35 (AS 2030/35) des Bundes eingeflossen sind, liegt die Planung des Rollmaterials bei den Transportunternehmen – in Nidwalden bei der Zentralbahn (ZB). Dabei werden die Besteller (Bund und Kantone) eng miteinbezogen.

Gestützt auf das Angebotskonzept im Rahmen des AS 2030/35 hatte die ZB die Rollmaterialstrategie 2030 erarbeitet. Grundlage für diese Rollmaterialstrategie waren das Angebotskonzept aus dem AS 2030/35. Darin verkehrt neben anderen Angebotsausbauten der Interregio (IR) Luzern – Engelberg halbstündlich. In der Rollmaterialstrategie 2030 der ZB waren neben dem altersbedingten Ersatz der Züge Luzern-Engelberg (LEX) auch zusätzliche FINK-Züge vorgesehen. Dies einerseits, um flexibel auf Angebotsveränderungen reagieren zu können, die Reservehaltung zu optimieren, auf die Infrastruktur (Perrons) abgestimmte Zuglängen zu haben und das Behindertengleichstellungsgesetz lückenlos einzuhalten.

Ende 2017 zeigte sich, dass es neue und in der bisherigen Rollmaterialstrategie nicht berücksichtigte Rahmenbedingungen gibt. So zeigten sich Rissbildungen bei den Brünig-Wagen, welche ein wichtiger Bestandteil der LEX-Flotte sind. Es mussten zum Teil Notsanierungen ausgeführt werden. Dadurch ist die Restlaufleistung der sanierten Brünig-Wagen stark begrenzt. Ab 2022 müssen erste Wagen abgestellt werden. Weiter ergaben sich höhere Frequenzentwicklungen als im AS 2030 geplant. Insbesondere Gruppen (Schulen, Freizeit, asiatische Gäste) führten bei einigen Zügen zu Kapazitätsengpässen. Weiter nahmen die technischen Risiken der HGe-Loks (Triebfahrzeug der LEX) zu. Aufgrund der neuen Rahmenbedingungen und einer Analyse der Flottenentwicklung 2017-2030 ohne Neubeschaffung wurde zwischen den Bestellern und der ZB vereinbart, die Rollmaterialbeschaffung vorzuziehen. Es ist geplant, ab 2022 eine Rollmaterialbeschaffung mit 2 ADLER-Zügen und einer noch genau zu definierenden Anzahl FINK durchzuführen.

Zentralbahn ist beim Rollmaterial für die Zukunft gerüstet

Angesichts der technischen Schwierigkeiten beim LEX und der weiteren Nachfragezunahme haben die ZB zusammen mit den Bestellern den vorgezogenen Beschaffungsprozess für neues Rollmaterial im Herbst 2017 gestartet. Zurzeit sind vom Umfang her noch verschiedene Varianten der Rollmaterialbeschaffung in Diskussion. Der Zeitplan sieht vor, dass die Besteller bis Ende 2018 über die Beschaffungsvariante entscheiden. Anschliessend haben die internen Gremien der ZB bis Ende 2019 Zeit über die Beschaffung zu entscheiden. Im Frühling 2020 werden dann die definitiven Vertragsverhandlungen mit dem Lieferanten aufgenommen. Bis Mitte 2020 sollen dann die Besteller die Genehmigung der Rollmaterialbeschaffung gemäss der Verordnung über die Abgeltung des regionalen Personenverkehrs (ARPV) erteilen. Darin wird der Beschaffung zugestimmt und sichergestellt, dass die damit zusammenhängenden Mehrabgeltungen (Zinsen und Abschreibungen) von den Bestellern übernommen werden. Ziel ist es, dass 2022 die ersten neuen Züge der ZB fahren werden. Es ist mit Beschaffungskosten in der Grössenordnung von rund 100 Mio. Franken zu rechnen. Die Beschaffung von neuem Rollmaterial erhöht naturgemäss die Abschreibungen, welche sich wiederum negativ auf die Abgeltungen auswirken. Die Auswirkungen auf die Abgeltung des Kantons sind noch offen und hängen vom definitiven Bestellvolumen und vom Einsatzgebiet der neuen Züge ab.

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