Die NAD besichtigte an ihrer Tagung im Tessin die Einbauarbeiten der Bahntechnik im Ceneri-Basistunnel sowie die Umgebungsarbeiten vor dem Nordportal bei Camorino. An ihrer Sitzung in Locarno befasste sie sich mit den aktuellen Kosten- und Terminprognosen des Gesamtprojekts, mit den Abschlussarbeiten beim Gotthard-Basistunnel sowie den bis zur Inbetriebnahme im Dezember 2020 geplanten Arbeiten beim Ceneri-Basistunnel. Am Ende der Sitzung bestimmte sie ihr Präsidium für das Jahr 2019: Ständerat Olivier Français (FDP/VD) wird die Delegation vom 1. Januar 2019 bis zu ihrer Auflösung am 30. November 2019 präsidieren, zum Vizepräsidenten wurde Nationalrat Thomas Müller (SVP/SG) gewählt.

Beim Ceneri-Basistunnel (CBT) konnte sich die NAD im Rahmen ihrer letzten Besichtigung vor Ort vergewissern, dass die Umgebungsarbeiten vor und der Einbau der bahntechnischen Anlagen im Tunnel unter der Leitung der Alptransit Gotthard AG (ATG) als Erstellerin plangemäss voranschreiten. Die Fahrbahn wurde bereits Mitte 2018 fertiggestellt, zurzeit werden die Stromschienen an der Tunneldecke montiert. Auch die Ausrüstung der Bahntechnikgebäude beim Nord- und beim Südportal sind auf Kurs. Der Fokus der weiteren Arbeiten richtet sich hauptsächlich auf die Inbetriebsetzungsphase (Testbetrieb unter der Verantwortung der ATG vom März – August 2020, Anlagenübergabe von der ATG an die SBB am 1. September 2020, Probebetrieb unter der Verantwortung der SBB ab September 2020). Die kommerzielle Inbetriebnahme des CBT im Dezember 2020 ist gemäss ATG und SBB sichergestellt. Die Besichtigung fand unter Teilnahme eines Mitglieds der Finanzdelegation der eidgenössischen Räte (FinDel) statt, welche die begleitende Oberaufsicht des Parlaments über die Verwirklichung der Neat nach der Auflösung der NAD ab Dezember 2019 weiterführen wird.

Beim Gotthard-Basistunnel (GBT) erbringen die Projektverantwortlichen der SBB und ATG verschiedene Abschlussarbeiten. Diese sind nötig, um den Tunnel und die Anschlüsse an die Stammlinie gemäss der Bestellung des Bundes unter Beachtung des aktuellen Stands der Technik sowie der Betriebsanforderungen zu realisieren. Dazu gehören ein zusätzliches Schutzdach beim Erhaltungs- und Interventionszentrum Biasca wegen der Steinschlaggefahr und die Anpassung der Spurweite der Geleise im GBT, um Vibrationen bei Hochgeschwindigkeitszügen zu vermeiden. Zudem werden diverse weitere Optimierungsmassnahmen umgesetzt, unter anderem die Justierung der Schnellfahrweichen, die Verminderung der Störungsanfälligkeit von Achszählern, Verbesserungen in der Leittechnik und der Einbau zusätzlicher Staubfilter. In Arbeit ist zudem die Erledigung von Auflagen, die das Bundesamt für Verkehr (BAV) im Zusammenhang mit der Erteilung der Betriebsbewilligung für die Neubaustrecke durch den GBT am 5. Dezember 2016 erteilt hat. Die Aufhebung dieser betrieblichen Einschränkungen soll bis Ende 2021 erfolgen. Die Kosten aller Abschlussarbeiten der SBB werden auf rund 124 Millionen Franken geschätzt. Sie sind in der Endkostenprognose für die Neat enthalten und durch den Neat-Gesamtkredit abgedeckt.

Die Projektkostenprognose für alle Werke der Neat zusammen ist stabil und hat sich im 1. Halbjahr 2018 nicht verändert (17,65 Milliarden Franken auf Preisbasis 1998). Zwar bestehen weiterhin gewisse Kostenrisiken, diese sind mittlerweile jedoch sehr gering. Das BAV wird die NAD an ihrer nächsten Sitzung im April 2019 über den Projektstand per Ende 2018 und im Oktober 2019 ein letztes Mal über den Projektstand per Mitte 2019 informieren.

Für die volle Nutzung der Kapazität der Neat-Achse Gotthard erachtet die NAD die zeitgerechte Bereitstellung der Zufahrtstrecken in Deutschland und Italien als unerlässlich. Besorgt ist sie deshalb darüber, dass der Ausbau der Zubringerstrecken in Deutschland nach Auskunft des BAV erst in rund 22 Jahren abgeschlossen werden kann. Wichtig für die Auslastung der Neat ist aus Sicht der NAD deshalb, wie Deutschland die Ausbauetappen und den Betrieb koordiniert, um dennoch die Kapazitäten auf dem Korridor Rotterdam – Genua im Gleichschritt mit der Schweiz zu steigern.

Mit Beginn der 51. Legislaturperiode der eidgenössischen Räte übernimmt die FinDel Anfang Dezember 2019 anstelle der NAD die begleitende Oberaufsicht über die Verwirklichung der Neat. Die NAD hat die Vorbereitungsarbeiten zur Sicherstellung eines reibungslosen Übergangs aufgenommen. Dieser wird im Herbst 2019 mit einem Schlussbericht der NAD an die Finanz-, Geschäftsprüfungs- und Verkehrskommissionen und die FinDel abgeschlossen.

Die NAD tagte am 4. und 5. Oktober 2018 unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, Nationalrat Philipp Hadorn (SP/SO), in Camorino und Locarno. An der Sitzung nahmen Vertreter der Eidg. Finanzkontrolle (EFK), des BAV, der SBB und der ATG teil.

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