Der VCS beider Basel begrüsst den Pilotversuch, der Kaphaltestellen velosicher machen soll. Der Verband war nach verschiedenen Velounfällen aktiv geworden und gemeinsam mit Pro Velo beider Basel auf die Basler Verkehrsbetriebe BVB und das Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt BVD zugegangen. Aus den Erkenntnissen ging der Vorstoss Sutter (und des Zweitunterzeichnenden Raphael Fuhrer, Co-Präsident des VCS BLBS) «Pilotversuch für sichere Kaphaltestellen» hervor. Der VCS unterstützt zudem alle Bestrebungen, auch die Basler Trämmli mit Klapp- oder Schiebebrettern zu versehen, damit der Abstand zwischen Schienenstrang und hoher Haltekante möglichst gross gehalten werden kann.

Der VCS freut sich, dass der Vorstoss zur Verbesserungen der Kaphaltestellen vom Grossen Rat mit grossem Mehr überwiesen wurde. Bevor wie geplant zahlreiche Tramhaltestelle mit einem Kap ausgestattet werden, muss eine velosichere Ausgestaltung zur Verfügung stehen. Es darf nicht sein, dass mit jedem Umbau zu einer Kaphaltestelle Basel für Velofahrende unattraktiver und sogar gefährlicher wird.

Behindertengleichstellung ohne Velobehinderung

Der VCS beider Basel will als Umwelt- und Verkehrsverband sowohl die Tramnutzung wie das Velo fördern. Deshalb darf der unbestritten nötige, behindertengerechte Trameinstieg nicht im Gegenzug das Velo behindern. Genau das aber tun die sogenannten Kaphaltestellen mit ihren fast 30cm hohen Haltekanten. Davon müssen Velos genug Abstand halten, um nicht mit dem Pedal daran hängen zu bleiben. Dabei besteht aber die Gefahr, in die Rillenschiene zu geraten, was bereits zu mehreren Unfällen mit langwierigen Verletzungen geführt hat.

Velofreundliche Tramschienen

Der Pilotversuch soll die Schiene für Velofahrende gefahrlos befahrbar machen. Sie sollen so sicher zwischen die Tramschienen gelangen und am Ende der Kaphaltestelle auch ohne Risiko wieder herausfahren können. Dazu werden Schienenabschnitte mit einem Gummiprofil gefüllt, das vom Tram, nicht aber vom Velo verdrängt werden kann. Bei erfolgreichem Pilotversuch sollen die Schienen zukünftig auf der ganzen Länge der Kaphaltestelle entsprechend ausgestattet werden, damit auch ein Fahren entlang dem Schienenstrang (ohne mittiges Fahren) möglich wird.

VCS-Recherche als Grundlage für Verbesserungen

Bei seiner Suche nach einer velofreundlichen Lösung bei Kaphaltestellen hörte der VCS immer wieder das Argument, in Zürich hätte sich ein Versuch mit Gummiprofilfüllung nicht bewährt. Der VCS fand unter anderem im Gespräch mit dem ETH-Forschungsinstitut Empa (Materials Science and Technology, ehemals Eidg. Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) heraus, dass das Potenzial solcher Lösungen damit noch längst nicht ausgereizt war und dass der damalige Hersteller in der Zwischenzeit ein raffinierteres, robusteres System entwickelt hat. Diese Abklärungen bilden die Grundlage für den aktuellen Vorstoss. Das BVD und die BVB sollen nun im Rahmen eines ohnehin anstehenden Umbaus zu einer Kaphaltestelle dieses neue vielversprechende System einbauen und evaluieren.

«Klapp» würde Veloproblem bei «Kap» lösen

Der VCS wird sich an der Evaluation des Systems mit Fahrexperimenten beteiligen. Zugleich unterstützt der Verband alle fahrzeugseitigen Lösungsansätze. Das Problem des ungenügenden Platzes zwischen Tramschiene und Haltekante (knapp 65 cm z.B. in der Greifengasse oder beim Kirschgarten) stellt sich in Basel nämlich viel schärfer als in Bern und Zürich. Dort verfügen die Trams über Schiebe- bzw. Klappbretter. Dadurch können die Tramschienen einen grösseren Abstand zur Haltekante einhalten und der niveaugleichen Einstieg ist dennoch gewährleistet.

Fehlentscheid bei Trambeschaffung

PolitikerInnen, insbesondere Grossrat Jörg Vitelli, hatte bei der Basler Trambeschaffung leider erfolglos auf die Problematik hingewiesen. Man wusste also um die Velobehinderung, welche «brettlose» Trams mit sich bringen würden. Die schlechten Veloerfahrungen (inklusive Unfällen) mit den ersten Kaphaltestellen rechtfertigen die eingehende Prüfung, wie die Trams in der Region Basel entsprechend nachgerüstet werden können.

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