Die SBB fokussiert noch konsequenter auf das Kerngeschäft: Die Kundenzufriedenheit soll erhöht, die Pünktlichkeit gesteigert und die Information im Störungsfall verbessert werden. Um diese Ziele und Synergien zu erreichen, werden die Aufgaben an verschiedenen Standorten konzentriert.

Die SBB hat im Mai dieses Jahres mit «SBB agil 2020» die Weichen gestellt, wie das Unternehmen in Zukunft geführt wird. In diesem Zusammenhang hat SBB Personenverkehr in den letzten Monaten seine Organisation auf den steigenden Wettbewerbsdruck und die zunehmende Dynamik in Markt und Regulation ausgerichtet. Die Nähe zu den Kunden soll verbessert und die Bahnproduktion gestärkt werden.

Das wichtigste Kundenversprechen der SBB ist ein sicher, pünktlich und sauber verkehrender Zug. Um dies zu erreichen, führt SBB Personenverkehr die Einheiten im Bahnbetrieb zusammen. In der Bahnproduktion steuert SBB Personenverkehr in Zukunft die Bereiche Rollmaterial, Lok-, Zug-, Reinigungs- und Rangierpersonal aus einer Hand.

Bessere Kundeninformation im Störungsfall

Durch diese Zusammenlegung im Bereich Bahnproduktion werden verschiedene Schnittstellen eliminiert. Die Kundinnen und Kunden können in Zukunft von einer weiter verbesserten Qualität bei Ereignissen und Störungen profitieren, unter anderem mit schnelleren, konsistenten und klaren Informationen über die verschiedenen Kommunikationskanäle. Diese Leistungen sollen mit einer Konzentration an primär vier Standorten der SBB Betriebszentralen Lausanne/Renens, Olten, Zürich-Flughafen und Polleggio sichergestellt werden. Das hat zur Folge, dass innerhalb der Organisation des SBB Personenverkehrs rund 400 Mitarbeitende von insgesamt 15‘000 von einem Arbeitsortswechsel betroffen sind. Der grösste Anteil der Mitarbeitenden wechselt vom Standort Bern nach Olten, von Zürich nach Olten und von verschiedenen Standorten nach Zürich-Flughafen. Die SBB hat diese Mitarbeitenden in Absprache mit den Sozialpartnern und im Rahmen des geltenden Gesamtarbeitsvertrags (GAV) informiert. Die SBB wird dabei keine Arbeitsplätze abbauen.

Mehr Kundennähe in den Regionen

Im Rahmen von «SBB agil 2020» werden die vier Regionen West, Mitte, Ost und Süd mit mehr Entscheidungskompetenzen ausgestattet. Die vier Regionenleiter SBB verantworten dabei nebst dem Gesamtauftritt der SBB auch die Steuerung der regionalen Kundenzufriedenheit sowie der Qualität im Betrieb und der Kundeninformation in ihrer Region. Im Weiteren sind sie zuständig für die regionalen Gesamtperspektiven, das heisst, sie stimmen die Mobilitätsentwicklung die Ausbauten der Bahninfrastruktur und die Arealentwicklung der SBB aufeinander ab. Sie sind die primären Ansprechpartner für die Kantone und stellen somit einen direkten Informationsaustausch sicher.

Neue Einheit Smart Mobility

Beim SBB Personenverkehr gibt es zudem eine neue Einheit «Smart Mobility». Diese entwickelt und testet neue digitale Lösungen für Kunden. Dazu gehören unter anderem Neuentwicklungen für die Kundeninformation und Serviceleistungen für die Kundinnen und Kunden.

Das Programm «SBB agil 2020»
Näher zu den Kunden, mehr Kompetenzen für die Regionen und Mitarbeitenden: Mit dem Programm «SBB agil 2020» stellt die SBB die Weichen, wie das Unternehmen in Zukunft geführt wird. Bei steigendem Wettbewerbsdruck und zunehmender Dynamik in Markt und Regulation rückt die SBB stärkere Delegation in die Regionen und zu den Projekten sowie raschere, einfachere Entscheide ins Zentrum. Sie richtet ihre Unternehmenskultur auf Vertrauen, selbstgesteuerte Ambition sowie grössere Handlungsspielräume für die Mitarbeitenden aus.
Stellungnahme SEV: SBB Personenverkehr riskiert Eigentor
Der SBB Personenverkehr hat eine weitere Reorganisation angekündigt. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV beurteilt diese kritisch: 400 Mitarbeitende müssen den Arbeitsort wechseln. Das ist für sie keine Motivationsspritze. Es besteht die Gefahr, dass Mitarbeitende abspringen und mit ihnen Knowhow verloren geht. Die SBB unterläuft damit das eigene Ziel, die Qualität zu steigern.

«Diese neue Reorganisation kommt in einem Moment, in dem die vorhergehende noch nicht einmal umgesetzt ist»

, kritisiert SEV-Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni.

«Es handelt sich um eine weitere Zentralisierung. Zahlreiche Mitarbeitende sollen künftig an einem andern Ort arbeiten. Damit müssen sie längere Arbeitswege und finanzielle Einbussen in Kauf nehmen. Die Gefahr ist gross, dass Mitarbeitende demotiviert werden. Die SBB geht wissentlich das Risiko ein, dass erfahrene Mitarbeitende das Unternehmen verlassen. Dies ist dem eigentlichen Ziel, den Service für die Kundinnen und Kunden zu verbessern, nicht dienlich.»

Der SEV erwartet von der SBB, dass sie die Bedenken, welche die Sozialpartner während des Konsultationsverfahrens vorgebracht haben, stärker berücksichtigt. Der SEV fordert vor allem bessere Bedingungen für die vom Dienstortwechsel betroffenen 400 Mitarbeitenden.

«Die Bedingungen müssen besser sein als das im GAV garantierte Minimum»

, fordert Jürg Hurni.

«Das ist im Interesse der Mitarbeitenden und des Unternehmens.»

Stellungnahme Transfair: Mitarbeitende stehen an erster Stelle 
Transfair hat im Rahmen des Konsultationsverfahrens zu den geplanten Arbeitsortwechseln Stellung genommen und von der SBB verlangt, dass für Mitarbeitende, die von einem Arbeitsortwechsel betroffen sein werden, gute Rahmenbedingungen an den Zielarbeitsorten geschaffen werden.

Wegen Arbeitsortwechseln verlieren sehr viele Mitarbeitende künftig die Regionalzulagen, müssen sich auf neue Arbeitswege einstellen und ihre private Situation umstellen. Um unerwünschte Personalabgänge bei diesen wichtigen Funktionen abzufedern, hat transfair eine zusätzliche Mobilitätspauschale gefordert.

Die SBB kann sich nicht leisten, dass diese Übung schiefgeht, zu wichtig sind diese Funktionen für die Bahnproduktion.

Bruno Zeller, Branchenleiter Öffentlicher Verkehr von Transfair, betont:

«Für Transfair steht das Personal an erster Stelle. Es darf zu keinen Kündigungen kommen.»

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