Die SBB löst die bisherige Division Güterverkehr aus dem Konzern und führt sie seit Anfang Jahr als eine eigenständige Konzerngesellschaft. Die Entflechtung der SBB Cargo AG vom SBB Konzern erfolgt im Jahr 2019 schrittweise. Damit legt die SBB die Basis, um die Drittbeteiligung an der SBB Cargo AG noch in diesem Jahr zu realisieren. Zentral ist, den Kunden im Güterverkehr ein weiterhin hochstehendes Angebot zu bieten und das Unternehmen wettbewerbsfähig auszurichten. Erste Erfolge sind bereits sichtbar. Nach dem finanziellen Rückschlag im Jahr 2017 konnte die Division Güterverkehr das Ergebnis 2018 stark verbessern.

Die SBB will die Wettbewerbsfähigkeit der SBB Cargo AG im Markt weiter erhöhen und mit Partnern zusammen die Vorteile der integrierten Bahn nutzen. Deshalb ist SBB Cargo seit Anfang Jahr neu eine eigenständige Konzerngesellschaft; Grundlage dafür war die Gründung der privatrechtlichen Aktiengesellschaft SBB Cargo AG im Jahr 1999. Die weitere Entflechtung vom SBB Konzern erfolgt nun schrittweise im Verlauf von 2019.

Als eigenständige Konzerngesellschaft wird es SBB Cargo möglich sein, die angekündigte finanzielle Minderheitsbeteiligung einfacher umzusetzen. Diese ermöglicht der SBB Cargo AG und den Minderheitsinvestoren eine stärkere Mitgestaltung bei der künftigen Ausrichtung des Güterverkehrs auf der Schiene.

Voraussetzungen geschaffen für Partnerschaft im Jahr 2019

Aufgrund der Ausgliederung der SBB Cargo AG gehört der Leiter der Güterbahn nicht mehr der SBB Konzernleitung an; er wird neu über den Verwaltungsrat von SBB Cargo geführt. Er verfügt aber in der SBB Konzernleitung über ein Mitspracherecht bei allen Themen, die den Güterverkehr betreffen, wie zum Beispiel Leistungsvereinbarungen mit dem Bund, Netz- und Fahrplanplanung, Ausbauschritte, «Smartrail 4.0» oder Gebiets- und Arealentwicklungen. Ausserdem wird der Verwaltungsrat der SBB Cargo AG erneuert mit dem Ziel, die Gesellschaft stärker nach aussen zu öffnen. Ein neues externes Verwaltungsratsmitglied soll im Frühjahr 2019 eingesetzt werden, die Suche läuft. Die Ernennung des neuen Verwaltungsratspräsidenten ist für die Zeit nach dem Einstieg des neuen Partners bzw. der neuen Partner vorgesehen.

Die Marktansprache für eine Partnerschaft mit SBB Cargo hat Interessenten aus dem In- und Ausland angezogen. Die Offerten werden derzeit geprüft und verhandelt. Entscheide werden im Verlauf des Jahres fallen.

Ergebnis bereits zwei Jahre früher wieder positiv

Die SBB Cargo AG will für ihre Kunden auch in Zukunft einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Güterverkehr auf der Schiene sicherstellen und den System-Wagenladungsverkehr in Wirtschaftsräumen mit grossen Gütermengen weiter stärken. Dieser hat sich mit einem leichten Umsatzwachstum von 1.7% im Vergleich zum Vorjahr positiv entwickelt. Der kleinteilige Einzel-Wagenladungsverkehr nahm gegenüber Vorjahr erneut um 2.4% ab und steht immer stärker unter Druck. Deshalb überprüft SBB Cargo aktuell gemeinsam und vorausschauend mit ihren Kunden, ob es Alternativen zu einer fixen täglichen Bedienung gibt. Dabei ist die SBB auf viel Verständnis gestossen; Überraschungen wird es keine geben.

Nach dem Rückschlag im Jahr 2017 hat die Güterbahn nicht nur im ersten Halbjahr 2018 einen Gewinn verzeichnen können, sie schliesst auch gesamthaft das Jahr 2018 deutlich besser als im Vorjahr ab und ist wieder zurück in den schwarzen Zahlen. Damit stabilisiert SBB Cargo AG ihr Ergebnis und steigert es bereits zwei Jahre vor der ursprünglichen Zielsetzung des Sanierungsplans markant. Die Zahlen zeigen, dass das aktuelle Sanierungs- und Weiterentwicklungsprogramm greift. Damit will SBB Cargo auch die in diesem Jahr wegfallenden Abgeltungen ausgleichen. Ziel ist, bis 2023 nachhaltig reinvestitionsfähig zu werden.

Stellungnahme SEV: SBB Cargo muss Kahlschlag sistieren
Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV begrüsst den Entscheid der
SBB, ihrer Cargo-Tochter eine eigenständige Führung zu geben.

«Damit werden die konzerninternen Interessenkonflikte endlich minimiert und der politische Wille umgesetzt»

, sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Philipp Hadorn.

«Allerdings gesteht die SBB damit auch ein, dass SBB Cargo unter der gegenwärtigen Konzernführung nicht in der Lage war, den Güterverkehr erfolgreich zu entwickeln.»

Neben der neuen Führungsstruktur hat die SBB auch kommuniziert, dass sich SBB Cargo in den letzten Monaten finanziell positiv entwickelt hat.

«Die Ergebnissituation liegt wieder in akzeptablen Bandbreiten»

, stellt Philipp Hadorn fest.

«Damit wird deutlich, dass der Kahlschlag, den Andreas Meyer als Verwaltungsratspräsident von SBB Cargo im Februar 2018 ankündigt hat, unverhältnismässig war.»

Dieser sah vor, bis zum Jahr 2023 von 2200 Cargo-Vollzeitstellen (Stand März 2018) 800 Stellen abzubauen sowie von 344 Bedienpunkten 170 zu «überprüfen» bzw. zu schliessen.

«Andreas Meyer reagierte mit diesem Kurzschluss auf ein Krisenjahr mit Special effects und löste damit bei SBB Cargo eine unnötige Hysterie aus. Offensichtlich hat sich die finanzielle Lage im 2018 schon wieder beruhigt, bevor die angekündigten Massnahmen eine wesentliche Wirkung entfalten konnten.»

Der SEV warnte bereits im März 2018, dass die einschneidenden Reorganisationsmassnahmen kaum abschätzbare Folgen für die zukünftige Entwicklung und Positionierung von SBB Cargo haben würden. Und er verlangte die sofortige Sistierung der Umsetzung, bis ein neuer Verwaltungsrat eine neue zukunftsträchtige Strategie entwickelt hat. Diese Forderung unterstützten auch über 90 Nationalratsmitglieder mit der Motion Hadorn 18.305 «Denkpause und keine Missachtung der Eignerauflagen durch die SBB und SBB Cargo».

Die neuen Finanzzahlen zeigen, dass bei SBB Cargo keinerlei dringender Handlungsbedarf für eine «Hauruck»-Neupositionierung bestand und besteht. Der SEV wird den Prozess einer allfälligen Neupositionierung gerne mitentwickeln. Das verkehrspolitische Ziel für SBB Cargo bleibt, dazu beizutragen, dass in der Schweiz möglichst viel Güterverkehr auf der Schiene abgewickelt wird. Zudem soll SBB Cargo als gesunde, gut geführte Unternehmung ihren Mitarbeitenden längerfristig gute, soziale Anstellungs- und Arbeitsbedingungen bieten.

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