Im November 2018 hatte die BLS AG angekündigt, dass sie ihre Kosten bis 2023 um jährlich 50 bis 60 Millionen Franken senkt. Nun hat sie das Massnahmenpaket zur Sicherstellung ihrer Wettbewerbsfähigkeit definiert. Dieses enthält auch Investitionen für die Anschaffung notwendiger IT-Systeme zur Automatisierung von Geschäftsabläufen.

Die BLS will ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sicherstellen und ihre Kundinnen und Kunden noch stärker ins Zentrum rücken. Dazu verschlankt und automatisiert sie eine Vielzahl ihrer Geschäftsabläufe und spart so bis 2023 schrittweise jährlich 50 bis 60 Millionen Franken.

«Wir wollen neue Wege gehen und uns von alteingesessenen Abläufen lösen. Dabei werden wir nicht nur effizienter, sondern können auch besser auf die steigenden Kundenanforderungen eingehen»

, ist CEO Bernard Guillelmon überzeugt.

Am 14. Februar hat die Geschäftsleitung der BLS den rund 3000 Mitarbeitenden das Massnahmenpaket für die nächsten fünf Jahre erläutert.

Breit abgestützte Massnahmen

Verbessert werden überwiegend Tätigkeiten im Einkauf, bei der Planung und bei zentralen Geschäftsabläufen. Insbesondere nimmt die BLS ihre Logistikkette unter die Lupe: Künftig erhält die zentrale Beschaffungsstelle bei allen Bestellungen mehr Kompetenzen, um vor allem Lager- und Materialkosten zu sparen. Gleichzeitig automatisiert die BLS viele zentrale Prozesse, insbesondere im Bereich Finanzen und Controlling.

Auch bei den digitalen Produkten gibt es Anpassungen: In den vergangenen Jahren hat die BLS drei eigene Apps und mehrere Webshops für verschiedene Kundenbedürfnisse lanciert. Die BLS überführt nun die unterschiedlichen Funktionen in jeweils eine App und einen Shop. Dies erleichtert den Kunden die Übersicht und die BLS spart Betriebskosten. Weiter will sie ihr Filialnetz der Reisezentren anpassen, um ihre Kräfte zu bündeln und das Angebot von persönlicher Beratung besser auf die Nachfrage auszurichten.

Optimierungen sind auch in der Einsatzplanung der Lokführer und den Wartungsarbeiten von Zügen geplant. Zusätzlich überholt die BLS 18 Lokomotiven des Typs Re 465, um deren Lebensdauer um weitere 15 Jahre zu verlängern.

Massnahmen über fünf Jahre

Im Rahmen des Projekts baut die BLS bis 2023 rund 170 Vollzeitstellen ab, maximal 45 davon durch Kündigungen. Support- und Management-Funktionen werden proportional am stärksten reduziert. Für die Betroffenen hat die BLS gemeinsam mit den Gewerkschaften einen Sozialplan ausgearbeitet. Die übrigen Stellenreduktionen erfolgen durch Pensionierungen, natürliche Fluktuation und die Nichtneubesetzung von Vakanzen. Für die Anschaffung notwendiger IT-Systeme zur Automatisierung von Geschäftsabläufen und weiteren Investitionen im Rahmen des Effizienzprogramms wendet die BLS AG insgesamt 85 Millionen Franken auf. Dieser Betrag beinhaltet auch Rückstellungen von 15,4 Millionen Franken, die dem Jahresergebnis 2018 der BLS AG belastet werden.

Stellungnahme SEV: Der Personalabbau beim BLS-Sparprojekt «Best Way» wird verurteilt
Der SEV steht den heute von der BLS konkretisierten Sparmassnahmen sehr kritisch gegenüber. Insbesondere verurteilt er massiv, dass trotz eines Zeithorizonts von fünf Jahren 45 Mitarbeitende vor die Türe gestellt werden sollen. Für Betroffene besteht immerhin ein hart verhandelter
Sozialplan.
Mit den Sparmassnahmen im Rahmen des Projekts «Best Way» stellt die BLS die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmung in den Vordergrund und vergisst dabei das Personal.

«Dass trotz des langen Zeithorizonts von 5 Jahren über 40 Kündigungen ausgesprochen werden sollen, ist nicht nachvollziehbar»

, kritisiert SEV-Gewerkschaftssekretär Michael Buletti.

«In diesem Zeitrahmen muss ein sozialverträglicher Abbau möglich sein.»

«Wir verlangen von der BLS weiterhin, dass sie ihre soziale Verantwortung wahrnimmt und alles daransetzt, den von einer Kündigung betroffenen Mitarbeitenden eine Perspektive innerhalb der Unternehmung anzubieten.»

Da Kündigungen aber gemäss BLS unausweichlich sind, haben sich der SEV und die BLS nach langen zähen Verhandlungen auf einen akzeptablen Sozialplan geeinigt.

«Mit den darin vorgesehenen Massnahmen werden insbesondere ältere und langjährige Mitarbeitende der BLS geschützt»

, so Buletti weiter.

Der SEV wird den Abbau und allfällige Entlassungen eng begleiten und in Härtefällen konsequent eingreifen.

Durch den geplanten Abbau von insgesamt 170 Stellen wird sich der Druck auf das restliche BLS-Personal weiter verstärken. So beispielsweise beim Lokpersonal, dessen Einsatzplanung «optimiert», also noch stärker ausgereizt werden soll. Dadurch wird die Belastung dieser Mitarbeitenden noch weiter zunehmen. Auch bei der «Anpassung» des Netzes an Reisezentren sind die Mitarbeitenden die Leidtragenden: Drei dieser Zentren sollen geschlossen, das Personal teilweise entlassen werden. Mit der «Bündelung der Kräfte» soll das Angebot besser auf die Nachfrage ausgerichtet werden. Der SEV sieht hier vor allem eines: einen Abbau des Personals, aber auch des Service public.

Stellungnahme Transfair: BLS startet Effizienzprojekt «Best Way»
Die BLS informierte am 14. Februar 2019 über die Massnahmen zur Kostensenkung von 50 bis 60 Millionen Franken jährlich bis 2023. Dabei rechnet das Bahnunternehmen auch mit dem Abbau von rund 170 Vollzeitstellen, wovon maximal 45 durch effektive Kündigungen erfolgen soll. Transfair fordert die BLS auf, den Stellenabbau durch Senkung von anderen Kosten zu verkleinern.

Investieren und sparen zur gleichen Zeit

Um im Wettbewerb des öffentlichen Verkehrs nicht aufs Abstellgeleise zu geraten, sieht sich auch die BLS entsprechend unter Druck, ihre Leistungen den Bestellern zu besseren Preisen anzubieten. Dazu will die BLS unter anderem viele Geschäftsabläufe im Einkaufs-, Support- und Managementbereich automatisieren, was zuerst Investitionen in neue IT-Systeme bedingt. Weiter werden interne Service-Levels überprüft. Ziel ist, mit Automatisierung und Standardisierung, beispielsweise bei HR- oder Controlling- und Finanzarbeiten Stellen, einzusparen. Für Transfair ist es wichtig, dass neue Arbeitsweisen zuverlässig eingeführt werden und stabil funktionieren, bevor Stellen verschwinden. Investieren und sparen wird möglicherweise nicht gleichzeitig gehen.

Tragfähiger Sozialplan

Als letztes Mittel für effektiv vom Stellenabbau betroffene Mitarbeitende hat Transfair mit der BLS einen tragfähigen Sozialplan ausgehandelt. Insbesondere enthält er Leistungen für ältere, langjährige Mitarbeitende und unterstützt den Erhalt und die Förderung der Arbeitsmarktfähigkeit.

Bruno Zeller, Branchenleiter Öffentlicher Verkehr:

«Transfair fordert die BLS auf, die Senkung der Sach- und Materialkosten noch stärker zu gewichten, um dadurch den Stellenabbau weiter zu verkleinern.»

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