Neue Massnahmen für noch mehr Sicherheit bei Chlortransporten [aktualisiert]

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 14. Februar 2019 veröffentlicht.

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Chlortransporte in der Schweiz sind vor allem dank zweier neuer Massnahmen sicherer geworden: Zum einen bringt ein Sonderzug mit reduzierter Geschwindigkeit seit 2017 wöchentlich Chlorkesselwagen aus Frankreich ins Wallis. Zum anderen wird Chlor auch aus Italien bezogen, was den dichtbesiedelten Genferseebogen entlastet. Dies geht aus dem Bericht zum Stand der Umsetzung der Gemeinsamen Erklärung II zu Chlortransporten hervor.

Im September 2016 hatten Wirtschaft, SBB und Behörden eine zweite gemeinsame Erklärung (GE II) für mehr Sicherheit bei Chlortransporten auf der Schiene unterzeichnet. Die erste Gemeinsame Erklärung mit ersten Massnahmen stammt aus dem Jahr 2002. In der GE II einigten sich die Parteien auf verschiedene Massnahmen sowie darauf, einen Plan für das Vorgehen bis 2025 festzulegen.

Sonderzug fährt einmal pro Woche

Die wichtigste neue Massnahme ist die Einführung eines Sonderzuges mit dem Fahrplanwechsel 2017/2018. Es handelt sich um einen wöchentlichen Zug, der Chlorkesselwagen von Frankreich ins Wallis bringt und, im Vergleich zu normalen Güterzügen, mit reduzierter Geschwindigkeit verkehrt (max. 40 km/h). Damit sinkt das Risiko markant, dass es bei einem Unfall zu einer Freisetzung von Chlor kommen könnte. Eine zweite Massnahme ist der Bezug von Chlor aus Italien. Dadurch wird entsprechend weniger Chlor auf dem dichtbesiedelten Genferseebogen transportiert. Weiter wurden auf der Strecke des Sonderzuges die Gleisversicherungen (aufrecht einbetonierte Messschienen) entfernt, die bei einem Unfall die Kesselwagen hätten beschädigen können.

Zudem ist man daran, eine weitere Massnahme zur Risikosenkung umzusetzen, die deutlich über die internationalen Anforderungen für Wagentechnik hinausgeht: Für den Chlortransport sollen die sicherheitstechnisch besten verfügbaren Kesselwagen zum Einsatz kommen. Damit die Risikosenkung auch langfristig eingehalten wird, hat das BAFU im Juni 2018 verschärfte Beurteilungskriterien (Wahrscheinlichkeiten und Ausmass möglicher Ereignisse) für das Risiko erlassen.

Risiko 10 mal kleiner

Der am 14. Februar 2019 veröffentlichte Bericht über die erste Phase der Umsetzung der GE II per Ende 2018 zeigt, dass die vereinbarten Ziele erreicht wurden: Das Risiko für Chlortransporte auf der Schiene wurde an den kritischen Stellen um den Faktor 10 gesenkt und liegt damit wie gefordert unter den verschärften Beurteilungskriterien. Das bedeutet einen deutlichen Sicherheitsgewinn bei diesen Gefahrguttransporten.

Gemeinsame Roadmap für weitere Verbesserungen

Die Partner (Scienceindustries, SBB, VAP Verband der verladenden Wirtschaft, das Bundesamt für Verkehr (BAV) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU)) setzen ihre Anstrengungen für mehr Sicherheit in den kommenden Jahren fort, mit dem Ziel, die Sicherheit noch weiter zu erhöhen. In einer Roadmap legten sie für den Zeitraum von 2019 bis 2025 weitere Massnahmen fest. Dazu gehört unter anderem, dass die Sicherheit der Bahnkesselwagen weiterentwickelt wird. Berücksichtigt wird dabei die Möglichkeit, Tankcontainer einzusetzen sowie mehr Chlor aus Italien zu beziehen.

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