öV-Preis geht an Christian Rensch von 10vor10

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öV-Preis 2018 der Bahnjournalisten Schweiz für Christian Rensch vom SRF: Daniel Felix, Präsident der BJS, Christian Rensch, Preisträger SRF und Peter Moor, Jurypräsident [v.l.n.r.]. / Quelle: Tibert Keller

An der Hauptversammlung der Bahnjournalisten Schweiz* wurde der öV-Preis 2018 an Christian Rensch von Fernsehen SRF vergeben. Er wird für seine Reportage «Schandfleck Busbahnhof» in der Sendung 10vor10 vom 5. Februar 2018 ausgezeichnet. Die Jury würdigt insbesondere den breiten Zugang zu einem gut gewählten Aspekt der für die Schweiz neuen Thematik der Fernbusse.

Ein einziger Blick auf den Busparkplatz Bern Neufeld genügt um festzustellen, dass der Titel des Beitrags mit «Schandfleck Busbahnhof» in keiner Weise übertrieben ist. Christian Rensch hat mit seinem Beitrag sehr früh, als die Diskussion über Fernbusse in der Schweiz Fahrt aufnahm, den Blick auf einen wunden Punkt gelenkt. Denn neben den Fragen um Löhne, Fahrzeugqualität und Fahrpreise sind die Haltepunkte für Fernbusse offensichtlich ebenfalls ein zentrales Element. «Der Beitrag hat zu einem Zeitpunkt, als das Thema noch richtig neu war, bereits einen Aspekt aufgezeigt, der in der allgemeinen Wahrnehmung noch nicht angekommen war und damit das Blickfeld zum Thema ausgeweitet», betonte Jury-Präsident Peter Moor-Trevisan in seiner Laudatio [siehe unten] an der Hauptversammlung der Bahnjournalisten Schweiz am 25. März 2019 in Landquart.

Die Jury würdigt weiter, dass sich Rensch nicht auf Bern konzentriert hat, sondern mit Besuchen an den Busbahnhöfen Zürich und Chur die Bandbreite aufzeigte, die Busreisende in der Schweiz antreffen. Zudem liess er neben Reisenden auch Vertreter der Busbranche und der kritisierten Städte zu Wort kommen und ermöglichte es damit den Zuschauerinnen und Zuschauern, sich ein gutes Bild der Situation zu machen. Rensch verdiene den Preis dafür, dass er anschaulich und professionell ein Thema aufgegriffen habe, das im Verlauf des Jahres noch viel Beachtung fand, hielt die Jury fest.

Der öV-Preis wird jährlich für qualitativ hochstehenden Journalismus über Themen des öffentlichen Verkehrs vergeben. Er ist mit 1000 Franken dotiert.

* Die Vereinigung «Bahnjournalisten Schweiz – Medienschaffende des öffentlichen Verkehrs» – ist ein Zusammenschluss von ausgewiesenen Spezialisten auf dem Gebiet des öffentlichen Verkehrs. Zu ihren Mitgliedern zählen Journalisten, Publizisten, Autoren, Fotografen, Filmemacher, Mediensprecher, Dozenten und Meinungsbildner. Sie führt jährlich eine Vielzahl von Fachveranstaltungen durch. Die Mitglieder tragen aktiv zu einer kompetenten und umfassenden Berichterstattung in verschiedensten Medien über die Belange des öffentlichen Verkehrs bei. Sie pflegen unter anderem Beziehungen zu Verlagen, Redaktionen, Transportunternehmen, Verkehrsverbunden, Hochschulen, zur Industrie und zu den Behörden.

Beitrag «Schandfleck Busbahnhof» von Christian Rensch:

Laudatio zur Würdigung des Preisträgers Christian Rensch anlässlich der Hauptversammlung vom 25. März 2019 in Landquart
Lieber Herr Rensch

Lange dachten wir hier in der Schweiz ja, diese grünen Busse wären ein rein deutsches Phänomen. Erst recht wir Bahnjournalisten dachten das! Bis wir uns eingestehen mussten, dass diese Entwicklung auch die Schweiz erreicht. Als andere noch über juristische Fragen diskutierten und sich fragten, was sich das BAV nur gedacht habe, als es ankündigte, in der Schweiz weitere Fernbusse konzessionieren zu wollen, da schauten Sie bereits genauer hin.

Sie schauten dorthin, wo die Schweiz am deutlichsten zeigt, dass sie mit diesen Bussen eigentlich nichts am Hut hat. Wir finden hier nirgends die Abkürzung ZOB, die in fast jeder deutschen Stadt gängig ist. Ja, wir finden genau genommen in vielen Städten nicht einmal den Ort, der mit ZOB gemeint ist, denn einen zentralen Omnibusbahnhof, den sucht man in der Schweiz vergeblich. Sie haben Ihre Suche in Bern begonnen und damit voll auf die Schwachstelle gezielt. Ihr Beitrag lief im 10vor10 vom 5. Februar 2018 unter dem Titel «Schandfleck Busbahnhof», und wer den Beitrag gesehen hat oder selbst gar einmal im Neufeld vor Ort war, weiss, dass hier keine Spur von sensationsgieriger Übertreibung im Spiel war.

Sie haben sich aber nicht auf Bern konzentriert, sondern haben auch Zürich und Chur besucht und so die ganze Bandbreite aufgezeigt, die in der Schweiz anzutreffen ist, wenn man mit dem Fernbus reisen will. Sie haben darüber hinaus viele Beteiligte zu Wort kommen lassen: Reisende, Vertreter der Branche und Akteure der Städte und Kantone, die sich ihrer Schwächen durchaus bewusst sind. Ihr Beitrag hat zu einem Zeitpunkt, als das Thema noch richtig neu war, bereits einen Aspekt aufgezeigt, der in der allgemeinen Wahrnehmung noch nicht angekommen war, und damit haben Sie das Blickfeld zum Thema ausgeweitet. Gerne hätten wir auch gehört, was der Bund dazu sagt, dass er von allen als Bezahler für Verbesserungen angedacht ist. Dies wäre aber dann unsere einzige Kritik an diesem insgesamt sehr gut geglückten und informativen Beitrag.

Und doch hat die Jury eine längere Diskussion darüber geführt, wie es sich verhält, wenn ein Fernsehbeitrag einem Beitrag aus einer Zeitschrift gegenübersteht, denn das war die Situation in der Schlussausmarchung, als wir uns – recht schnell – auf zwei Favoriten geeinigt hatten. Wir haben uns gefragt, ob die bewegten, bunten Bilder sich einen ungerechten Vorteil verschaffen, der unseren Blick auf die journalistische Beurteilung trübt. Wir haben deshalb auf unserer Punkteliste, die mehrere Kriterien umfasst, den Aspekt «Anschaulichkeit» für einen Moment ausgeklammert.
Und da haben wir festgestellt, dass Ihr Beitrag, Herr Rensch, nach wir vor zuoberst steht: Er punktet nämlich auch in der Bewertungskategorie «Exklusivität», vor allem aber bei der Relevanz des Themas. Sie haben uns etwas gezeigt, das im weiteren Verlauf des Jahres von vielen andern wiederum aufgegriffen wurde. Für diese nicht nur anschauliche, sondern auch professionelle, vielseitige Darstellung des Themas verleihen wir Ihnen deshalb den öV-Preis 2018 der Bahnjournalisten Schweiz.

Ich gratuliere Ihnen herzlich!
Peter Moor-Trevisan, Jury-Präsident

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