Bahnwandern entlang der Dschungelbahn in Madagaskar

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Ein Zug der Fianarantsoa-Côte Est (FCE) in Madagaskar. / Quelle: Franz-Stadelmann

Auch auf Madagaskar baute Kolonialfrankreich Eisenbahnen. Der Grossteil davon ist noch immer in Betrieb, so auch die Südbahn FCE (Fianarantsoa-Côte-Est), die vom Hochland hinunter an die Küste des Indischen Ozeans führt: 165 Kilometer. Die Eisenbahn sollte die fruchtbaren Gebiete des südlichen Hochlandes mit dem Meereshafen von Manakara verbinden.

Die in den 1930er Jahren erbaute Meterspurbahn stellte für die französischen Ingenieure eine gewaltige Herausforderung dar. Das Gelände war weit schwieriger als bei den Bahnbauten in Indochina. Erst 1936 erreichte der erste Dampfzug den Bahnhof von Fianarantsoa. Der angedachte Ausbau des Bahnnetzes fand nicht statt und Manakara erwies sich nicht als geeigneter Seehafen.

Die Strecke wird seit der Unabhängigkeit (1960) vernachlässigt. Die Schienen stammen grossteils aus Reparationszahlungen der Deutschen an die Franzosen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.

Die FCE windet sich durch eine wunderschöne Landschaft, überquert 67 Brücken und rattert durch 48 Tunnels, wovon einer davon länger als einen Kilometer ist. Der längste Viadukt misst etwa 220 Meter und ist damit die längste Eisenbahnbrücke Madagaskars. Das steilste Teilstück hat eine Steigung von 3,5 %. Hier muss, wenn der Schienenstrang nass ist, auf Bergfahrten jeweils Sand gestreut werden, damit die Lokomotive genügend Traktion hat.

Heute sind die Diesellokomotiven das grösste Problem. Es steht nur noch eine Lok zur Verfügung. Sie ermöglicht, dass pro Woche zwei Züge in jeder Richtung verkehren können. Manchmal ist die altersschwache Lok «en panne», dann fällt der Zugverkehr aus. Und trotzdem ist die Eisenbahnlinie unverzichtbar. Es gibt keine Strasse durch dieses Gebiet, wo viele Bananen, aber auch Kaffee und Litschis angebaut werden.

Aber auch die Menschen nutzen die Eisenbahn gerne. Der Schienenstrang ist in vielen Gebieten der einzige Faden hinaus in die weite Welt. Einige Personenwagen stammen von Meterspurbahnen der Schweiz (von der ehemaligen Brünigbahn, der Chemin der Fer Yverdon-St. Croix und den Berner Oberland-Bahnen).

Die pittoreske Linie über Hochlandhügel, entlang Bergflüssen und durch wuchernde Tropenlandschaft wird immer wieder von Erdrutschen unterbrochen. Alle paar Jahre zerstören Zyklone die Bahntrassee. Die Madagassen sprechen ironisch vom TGV, meinen aber «Train à grandes Vibrations». Tatsächlich ruckelt und zuckelt der Zug auf der Bergstrecke mit kaum mehr als 25 km/h über die Schienen und man hört ihn natürlich schon von weitem kommen. Erst unten in der Küstenebene verläuft die Linie mehrheitlich schnurgerade, hier steigt die Geschwindigkeit bis auf 40 km/h. Kurz vor Manakara gibt es noch ein Unikum: Der Zug überquert die Piste des Flugplatzes von Manakara. Dies gibt es weltweit nur an drei Orten! Obwohl es beim Flughafen von Manakara (Iata-Code WVK) keinen Tower gibt, ist es noch nie zu Problemen zwischen dem Zug und einem Flugzeug gekommen.

Die Abfahrt des Zuges ist sowohl in Fianarantsoa wie auch in Mankara auf morgens 7 Uhr angesetzt. Das klappt meistens auf die Minute genau. Unterwegs jedoch tritt der Fahrplan in den Hintergrund, denn immer wieder müssen Waren ein- und ausgeladen werden. Alles von Hand.

Auf den Stationen herrscht jedes Mal, wenn ein Zug einfährt, ein grosses Spektakel. Das halbe Dorf versammelt sich auf dem Bahnhof. Kinder, Frauen und Männer versuchen etwas aus der Eigenproduktion zu verkaufen. Man weiss nie so genau, wann es weiter geht. Wenn die Lok aber pfeift, dann geht es wieder los zur nächsten Station.

Die Fahrt von Endstation zu Endstation dauert einen ganzen Tag, das mögen 12 Stunden sein oder auch ein paar mehr.

Die erste Bahnwanderung in Madagaskar
Im Juli dieses Jahres organisiert die Reiseorganisation PRIORI eine mehrtägige Wanderung entlang der landschaftlich reizvollsten Streckenteile. Während fünf Tagen wandert die Kleingruppe von Sahambavy auf ca. 90 Kilometern bis nach Sahasinaka. Die Unterkünfte unterwegs sind einfach, aber es ergeben sich rege Kontakte zur lokalen Bevölkerung. Auch fotografisch ist die Bahnwanderung höchst interessant. Am Ende der Wanderung noch ein paar Tage in Manakara am Meer und dann mit dem Zug wieder zurück ins Hochland, um die ganze Strecke noch vom Zug aus zu sehen.

Nebst der Bahnwanderung sind in dieser dreiwöchigen Madagaskar-Reise auch Wanderungen in Nationalparks vorgesehen.

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