IGöV Zentralschweiz: Abschied von der S32

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Klein war sie! Mit einem zweiteiligen NPZ der Südostbahn, den ursprünglich die legendäre Bodensee-Toggenburg-Bahn angeschafft hatte, shuttelte sie von Montag bis Freitag dreimal am Morgen und dreimal am Nachmittag von Rotkreuz nach Immensee (Fahrzeit: 6 Minuten). Dort bestand jeweils Anschluss an die S3 nach Brunnen und Richtung Luzern.

Pendler, vor allem aus Innerschwyz, liebten sie für ihre tägliche Fahrt zu den Arbeitsplätzen in Rotkreuz und im Rontal.

Gelegenheitsreisende und Touristen übersahen sie meist, da sie nur wenige Fahrten anbieten konnte und deren Bedürfnissen nach permanentem Taktverkehr nicht entsprach.

Nun wird sie am Freitag, 7. Juni 2019 um 18:19 Uhr, letztmals Rotkreuz verlassen, um via Arth-Goldau in ihre Heimat zurückzukehren.

Grund dafür ist die Zugerseesperre, die für einmal ab Rotkreuz taktmässige und umsteigefreie Direktverbindungen nach Innerschwyz, ins Urnerland, ins Tessin und sogar nach Mailand ermöglichen. Erfreut sind auch die Reisenden aus dem südlichen Teil des Kantons Aargau, die nicht zeitraubende und umständliche Umwegfahrten via Zug erdulden müssen, sondern von der S26 (Olten – Rotkreuz) problemlos in den Fernverkehr Richtung Süden umsteigen können.

Aber wird man unsere kleine S32 nach Beendigung der Zugerseesperre und dem dannzumaligen Entfall der umgeleiteten Züge Richtung Sonnenstube nicht kläglich vermissen?

Es scheint tatsächlich so, denn die liebe S32 hatte die unangenehme Eigenschaft, in Immensee mit seiner planmässigen Wendezeit von acht Minuten auf Gleis 4 und anschliessendem Ausfädeln aufs Gegengleis, die so wichtige Nord-Süd-Achse um mehr als 10 Minuten zu blockieren. Und so liess der Bund bereits früh verlauten, dass er wegen dieser Blockade der Güterzüge auf der so wichtigen Achse Rotterdam – Genua überhaupt nicht bereit sei, auch nur ein halbes Auge zugunsten unserer S32 zuzudrücken.

Gleichzeitig bemerkten die Bewohner des südlichen Aargaus (insgesamt wohl rund 350’000 Menschen), dass direkte Verbindungen Richtung Süden grosse Vorteile bringen, die sie nach Ende der Bauarbeiten am Zugersee Ost nicht mehr missen wollen. Aber ihre Wünsche, mit Eröffnung der NEAT im Dezember 2020 von umständlichen und teureren Umsteigeverbindungen via Zug verschont zu bleiben, hatten einen schweren Stand. Viele Argumentationen in der lokalen Presse lassen von Seiten des Kantons Aargau erhoffen, dass einige wenige direkte Züge an Wochenenden aus dem Kanton Aargau zum Knoten Arth-Goldau weitergeführt werden. Der Kanton Zug verschliesst sich vollkommen (es kostet ja…) und beschloss, in (wissentlicher?) Unkenntnis der Gegebenheiten zu argumentieren, dass, wenn eine S32 zukünftig vom Bund nicht mehr akzeptiert werde, auch eine Verlängerung der S26 bis Arth-Goldau oder jede andere Alternative für diesen nicht akzeptabel sein dürften.

Verbleibt noch der Kanton Schwyz, der unsere S32 wirklich liebte und der verzweifelt nach einer akzeptablen Lösung suchte. Aber auch diesem fiel letztlich nur ein, diese notfalls durch einen gesichtslosen «Schnellbus» von Arth-Goldau nach Rotkreuz ersetzen zu müssen.

«Liebe S32, Du wirst untergehen, weil drei unterschiedliche Kantone, geplagt vom Sparwillen auf dem Rücken der öV-Nutzer, keine nachhaltige Lösung zu finden gewillt sind»

, IGöV Zentralschweiz

Und somit bleibt die Strecke Rotkreuz – Arth-Goldau wohl auch weiterhin die einzige Strecke zwischen zwei Bahnknoten in der Schweiz, die ohne taktmässigem Verkehr auskommen muss.

Schade, dass ein Jahrhundertbauwerk wie die NEAT für eine nicht unbedeutende Bevölkerungsgruppe, die sie via Steuergelder ebenso mitfinanziert hat, letztlich nur auf vermeidbaren Umwegen erreichbar sein wird. Möge dereinst aus den Erinnerungen an die S32 eine neue, permanente und taktmässige Verbindung aus dem südlichen Aargau und aus Rotkreuz den direkten Weg in den Süden finden.

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