Seit Ende September 2019 wendet das Personal Kundenbegleitung bei SBB-Zügen mit EW IV-Türen und ähnlichen Türsystemen einen angepassten Abfertigungsprozess an. Sie erteilen die Abfahrerlaubnis erst, nachdem alle Türen geschlossen sind. Dadurch wird die Sicherheit weiter erhöht.

Das Sicherheitsniveau der EW IV-Türen wird auf das Level modernerer Züge erhöht. Dazu sind in den kommenden Jahren umfangreiche Arbeiten notwendig. Die SBB hat in Abstimmung mit den Sozialpartnern entschieden, dass der Abfertigungsprozess bis zum Abschluss der laufenden und zusätzlich geplanten technischen Arbeiten an den EW IV-Türen ab Ende September 2019 angepasst wird. Bei Zügen mit diesen Türen oder ähnlichen Türsystemen betätigen die Kundenbegleiterinnen und -begleiter die zentrale Türschliessung mit dem Zeigersprung. Die Türschliessung beobachten sie von ausserhalb des Zugs und erteilen die Abfahrerlaubnis erst, nachdem sie eingestiegen sind und auch ihre Einstiegstüre geschlossen ist. Dadurch wird die Sicherheit für das Personal und die Reisenden weiter erhöht.

«Wir sind erleichtert, dass die SBB unseren Vorschlag nun umsetzt»

, sagte SEV Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni.

Bereits im August, als erste Erkenntnisse zum tödlichen Arbeitsunfalls des Kundenbegleiters in Baden bekannt wurden, forderte der SEV, den Prozess bei der Zugsabfertigung zu überprüfen. Als Sofortmassnahme verlangte der SEV, den Prozess wie bei gestörter Türsteuerung 18-poliger Betrieb anzuwenden. Zusätzlich forderte der SEV, dass die Abfahrerlaubnis per SMS erst nach dem Einsteigen und Schliessen der eigenen Türe gegeben wird.

Die SBB hat in den letzten Wochen eine Expertengruppe beauftragt, mögliche Anpassungen des Abfahrtsprozesses zu prüfen, darunter auch die Vorschläge des SEV.

«An intensiven Gesprächen mit der SBB-Leitung konnten wir die Problematik des Kundenbegleitpersonals aufzeigen»

, so Jürg Hurni, SEV Gewerkschaftssekretär.

Die Änderung betrifft Re 460-Pendelzüge und allen von Lokomotiven gezogenen Kompositionen mit 18- und 13-poliger Türschliessung angewendet. Modernere Zugtypen verfügen über zusätzliche Sicherheitselemente in den Türschliesssystemen. Deshalb wird bei allen anderen Zügen weiterhin der Standardprozess angewendet.

«Die Sicherheit des Personal steht für den SEV an erster Stelle, auch wenn dadurch gewisse Verspätungen entstehen können»

, betonte SEV Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni.

Die Anpassung dieses Prozesses ist eine Massnahme, welche die SBB unabhängig von der noch laufenden Untersuchung des Unfalls eines Chefs Kundenbegleitung Anfang August umsetzt.

Der angepasste Abfertigungsprozess kurz erklärt
Beim angepassten Prozess beobachten die Kundenbegleiter/innen die Türschliessung von ausserhalb des Zuges und erteilen die Abfahrerlaubnis per SMS, nachdem sie selbst eingestiegen sind und die eigene Türe geschlossen ist. Dies hat den Vorteil, dass nötigenfalls eingegriffen werden kann, sollte ein Gegenstand oder eine Person beim Schliessvorgang eingeklemmt worden sein. Wenn ortsfeste Signale (oranger Kasten auf dem Perron) vorhanden sind, müssen diese für die Abfahrerlaubnis verwendet werden, da dies per SMS hier nicht möglich ist.
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