Der Durchgangsbahnhof ist für die Stadt Luzern ein Jahrhundertprojekt. Er ermöglicht bessere, häufigere und schnellere Verbindungen im Fernverkehr und den Ausbau des S-Bahn-Systems in der Region Luzern. Zudem werden oberirdisch Flächen in der Grössenordnung der Altstadt frei: eine einmalige Chance für die Stadtentwicklung. Um die Planung seitens Stadt im Rahmen des Gesamtprojekts starten zu können, beantragt der Stadtrat beim Parlament einen Sonderkredit von 3,16 Mio. Franken.

Im ersten Halbjahr 2019 haben National- und Ständerat die Wichtigkeit des Durchgangsbahnhofs Luzern bestätigt. Für die weitere Projektierung des Ausbaus bis und mit Bau- und Auflageprojekt stehen 85 Mio. Franken zur Verfügung. Damit stehen die Zeichen gut, dass der Durchgangsbahnhof 2040 in Betrieb genommen werden kann. Er wird Luzern und vor allem das Stadtzentrum grundlegend verändern. Mit dem verbesserten Bahnangebot wird die Personenfrequenz im Bahnhofumfeld deutlich steigen. Damit diese bewältigt werden kann, müssen die Umsteigemöglichkeiten auf Bus, Velo und Auto, die Zugänge zum Bahnhof und somit der Bahnhofplatz als Mobilitätsdrehscheibe völlig neu gedacht und geplant werden. Zudem werden rund sechs Hektaren Gleisflächen frei, die aus betrieblichen Gründen nicht mehr benötigt werden. Sie können neu genutzt werden – eine einmalige Chance, mitten in Luzern einen neuen Stadtteil zu entwickeln.

Um eine Vorstellung zu entwickeln, welche Nutzungen und Funktionen rund um den Bahnhof in Zukunft gewünscht und sinnvoll sind und welche Lösungen es dazu braucht, will der Stadtrat 2020 eine Testplanung starten. Interdisziplinär zusammengesetzte Teams erhalten die Aufgabe, in einem Zukunftsbild aufzuzeigen, wie der Bahnhof und seine Umgebung mit höherer Kundenfrequenz weiterhin als Mobilitätsdrehscheibe der Stadt und Region funktionieren kann und wie eine repräsentative Ankunftssituation geschaffen werden kann. Dabei gilt es auch herauszufinden, wie der Bahnhof dezentral erschlossen werden kann, damit nicht alle Zugänge und Zufahrten über den Bahnhofplatz erfolgen müssen. Ein Ziel der Testplanung ist auch, aufzuzeigen, wie die flächen- und energieeffizienten Verkehrsmittel (Fuss-, Velo-, und Busverkehr) gefördert und die Innenstadt weiter vom Autoverkehr entlastet werden kann. Und dann braucht es bei all den Entwicklungen auch Massnahmen, um die Aufenthaltsqualität aufrechtzuerhalten. Bei der Nutzung neuer Flächen ist dem Freiraum ein grosses Gewicht beizumessen.

Öffentliche Mitwirkung

Die Testplanung bezieht sich sowohl auf die Zeit nach der Eröffnung des Durchgangsbahnhofs, als auch auf die rund zehnjährige Bauphase, die von Bewohnerinnen und Bewohnern, Gästen und Reisenden Kompromisse verlangen wird. Das von den Fachleuten erarbeitete Zukunftsbild wird im Herbst 2020 in einem öffentlichen Mitwirkungsprozess diskutiert. Die Resultate werden in einem Entwicklungskonzept zusammengefasst. Dieses wird zusammen mit einem Vorschlag für das weitere Vorgehen Ende 2021 dem Grossen Stadtrat vorgelegt. Um diese Planungsphase bestreiten zu können, beantragt der Stadtrat beim Parlament einen Sonderkredit von 3,16 Mio. Franken. Darin enthalten sind neben den Kosten für die Testplanung auch 200 Stellenprozente für die Stadtverwaltung für die kommenden sieben Jahre sowie ein Beitrag von 150‘000 Franken zur Finanzierung einer mit den Projektpartnern vereinbarten Stabsstelle für das Gesamtprojekt.

Durchgangsbahnhof Luzern

Visualisierung Durchgangsbahnhof Luzern_Kanton Luzern_2019
Visualisierung wie der Durchgangsbahnhof Luzern aussehen könnte. / Quelle: Kanton Luzern

Der Durchgangsbahnhof Luzern besteht aus einem 3,5 Kilometer langen Tunnel von Ebikon bis zum Luzerner Bahnhof (Dreilindentunnel), einem Tiefbahnhof mit vier Gleisen sowie einer unterirdischen Zu- und Wegfahrt durch das Gebiet Heimbach (1,8 Kilometer langer Neustadttunnel). Das Projekt wird unter Federführung des Bundesamtes für Verkehr (BAV) vorangetrieben. Die Partner – BAV, SBB, Kantone Luzern, Obwalden und Nidwalden, Verkehrsverbund Luzern, Zentralbahn sowie Stadt Luzern – haben im Juni 2019 eine Zusammenarbeitsvereinbarung unterzeichnet.

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walter spörriJürg D. Lüthard Neuste Kommentarautoren
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walter spörri
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walter spörri

Wo ist den der See und Reuss geblieben

Jürg D. Lüthard
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Oje, soll das jetzt nun ein L21 werden? So wie S21 in Stuttgart?
Wenn es richtig läuft, gibt es keinen Ersatz der oberirdischen Gleisanlage, sondern eine Ergänzung.