Seit Eröffnung des Vereinatunnels der Rhätischen Bahn (RhB) am 19. November 1999 hat sich die Vereinalinie zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Stetig steigende Frequenzen beim Autoverlad sowie die gute Auslastung der Reisezüge unterstreichen die Beliebtheit der wintersicheren Verbindung vom Prättigau ins Engadin. Die hohe Beanspruchung des Vereinatunnels fordert jedoch auch ihren Tribut. In den nächsten Jahren müssen umfassende Investitionen getätigt werden.

Ging man bei der Planung des Vereinatunnels beim Autoverlad von einem jährlichen Transportvolumen von rund 400’000 Fahrzeugen aus, zeichnet sich für das Jahr 2019 das Erreichen von 500‘000 transportierten Fahrzeugen ab. Auch die Entwicklung bei den Reisezügen verlief sehr positiv. Die Vereinalinie hat sich vom ursprünglichen Hauptnutzen – die rasche und komfortable Erschliessung von Unterengadin, Samnaun und Münstertal – zur unverzichtbaren zweiten Verbindung ins Oberengadin gemausert. Die Anzahl Fahrgäste, welche heute über die Albula- und Vereinalinie ins Oberengadin gelangen, wäre nur über die Albulalinie kaum zu bewältigen. Und dank der Vereinalinie kann in naher Zukunft der Halbstundentakt ins Oberengadin geschaffen werden.

Auch der Güterverkehr profitiert

Für die Bündner Güterbahn bot die Eröffnung der Vereinalinie die Möglichkeit, das Unter- und Oberengadin durchgehend mit den gleichen Frühzügen zu bedienen. Gleichzeitig erfolgte der Wechsel zum kombinierten Verkehr. Mit dem Transport von Containern und Wechselbehältern konnte der Marktanteil bei der Versorgung der Südtäler mit Lebensmitteln und der Post massiv erhöht werden. Die über Jahre positive Entwicklung setzt sich auch dieses Jahr fort, so dass ab Dezember 2019 ein weiterer Frühzug via Vereina ins Engadin verkehrt.

Kontinuierliche Investitionen in Sicherheit und Kundenfreundlichkeit

Seit Inbetriebnahme werden am Vereina Verbesserungen umgesetzt und Investitionen getätigt. In Klosters Selfranga und in Sagliains sorgen Optimierungen der Stauräume für eine bessere Bewältigung von Rückstausituationen auf die Kantonsstrasse an Spitzentagen. 2017 investierte die RhB in ein neues Kundeninformationssystem, welches den Kunden in Echtzeit im Wartebereich und auch auf www.rhb.ch/vereina Auskunft über die aktuellen Verlade- und Wartezeiten gibt. Zur Erhöhung der Sicherheit wurden ebenfalls 2017 an beiden Seiten des Tunnels Thermoportale installiert. Dort werden sämtliche zu verladenden

Fahrzeuge mit einer Wärmekamera gescannt. Damit soll verhindert werden, dass Fahrzeuge mit grosser Wärmestrahlung respektive Überhitzung in den Tunnel gelangen. Eine wichtige Verbesserung konnte bezüglich mobilen Empfang erreicht werden: Neue Anlagen ermöglichen einen hochwertigen 4G- und DAB+-Empfang im Tunnel.

Ein Blick in die Zukunft – grosse Investitionen stehen an

Der Erfolg der Vereinalinie hat auch Schattenseiten: Infrastruktur und Rollmaterial haben durch die hohe Beanspruchung gelitten. Zum einen sind es die ursprünglich nicht geplanten schweren Lastwagen, welche dem Rollmaterial zusetzen, zum anderen gelangt mit dem Schnee auch Salz in den Tunnel, was die Infrastrukturen übermässig strapaziert. Rollmaterial und Gleisanlagen müssen deshalb sukzessive erneuert oder ersetzt werden. Entsprechende Projekte sind in Planung und werden im 2020 umgesetzt. Im Rahmen des Angebotskonzeptes Retica 30 verkehren ab Dezember 2022 zweimal stündlich je Richtung die neuen Capricorn-Triebzüge durch den Vereinatunnel. Mit den bis zu drei Autozügen pro Stunde und Richtung führt dies zu grossen Anforderungen hinsichtlich eines stabilen Betriebes, zumal der Tunnel grösstenteils einspurig ist. Zur Gewährleistung dieser Stabilität sind verschiedene Massnahmen nötig, wie die Beschaffung von einer zusätzlichen Lok, neuen Auffahrwagen für Lastwagen und die Verlängerung der Verladerampe in Sagliains. Damit kann künftig auf das betrieblich sehr anspruchsvolle und zeitraubende Vorziehen des ganzen Zuges für das Verladen der Lastwagen verzichtet werden. Dies führt zu einem markanten Stabilitätsgewinn. Damit die Zugkraft der Züge im Tunnel und damit die Fahrplanstabilität weiter verbessert werden kann, werden die Autozüge künftig von jeweils zwei Loks gefahren. Schliesslich können mit der Verschiebung des Umsteigebahnhofs Sagliains in Richtung Lavin der Personenverkehr und der Autoverlad besser getrennt und das Verladen der Fahrzeuge weiter optimiert werden. Ein wichtiges Thema bleibt die Sicherheit im Tunnel. Um im Störungs- oder gar Krisenfall besser reagieren zu können, wird die RhB neue Rettungs- und Löschzüge beschaffen. Ziel ist es, mit den neuen Fahrzeugen rascher und effizienter zum Ereignisort zu gelangen und die Feuerwehren mit optimalen Hilfsmitteln auszurüsten. Die Beschaffung ist auf Ende 2021 vorgesehen und erfolgt in enger Abstimmung mit den beiden Feuerwehrstützpunkten. Daneben werden weitere Einzelmassnahmen für die Verbesserung der Tunnelsicherheit geprüft. Insgesamt wird die RhB in den nächsten Jahren grosse Investitionen in Rollmaterial und Infrastruktur tätigen. Damit wird sichergestellt, dass der Vereinatunnel auch künftig seine Aufgabe erfüllt und eine sichere und komfortable Durchfahrt gewährleistet werden kann.

Anpassung Tarifstruktur: Autoverlad Vereina wird an Spitzentagen günstiger
Die Digitalisierung eröffnet auch beim Autoverlad neue Möglichkeiten. So werden ab 28. November 2019 schrittweise neue digitale Vertriebskanäle eingeführt. Ab diesem Zeitpunkt können die Wiederverkäufer wie Hotels, Tourismusorganisationen und Gemeinden ihre Tickets direkt aus dem Online-Shop verkaufen. Bis im Sommer 2020 erhalten auch die Kunden von Vereina-Wertkarten sowie die Einzelkunden einen Online-Shop. Mit diesem Digitalisierungsschritt hat die RhB die Tarifstruktur eingehend überprüft und entschieden, diese zu harmonisieren. So wird ab 28. November 2019 der Peak-Tarif an Wochenenden und allgemeinen Feiertagen abgeschafft. Zudem werden die Fahrzeugkategorien reduziert.

Seit 1999 wintersicher vom Prättigau ins Engadin – 20 Jahre Vereinalinie – eine Erfolgsgeschichte
Mit der Eröffnung des Vereinatunnels der Rhätischen Bahn (RhB) am 19. November 1999 erhielt Graubünden vor 20 Jahren eine kurze und wintersichere Verbindung vom Prättigau ins Unterengadin. Seither hat sich die Vereinalinie zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Stetig steigende Frequenzen beim Autoverlad sowie die guten Auslastungen in den Reisezügen unterstreichen die grosse Beliebtheit dieser Verbindung bei Feriengästen und Einheimischen.

Bei der Planung des Vereinatunnels ging man von einem jährlichen Transportvolumen von rund 400’000 Fahrzeugen aus. Bereits 2006 wurde diese Grenze überschritten. Seither werden pro Jahr durchschnittlich 475‘000 Fahrzeuge transportiert. Für 2019 zeichnet sich gar das Erreichen von 500‘000 transportierten Fahrzeugen ab. Auch die Entwicklung bei den Reisezügen verlief sehr positiv. Beim Bau der Vereinalinie sah man den Hauptnutzen in der raschen und komfortablen Erschliessung des Unterengadins, Samnauns und Münstertals. Heute ist, nebst diesen Effekten, die Vereinalinie die nicht mehr wegzudenkende zweite Verbindung ins Oberengadin. Die Anzahl Fahrgäste, welche heute über die Albula- und Vereinalinie ins Oberengadin gelangen, wäre nur über die Albulalinie kaum zu bewältigen. Und dank des Vereinatunnels kann in naher Zukunft der Halbstundentakt ins Oberengadin geschaffen werden.

Vereinatunnel läutete Modernisierung des Güterverkehrs ein

Für die Bündner Güterbahn bot die Eröffnung der Vereinalinie die Möglichkeit, das Unter- und Oberengadin durchgehend mit den gleichen Frühzügen zu bedienen. Gleichzeitig erfolgte der Wechsel zum kombinierten Verkehr. Mit dem wintersicheren und umweltschonenden Transport mittels Container und Wechselbehälter konnte der Marktanteil des Güterverkehrs an der Versorgung der Südtäler mit Lebensmitteln und der Post stetig erhöht werden.

Der lange Weg zum Projekt

Der Wunsch nach einer ganzjährigen Verkehrsverbindung zwischen Nordbünden und dem Unterengadin stand schon länger ganz oben auf der Wunschliste Graubündens. Der Flüelapass zwischen Davos und Susch als kürzeste Verbindung war bis 1971 im Winter jeweils gesperrt. Der Versuch, die Passstrasse im Winter offen zu halten, bedingte grossen Aufwand und sorgte für viel Gesprächsstoff. Als Alternative zur Offenhaltung des Passes kam der Ausbau des RhB-Netzes zur Sprache. Studien wurden in Auftrag gegeben, und 1981 unterbreitete die Kantonsregierung dem Bundesrat zwei Varianten. 1985 stimmte die Bündner Bevölkerung dem Projekt zu und 1986 wurde die Vereinalinie auf eidgenössischer Ebene abgesegnet. 1991 erfolgte der Spatenstich zur neuen Bahnlinie.

Die speditive Umsetzung des Projekts

Die erste Netzerweiterung der RhB seit 85 Jahren – 1914 wurde die Chur-Arosa-Linie als bislang jüngste Bahnlinie in Graubünden eröffnet – konnte nach 8 ½ Jahren Bauzeit am 19. November 1999 mit einem grossen Fest eröffnet und am 22. November in Betrieb genommen werden. Ein gutes Jahr früher als geplant. Sowohl die RhB als auch die Region Unterengadin/Val Müstair und Samnaun durften damit ein grosses Geschenk entgegen-nehmen. Ein Geschenk, welches von Bund sowie Kanton finanziert wurde. Die Bahnlinie mit Autoverlad rückte die abgelegene Region dem «Unterland» schlagartig näher: Ein Tagesausflug zum Besuch des Nationalparks oder zum Badeplausch nach Scuol wurde Realität.

Kommentare

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: