Der Betrieb der sechs Fernbusse von Eurobus Swiss-Express wird per 15. November 2019 sistiert. Das Projekt «Schweizer Fernbus» verfolgt das grösste private Personentransportunternehmen der Schweiz aber weiter.

Rund 1,5 Jahre nach dem operativen Betriebsstart hat der Schweizer Fernbus-Pionier Eurobus Swiss-Express beim Bundesamt für Verkehr (BAV) die Aufhebung der Konzession für den Betrieb der ersten drei innerschweizerischen Fernbuslinien beantragt. Die Kundenurteile waren zwar positiv und die Passagierzahlen stiegen, die Nachfrage blieb aber deutlich unter den Erwartungen. Am Montag, 29. Oktober hat das BAV der Aufhebung der Konzession und der geordneten Betriebseinstellung per 15. November 2019 zugestimmt.

Eurobus Swiss-Express wollte mit der Initiative «Schweizer Fernbus» einen Beitrag zur Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz leisten. Stets im Wissen, dass es als Pionier schwer sein wird, die entstehenden Nachfrageströme vorauszusagen.

«Damit der Fernbus in der Schweiz seine Rolle als sinnvolle Ergänzung des öffentlichen Verkehrs finden kann, ist eine Gesetzgebung und Auslegungspraxis erforderlich, welche berücksichtigt, dass der Bus schnell und flexibel auf die effektive Nachfrage reagieren kann. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen und somit die angewandte Praxis für Anpassungen der Bewilligung entsprechen zurzeit nicht dieser Voraussetzung»

, sagt Roger Müri, Geschäftsführer bei Eurobus Swiss-Express.

So sieht sich das Unternehmen beispielsweise bis heute gezwungen, Teilstrecken oder Fahrpläne beizubehalten, für welche praktisch keine Nachfrage besteht. Eine im Juli 2019 eingereichte Anpassung des Fahrplanes an die Kundenbedürfnisse auf den bestehenden Strecken konnte bis dato nicht umgesetzt werden. Auch wurde über gewünschte Angebotserweiterungen, wie die im öffentlichen Verkehr als Ergänzung zur Bahn erstmals geplanten Nacht- und Frühanbindungen an die Flughäfen, bis heute noch nicht entschieden.

«Es ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll, auf Teilstrecken mit sehr wenigen Fahrgästen, unnötig Ressourcen zu verbrauchen. Wir können dies gerade in der heutigen Zeit nicht weiter verantworten»

, begründet Roger Müri die schwierige Entscheidung.

Gleichzeitig fehle gemäss Roger Müri heute eine Praxis im Umgang mit neuen Konzessionsgesuchen im öffentlichen Fernverkehr. So schreibe das Gesetz zwar vor, dass dem bestehenden Konzessionär ein Schutz zustehe, wie dieser Schutz im Fall von Eurobus Swiss-Express aber ausgelegt werden soll, sei unklar.

«Diese Rechtsunsicherheit geht zulasten des Erstanbieters, der viel Geld und Zeit in die Aufbauarbeit investiert»

, so Müri weiter.

Vor diesem Hintergrund könne man keine weitere Aufbauarbeit betreiben.

Innerhalb der Eurobus-Gruppe, dem grössten privaten Personentransportunternehmen der Schweiz, ist der Glaube an den «Schweizer Fernbus» aber weiterhin existent.

«Wir sind bei geklärten Rahmenbedingungen gerne bereit, ein neuerliches Engagement in Betracht zu ziehen, da wir von der potenziell ergänzenden Wirkung des Fernbusses in der Schweiz überzeugt sind»

, so Roger Müri.

Vorerst gelte es aber für alle betroffenen Mitarbeitenden eine gute Lösung zu finden.

«Die Eurobus-Gruppe betreibt 300 Busse und gut ausgebildete Chauffeure sind auf dem Markt sehr gefragt. Daher sind wir zuversichtlich, dass sich für die Mitarbeitenden inner- oder ausserhalb der Unternehmensgruppe eine Lösung finden lässt»

, sagt Roger Müri.

Stellungnahme SEV: Das BAV darf keine neuen Konzessionen für Fernverkehrsbusse mehr vergeben
Eurobus-Swiss Express hat angekündigt, auf ihre Konzession für Fernverkehrsbusse zu verzichten. Das zeigt, dass das Bedürfnis dafür in der Schweiz nicht gegeben ist.

«Obwohl die Arbeits- und Lohnbedingungen weit ungenügend sind, ist das Geschäft nicht lebensfähig. Das Bundesamt für Verkehr darf keine neue Konzession für inländischen Busfernverkehr mehr vergeben»

, fordert Christian Fankhauser, Vizepräsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV.

Der SEV hatte es schon vor dem Start von Eurobus-Swiss Express auf dem Schweizer Markt betont: Es gab keine aussagekräftigen Studien, die den Bedarf nach einem Fernverkehrs-Busnetz in der Schweiz auswiesen.

«Das war reine Ideologie, und heute bestätigen es die Tatsachen. Bevor Eurobus-Swiss Express ganz auf die Konzession verzichtet hat, wollte sie diese reduzieren lassen»

, gibt Christian Fankhauser zu bedenken.

«Diese absurde Konkurrenz zur Bahn ist ein Unsinn, zumal der Bund Milliarden in die Eisenbahn investiert.»

Der SEV fordert deshalb vom BAV, dass es auf jegliche neuen Konzessionen für den Busfernverkehr im Inland verzichtet.

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