Die Einführung des neuen, doppelstöckigen Fernverkehrszuges «FV-Dosto» auf dem Streckennetz der SBB macht deutliche und messbare Fortschritte. Wie die Herstellerin Bombardier Transportation an ihrem Schweizer Hauptsitz in Zürich darlegte, konnte die Zuverlässigkeit der den SBB zur Verfügung stehenden 25 Züge in den letzten Wochen um den Faktor 7 gesteigert und der Fahrkomfort dank einer neu installierten Software substanziell verbessert werden. Dies und das hoch energieeffiziente Antriebskonzept des Zuges führten auf den mit dem FV-Dosto betriebenen Strecken auch zu einer deutlichen Verbesserung der Pünktlichkeit. Mit Hilfe einer von Bombardier entwickelten und angepassten Software ist es auch gelungen, die namentlich in den Oberdecks der Züge früher spürbaren Schwingungen um bis zu 75 Prozent zu reduzieren und dadurch den Fahrkomfort substanziell zu erhöhen.

Wie der Schweizer Geschäftsführer von Bombardier Transportation, Stéphane Wettstein, ausführte, konnte die technische Zuverlässigkeit der eingesetzten FV-Dosto-Züge im Oktober 2019 erneut markant auf 6’914 km störungsfreien Betrieb gesteigert werden. Dies entspricht einer Verbesserung um Faktor 7 über die letzten 10 Monate. Rund 34 Prozent der Störungen im Betrieb werden durch operative und von Passagieren ausgelöste Vorfälle verursacht und beeinflussen die Gesamtzuverlässigkeit des Betriebes entsprechend. Wettstein begründete die Steigerung der technischen Zuverlässigkeit der Züge mit der Wirksamkeit der vereinbarten Aktionen und der zunehmenden Kilometerleistung der eingesetzten Dosto-Flotte, die inzwischen eine Fahrleistung von gesamthaft rund 2.27 Millionen Kilometer erbracht haben. Er ist deshalb zuversichtlich, dass sich die technische wie die operative Zuverlässigkeit weiterhin kontinuierlich verbessern wird. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 konnten rund 75% der technischen Störungsursachen eliminiert werden.

Zuverlässigkeit und Antriebskonzept haben positive Einfluss auf die Pünktlichkeit

Die grössere Zuverlässigkeit bzw. zunehmende störungsfreie Verfügbarkeit der Züge wirkt sich auch positiv auf die Pünktlichkeit auf den von den FV-Dosto betriebenen IR- und IC-Verbindungen aus. Sie ist gemäss den Erhebungen der Statistik-Website pünktlichkeit.ch in der Ostschweiz besser als in anderen Landesteilen. Zurückzuführen ist dies nicht nur auf die höhere Zuverlässigkeit der FV-Dosto-Züge, sondern auch auf deren Antriebskonzept: der FV-Dosto wird im Gegensatz zu herkömmlichen Zügen nicht von einer Lokomotive gezogen bzw. gestossen, sondern durch hoch energieeffiziente und Permanentmagnet-Motoren an den Achsen der einzelnen Wagen angetrieben. Dadurch kann der Fernverkehrszug wesentlich schneller beschleunigen, was sich positiv auf die Fahrplantreue auswirkt.

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Die Zuverlässigkeit des FV-Dosto steigt deutlich an. Die durchschnittlichen Distanzen zwischen Ereignissen (MDBI) und Fehlern (MDBF) konnten in den vergangenen Monaten deutlich erhöht werden. Zuverlässigkeit und Antriebskonzept haben positive Einfluss auf die Pünktlichkeit. / Quelle: Bombardier

Substanzielle Verbesserung des Fahrkomforts

Grosse Fortschritte wurden in den letzten Wochen auch in Bezug auf den Fahrkomfort erzielt. Mit einer im September 2019 aufgespielten neuen Software ist es gelungen, die früher vor allem im Oberdeck spürbaren Schwingungen so weit zu eliminieren, dass diese heute teilweise geringer sind als in den herkömmlichen Doppelstockzügen. Stéphane Wettstein wies allerdings darauf hin, dass mit den mechatronischen Drehgestellen von Bombardier zwar der Fahrkomfort verbessert werden konnte, nicht aber die Infrastruktur der Bahn, welche ebenfalls Einfluss auf das Komfortgefühl der Passagiere hat.

Das technologisch komplexe System zur Eliminierung von Schwingungen beruht darauf, den Wagenkasten in jeder Fahrsituation so zu stabilisieren, damit der Fahrgast von den Fliehkräften in Kurven aber auch von Richtungsänderungen beim Befahren von Weichen weniger als in herkömmlichen Doppelstockzügen oder in Neigezügen spürt. Während sich der ICN Neigezug, der ebenfalls von Bombardier als Konsortialführer gebaut wurde, in Kurven bis zu 7° nach innen neigt, bleibt der FV Dosto senkrecht zur Gleisebene. Dieses System gehört zusammen mit dem Antriebssystem und den druckdichten Wagenkasten, die vor allem bei Tunnelfahrten den unangenehmen Druck auf die Ohren verhindert, zu den grossen Innovationen des zurzeit weltweit modernsten Fernverkehrszuges.

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Substanzielle Verbesserung des Fahrkomforts: Neue Software reduziert Querbeschleunigungen und Schwingen deutlich. / Quelle: Bombardier

«Der FV Dosto ist technologisch, in Bezug auf seine Energieeffizienz und den vielfältigen Komfort, den er seinen Passagieren bietet, auch im weltweiten Massstab ein Spitzenprodukt der Industrie, …»

Stéphane Wettstein, Schweizer Geschäftsführer von Bombardier Transportation

Die SBB verfügt bereits über 25 neue Züge

«Der FV Dosto ist technologisch, in Bezug auf seine Energieeffizienz und den vielfältigen Komfort, den er seinen Passagieren bietet, auch im weltweiten Massstab ein Spitzenprodukt der Industrie, auf das die Schweiz stolz sein kann, zumal wichtige Systeme wie die Traktion oder die Drehgestelle in der Schweiz entwickelt wurden und weitgehend in der Schweiz gebaut wird»

, sagt der Schweizer Geschäftsführer von Bombardier Transportation Stéphane Wettstein.

Insgesamt hat Bombardier inzwischen 25 der FV Dosto-Züge übergeben, was der Planung der SBB für den Fahrplanwechsel 2019 entspricht. Bis im Sommer 2021 wird die ganze Flotte von (62) Zügen ausgeliefert sein. Das grosse öffentliche Interesse am FV Dosto hat Bombardier auch veranlasst, die Kommunikation zu diesem High Tech-Zug zu intensivieren. Das Unternehmen hat unter swissdosto.ch eine Website aufgeschaltet, welche laufend aktualisierte Informationen zur Einführung und zum Betrieb des Zuges auf dem schweizerischen Schienennetz bietet.

Beträchtliche Wertschöpfung von Bombardier in der Schweiz

Bombardier Transportation gehört weltweit zu den grössten Herstellern von öffentlichen Verkehrsmitteln, dabei handelt es sich hauptsächlich um Schienenfahrzeuge. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Montreal, Kanada, beschäftigt global rund 40’000 Mitarbeitende. Weltweit sind über 100’000 Fahrzeuge von Bombardier im Einsatz, die täglich rund 500 Mio. Passagiere transportieren. In der Schweiz gehen die Wurzeln von Bombardier rund 120 Jahre zurück, viele der berühmten Schweizer Bahnproduzenten von Secheron und MFO über BBC, ABB und Schindler Waggonbau, bis zu SLM wurden im Verlaufe der Jahrzehnte unter Bombardier vereint. Heute arbeiten rund 870 Mitarbeitende in der Schweiz für Bombardier, davon 340 am Hauptsitz und im globalen Entwicklungszentrum in Zürich und 530 im Werk in Villeneuve (VD). An der Entwicklung und in der Produktion des FV Dosto sind aber auch zahlreiche Schweizer Zulieferer beteiligt, deren Auftragsvolumen rund 50 % am gesamten externen Investitionsvolumen von CHF 600 Mio. Für die bestellten (62) Züge ausmacht. Bombardier ist schliesslich nicht nur Lieferant der FV Dosto für die SBB, sondern auch für Lokomotiven, technische Dienstleistungen sowie das Flexity Tram, wie es bereits in Genf und Basel erfolgreich im Einsatz steht und von dem am 15. November 2019 das erste Fahrzeug auch den Zürcher Verkehrsbetrieben übergeben wird.

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