Seit Montag, 23. März 2020, ist das Schweizerische öV-Angebot stark eingeschränkt worden. Dieser Schritt erfolgte in Zusammenarbeit mit der gesamten öV-Branche und dem Bundesamt für Verkehr.

Das BAG empfiehlt unter anderem für die Nutzung des öffentlichen Verkehrs:

  • unnötige Fahrten meiden, insbesondere zu Stosszeiten und für Personen ab 65 Jahren
  • auf Tourismus- und Freizeitverkehr verzichten
  • für den Arbeitsweg wo immer möglich den Langsamverkehr (zu Fuss, Fahrrad, E-Bike) nutzen
  • bei Symptomen einer Atemwegserkrankung (z.B. trockener Husten und/oder Fieber) zu Hause bleiben und in keinem Fall den öV nutzen

Grundsätzlich wird überall empfohlen, zu Hause zu bleiben. Sogar Andreas Meyer, CEO SBB, hat die Bevölkerung aufgefordert, möglichst den öV zu meiden. Erfreulicherweise kommt diesem Aufruf inzwischen die Bevölkerung mehrheitlich nach. Das Problem ist aber, dass GA-Besitzer und Abonnementinhaber weiterhin für den öV täglich bezahlen müssen, obwohl sie ihn nicht nutzen wollen bzw. können. Gerade dann ist es besonders stossend, dass man das GA nur für max. 30 Tage hinterlegen kann bzw. das gelöste Abo für den nicht gebrauchten Teil nicht zurückgeben kann.

Die Reaktion der öV-Branche auf Kundenanfragen (Mailauszug Kundendienst SBB):

«Wir verstehen Ihr Bedürfnis nach einer Erstattung Ihres Abos – momentan kann ein Grossteil unserer Kundinnen und Kunden ihr Abonnement nicht oder nur teilweise nutzen. Dennoch können wir Ihnen in dieser Situation nicht entgegenkommen.

Warum? Wir halten uns an die tarifarischen Bedingungen vom Verband öffentlicher Verkehr (VöV). Sobald dieser eine neue Bestimmung erlässt, werden wir diese umsetzen. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir im Sinne einer Gleichbehandlung diesbezüglich keine Ausnahmen machen können.»

Die Abklärungen von Pro Bahn Schweiz bei den Verantwortlichen für diese Tariffragen haben folgendes ergeben (Mailausschnitt Alliance Swiss Pass):

«Zusätzlich prüft die öV-Branche eine geeignete Massnahme zugunsten der Abonnentinnen und Abonnenten im Sinne eines Zeichens der Wertschätzung an unsere Stammkundschaft. Dabei streben wir eine nationale, einheitliche Lösung für Inhaberinnen und Inhaber von Jahresabonnementen an. Die Lösung muss technisch umsetzbar und finanzierbar sein und von allen Partnern und Institutionen mitgetragen werden. Es gibt ein breites Spektrum möglicher Massnahmen. Die öV-Branche arbeitet intensiv an Lösungsvorschlägen und möchte diese zeitnah definieren. Ein Zeithorizont kann nicht genannt werden.»

Erfahrungsgemäss dauern solche Prozesse im öV sehr lange. Es kann nicht sein, dass die Kundinnen und Kunden die Einnahmenausfälle der Transportunternehmungen mit bereits gekauften Abos finanzieren. Der Bund hat erklärt, dass er für Umsatzausfälle bzw. Zahlungsschwierigkeiten die Unternehmungen stützt. Warum sollte das nicht auch für die öV-Branche gelten?

Die Forderungen von Pro Bahn Schweiz sind, die Hinterlegungsfrist (ab 17. März 2020 -> auch rückwirkend für die Leute, die sich schon gemeldet haben) zu lockern und vorerst einmal auf max. 60 Tage zu erweitern. Je nach Dauer der Situation muss dann allenfalls nochmals nachkorrigiert werden. Auch muss es möglich sein, nicht mehr genutzte Abos während dieser Zeit zurückgeben zu können.

Es gilt zu beachten, dass alle, die den öV aktuell nicht benutzen, einen wertvollen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.

Pro Bahn erwartet in den nächsten Tagen eine Lösung. Die Zeit drängt. Überall wird unkompliziert und pragmatisch gehandelt (sogar beim Fahrplanumbau), nicht aber bei den Tarifen, die die Kundinnen und Kunden treffen.

Stellungnahme Alliance Swiss Pass: Erstattung von Jahresabonnementen im öffentlichen Verkehr
Die öV-Branche möchte den Inhaberinnen und Inhabern eines General-, Verbund-, Strecken- und Moduljahresabonnements, welche aufgrund der «Aussergewöhnlichen Lage» den öffentlichen Verkehr nicht benutzen können, eine adäquate Entschädigung zukommen lassen. Sie arbeitet mit Hochdruck an einer schweizweit möglichst einheitlichen Lösung, die von allen öV-Unternehmen sowie vor allem auch den für den öV zuständigen Behörden getragen wird. Die diesbezüglichen Abstimmungen laufen.

Die Umsetzung soll für die Kunden einfach so wie möglich sein; die Jahresabos müssen nicht erstattet werden, damit ein Anspruch geltend gemacht werden kann. Das Halbtax als Ermässigungskarte wird nicht entschädigt, da es meist nach kurzer Zeit und wenigen Fahrten amortisiert ist. Die Branche ist überzeugt, dass für alle Jahresabonnentinnen und -abonnenten eine gute und den Umständen entsprechend gerechte Lösung gefunden wird und diese so rasch als möglich kommuniziert werden kann.

Stellungnahme IGöV: GA 3 Monate hinterlegen
Den Empfehlungen zur Corona-Pandemie folgend verzichten zahlreiche Kundinnen und Kunden auf Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Sie tun dies nicht aus freien Stücken, sondern aus Verantwortungsbewusstsein oder weil die Fahrt durch die Erlasse des Bundes obsolet geworden ist.

Angesichts der nicht absehbaren Dauer der Einschränkung ist damit zu rechnen, dass die Fahrten länger als die übliche Hinterlegungsdauer der Abonnemente nicht ausgeführt werden können. Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr unterstützt deshalb die Kulanzforderung vieler Abonnementsbesitzenden. Sie bittet die Verantwortlichen, angesichts der ausserordentlichen Situation die Hinterlegungsdauer vorläufig auf drei Monate zu verlängern. Damit wird nicht zuletzt auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die treusten Kundinnen und Kunden ihre Abonnemente nahtlos erneuern.

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Hans Peter LehnerPaul Schmid Neuste Kommentarautoren
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Paul Schmid
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Paul Schmid

#wie weiter mein persönlicher kommentar ; wie ist es jetzt auch bei gesunden menschen die ihre krankenkasse nicht brauchen und belasten, wird da auch etwas zurück erstattet ? oder, wenn mein auto wochenweise ungebraucht in der garage stehen bleibt, gibts da auch geld vom strassenverkehrsamt oder der versicherungsgesellschaft zurück ? es ist halt mal so im leben geregelt und verlierer gibt es überall. ich denke, in so einer notsituation sollte man nicht sooo knauserig sein. übrigens ; im todesfall können sie ihr geld vom ga mit einer todesanzeige zurückfordern, resp. die erben. bitte seit nicht sooo knauserig, mitnehmen könnt ihr… Mehr lesen »

Hans Peter Lehner
Gast
Hans Peter Lehner

Lieber Paul Schmid
Ich habe mit Ihrer Ansicht schon etwas Mühe. 1. stimmt nicht alles was Sie da Schreiben, denn wenn Sie Ihr Auto über Monate nicht brauchen, können Sie das Nummernschild beim Strassenverkehrsamt deponieren und Sie erhalten das Geld anteilig zurück. 2. Ich hoffe einfach, dass Sie nicht auch einmal zu den Verlierern gehören. 3. Ich finde es einfach geschmacklos in der jetzigen Zeit derartige Sachen mit Todesfall, Erben, usw. zu schreiben. 4. Ich hoffe, dass sich der Bundesrat auch mit dieser Geschichte beschäftigt, wenn es die Sesselfurzer beim öffentlichen Verkehr nicht selber schaffen,
PS: Ich bin „nur“ Halbtaxbesitzer