Auf der Rheintalstrecke, zwischen Basel und Freiburg im Breisgau, kam es am 2. April 2020, gegen 19:30 Uhr, zu einem Bahnbetriebsunfall. Ersten Erkenntnissen zu Folge stürzte im baden-württembergischen Auggen ein Betonteil der alten und im Abbruch befindlichen Strassenüberführung «Fischerpfad» in den Gleisbereich. Ein Zug der Rollenden Landstrasse (Ralpin) kollidierte in der Folge mit dem abgestürzten Brückenteil, die Zugkomposition entgleiste dabei teilweise. Durch den Aufprall verstarb der 51-jährige Lokführer noch an der Unfallstelle, er war bei MEV Deutschland angestellt.

Der Ralpin-Zug 43635 (Freiburg Gbf – Novara) wurde mit der BLS Cargo Re 485 004 geführt, welche beim Unfall wohl total zerstört wurde. Auf dem deutschen und italienischen Streckenabschnitt ist als Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) SBB Cargo International für den Zug verantwortlich, welches den Angehörigen des verstorbenen Lokführers sein Beileid ausspricht. Im Auftrag von Ralpin – der Rollenden Autobahn – fahren BLS Cargo und SBB Cargo International die Züge der Rollenden Landstrasse gemeinschaftlich, wobei die BLS Cargo betrieblich nur für den schweizerischen Streckenabschnitt zuständig ist.

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Die BLS Cargo Re 485 004 kollidierte am 2. April 2020 bei Auggen (DE) mit einem Betonelement auf den Gleisen. / Quelle: SBB CFF FFS

Im beim Unfall schwer beschädigten Begleitwagen von Ralpin hinter der Lok befanden sich insgesamt zehn Lkw-Fahrer. Einer der zehn Lkw-Fahrer war zunächst eingeklemmt und musste geborgen werden, zwei weitere zogen sich leichte Verletzungen zu, sieben weitere Lkw-Fahrer blieben unverletzt.

MEV, SBB Cargo, Ralpin und Gewerkschaften sind tief betroffen

MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft:

«Es sind fordernde Tage, in denen sich die ganze Welt momentan bewegt. Vor 24 Stunden kam für unseren Freund und Kollegen Andreas jede Hilfe zu spät. Wir verlieren mit dir viel mehr als nur einen Mitarbeiter. In deinen sechs Jahren bei uns bist du stets mit all den rasanten Entwicklungen, die unsere Branche bereithält ohne Probleme hervorragend zurechtgekommen. Auch gestern warst du auf deiner Fahrt fehlerfrei unterwegs. Umso schrecklicher sind die Bilder, die auch heute schon in den Medien kursierten. Es ist für uns unfassbar, was mit dir geschehen ist und unsere Trauer über deinen Verlust nicht in Worte zu fassen. Wir sind in Gedanken bei dir und denen, die du hinterlässt. Wir wünschen dir für deine letzte Fahrt alles Gute. Danke Andreas!»

Sven Flore, CEO von SBB Cargo International, ist tief betroffen:

«Ich bin bestürzt und bedaure dieses tragische Zugunglück zutiefst. In Gedanken sind wir beim verunglückten Lokführer und seinen Angehörigen – mein aufrichtiges Beileid. Den Verletzten wünschen wir rasch gute Besserung.»

SBB Cargo International unterstützt die deutschen Behörden bei der Ermittlung der Unfallursache.

BLS Cargo:

«Wir sind tief betroffen über diesen schweren und tragischen Unfall und sprechen allen Beteiligten unser Mitgefühl aus. Wir sind mit SBB Cargo International und der Betreiberin der Rollenden Autobahn Ralpin AG in engem Austausch und stehen ihnen in dieser schwierigen Situation bei.»

Ralpin:

«Wir sind tief erschüttert von diesem Unfall und stehen in direktem Kontakt mit den zuständigen
Behörden, in diesem Fall der Deutschen Bundespolizei. Der Familie des Lokführers sprechen wir
unser tiefstes Mitleid aus und wünschen viel Kraft. Den Verletzten wünschen wir eine schnelle und
vollständige Genesung.»

VSLF:

«Der Verband Schweizer Lokomotivführer und Anwärter VSLF und auch die Kollegen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer GDL möchten den Angehörigen des auf diese tragische Art verstorbenen Berufskollegen ihr tief empfundenes Beileid aussprechen und wünschen viel Kraft.»

Ermittlungen zur Unfallursache laufen

Wie die bisherigen polizeilichen Abklärungen ergaben, hatte sich ein weit über 100 Tonnen schweres Brückenteil gelöst und stürzte auf die Gleise, wo es zur Kollision mit dem betreffenden Zug kam. Die Betonplatte hatte sich von der alten Strassenüberführung «Fischerpfad» gelöst, die in den kommenden Tagen hätte zurück gebaut werden sollen.

Verantwortliche des Eisenbahnbundesamtes sowie Kriminaltechniker der Kriminalpolizei Freiburg befanden sich vor Ort. Die Ermittlungen zur konkreten Unfallursache dauern an.

Strecke nach Unfall kurzfristig repariert

Am Mittwochabend, 8. April 2020, um 20 Uhr, ging die Strecke zwischen Freiburg (Breisgau) und Basel Bad Bf nach Abschluss umfangreicher Aufräum- und Sanierungsarbeiten wieder in Betrieb.

DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla:

«Mein Dank gilt allen Helfern, die für die schnellen Aufräumarbeiten gesorgt haben. Hier haben alle Beteiligte mit vereinten Kräften angepackt. Gerade in den Zeiten der Corona-Krise ist es immens wichtig, dass die Züge schnell wieder rollen. Dies gilt insbesondere für den grenzüberschreitenden Güterverkehr.»

Die Deutsche Bahn (DB) erneuerte auf rund 250 Metern die beschädigten Gleise, tauschte 1’500 Tonnen Schotter und 680 Schwellen aus. Zudem reparierte sie die Fahrleitungen sowie die Leit- und Sicherungstechnik auf 500 Meter Länge. Rund um die Uhr kümmerten sich insgesamt 380 Einsatzkräfte und Baufachleute um die Beseitigung des Schadens und die Wiederherstellung der Infrastruktur.

Die ersten Güterzüge fahren bereits seit Mittwochabend über die Strecke, der Regional- und Fernverkehr startet mit Betriebsbeginn am Donnerstag, 9. April 2020.

Zuvor war der Verkehr auf dem betroffenen Streckenabschnitt eingestellt. Reisezüge wurden vorzeitig gewendet und Ersatzbusse eingesetzt, Güterzüge wurden umgeleitet. SBB Cargo International und andere Güterbahnen leiteten so viele Güterzüge wie möglich via Singen – Schaffhausen um. Die Landesversorgung über den Schienengüterverkehr war sichergestellt.

Spendenkonto

Um den Hinterbliebenen auch eine finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen hat das Unternehmen MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft mbH ein Spendenkonto eingerichtet. Wer sich beteiligen möchte, kann dies gerne hier tun:

Kontoinhaber MEV bei der Commerzbank DE66290400900102106201
Kennwort: Unfall Auggen Familie Tf

 

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Tfz geborgen – zugespielt

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Umleiter-Güterzüge auf der Gäubahn:

Wegen dem schweren Zugunglück im baden-württembergischen Auggen vom Donnerstagabend ist die Rheintalstrecke bis auf…

Gepostet von info24 – ÖV Schweiz – Europa am Samstag, 4. April 2020

Ein von der BLS Cargo Re 485 003 geführter Rheintalumleiter auf der Gäubahn am 03. April 2020 in Oberndorf am…

Gepostet von info24 – ÖV Schweiz – Europa am Samstag, 4. April 2020


Wohl eines der letzten Fotos, des kurz darauf verunglückten Zuges:


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Andres Häsler

Ich habe den Eindruck, dass auf dieser Strecke leider so einiges schief läuft.