Premiere für LVT HS im neuen Bözbergtunnel

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LVT HS im neuen Boezbergtunnel_Vigier Rail_2020
LVT HS im neuen Bözbergtunnel. / Quelle: Vigier Rail

Die SBB realisiert seit mehreren Jahren einen 4-Meter-Korridor auf der Gotthard-Achse. So können auch vier Meter hohe Sattelauflieger mit der Bahn transportiert und damit das volle Potenzial der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) genutzt werden. Der Neubau des Bözbergtunnels zwischen Basel und Zürich, im Kanton Aargau, ist eines der grössten Einzelprojekte dieses Ausbaus. Der bestehende Tunnel aus dem Jahr 1875 ist nicht 4-Meter-tauglich. Dieser wird nun durch eine parallele, 2,7 Kilometer lange, neue Doppelspur-Röhre ersetzt und künftig als Dienst- und Rettungsstollen genutzt. Am neuen Bözbergtunnel wird seit Herbst 2015 gearbeitet. Der reguläre Betrieb wird wie geplant zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 aufgenommen.

Durch die geologischen Gegebenheiten im Berg wird während der gesamten Lebensdauer des Tunnels in manchen Bereichen eine Hebung der Tunnelsohle von bis zu 26 mm erwartet. Das ursprünglich geplante Schottergleis kann bei solchen Vorfällen durch Stopfen sehr gut an die neue Situation angepasst werden. Die SBB bevorzugt jedoch in langen Tunneln eine Feste Fahrbahn. Deshalb haben die SBB und Vigier Rail gemeinsam den neuen LVT-Stützpunkt HS (Hohe Schultern) entwickelt, der perfekt auf die aussergewöhnlichen Anforderungen des Projekts ausgerichtet ist. Höchste Flexibilität ist einer der zahlreichen Vorteile des LVT-Systems, wodurch massgeschneiderte Lösungen für jeden Bedarf möglich sind.

LVT HS kann Hebungen und zugleich mögliche Setzungen in anderen Bereichen ausgleichen. Der neue Stützpunkt hat erhöhte Betonschultern, so dass die bereits ab Werk in der Schienenbefestigung vormontierten Ausgleichsplatten, sogenannte APW, die auftretenden Kräfte aus Zugsüberfahrten sicher in den Betonblock ableiten können. Um das Gleis wieder in die richtige Lage zu bringen, können im Fall einer Hebung der Tunnelsohle die Ausgleichsplatten wieder schrittweise entnommen und im Fall von Senkungen der Sohle von bis zu 25 mm HDPE-Platten in den Gummischuh des LVT-Stützpunkts eingelegt werden. In beiden Fällen kann die Anpassung am Gleis in kurzen Nachtsperrpausen ohne den Einsatz von Grossmaschinen und ohne Arbeiten am Fahrbahnbeton ausgeführt werden.

Im September 2019 begann der Einbau der Schotterzulaufstrecke und der Festen Fahrbahn LVT. Hierfür lieferte Vigier Rail B91-Streckenschwellen und mehr als 13’000 LVT-Stützpunkte. Neben der Spezialausführung LVT HS kommen auch andere Varianten des LVT-Systems wie LVT Standard und – im Bereich der Gleisquerungen bei den fünf Notausgängen – LVT Traffic zum Einsatz.

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