Sichere Zufahrtsachsen nach Zermatt

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Der Bund, der Kanton Wallis und die Einwohnergemeinde Zermatt haben sich auf die Bedingungen für den Bau des neuen Bahntunnels «Unnerchriz» zwischen Täsch und Zermatt mit einem Investitionsvolumen von ca. 327 Millionen Franken geeinigt: Der motorisierte Strassenverkehr zwischen den beiden Ortschaften bleibt im gleichen Rahmen wie bisher eingeschränkt und bewilligungspflichtig, die Zufahrtsstrasse soll aber durch den Bau von zwei Lawinenschutzgalerien sicherer gemacht werden.

Im Juni 2019 hat das Bundesparlament im Rahmen des Bahn-Ausbauschritts 2035 beschlossen, zwischen Täsch und Zermatt einen neuen Eisenbahntunnel zu bauen. Der «Unnerchriz»-Tunnel kostet rund 327 Millionen Franken. Die Investition des Bundes wurde durch den Bundesrat und das Bundesparlament an die Bedingung gebunden, dass die Strassennutzung im bisherigen Rahmen eingeschränkt bleibt. Auf diese Weise soll die Wirtschaftlichkeit der Investition des Bundes gesichert werden. Seit Juni 2019 arbeiteten Bund, Kanton und Einwohnergemeinde Zermatt an einer Vereinbarung mit dem Ziel, diese Vorgabe zu konkretisieren.

Der Prozess konnte nun erfolgreich abgeschlossen werden und der Inhalt der zukunftsgerichteten Vereinbarung wurde von allen Vertragspartnern, dem Bund, dem Kanton und der Einwohnergemeinde Zermatt verabschiedet. Die in dieser Vereinbarung enthaltenen Elemente wurden am 25. Juni 2020 der Urversammlung der Gemeinde Zermatt vorgestellt. Die Einwohnergemeinde Zermatt wird diese Vereinbarung nun unterzeichnen. Das Abkommen tritt in Kraft, sobald es von den drei Partnern formell ratifiziert und vom Grossen Rat genehmigt worden ist. Es wird 25 Jahre nach der Inbetriebnahme des Eisenbahntunnels «Unnerchriz» enden.

Die Ausgangslage

Der Walliser Staatsrat hat den aktuellen Beschluss betreffend die Beschränkungen des Motorfahrzeugverkehrs auf der Strasse Täsch-Zermatt bereits im Jahre 1978 erlassen. Eine Vereinbarung mit dem Bund aus dem Jahr 2004 legt fest, dass der Kanton während mindestens 25 Jahren nach Bauabschluss des Top Terminals Täsch nur Arbeiten zur Substanzerhaltung der Strasse vornehmen darf.

Die Einwohnergemeinde Zermatt fordert seit langem die durchgehend sichere Erreichbarkeit durch Bahn und Strasse, um damit die Versorgung und Erreichbarkeit zu gewährleisten, ohne dabei die einmalige Autofreiheit im Dorf zu gefährden.

Die wichtigsten Eckpunkte der Vereinbarung

Der Bund verpflichtet sich, im Rahmen des Bahn-Ausbauschritts 2035 den Bahntunnel «Unnerchriz» zwischen Täsch und Zermatt zu finanzieren. Vom Baubeginn bis hin zur Realisierung werden gut 10 Jahre vergehen. Ferner ist zusammen mit dem Kanton und der Matterhorn-Gotthard-Bahn eine effiziente Anbindung des Güterumschlags in Zermatt an die Bahn sicherzustellen.

Der Kanton Wallis wird die nötigen Erneuerungs- und Instandsetzungsarbeiten sowie den Unterhalt des Strassenabschnitts von Täsch nach Zermatt ausführen. Für diese Aufgabe werden zusätzliche Ressourcen bereitgestellt. Nebst verschiedenen verkehrs- und sicherheitstechnischen Bauwerken werden die beiden Lawinenschutzgalerien «Lüegelti» und «Schusslowina» geplant. Deren Verpflichtungskredit und Realisierungsplan werden dem Grossen Rat bis im November 2021 unterbreitet. Die Umsetzung der beiden Galerien ist bis 2028 vorgesehen, die Baukosten werden rund 30 Millionen Franken betragen. Damit der Kanton künftig die notwendigen Investitionen in die Sicherheit und den Ausbau der Strasseninfrastruktur vornehmen kann, wird durch die neue Vereinbarung der Art. 16 der Vereinbarung von 2004 als nicht mehr anwendbar erklärt und somit aufgehoben. Dieser Artikel sah vor, dass der Kanton nur Arbeiten zur Substanzerhaltung der Strasse vornehmen konnte.

Trotz dieser Ausbauten bleibt die Strasse Täsch – Zermatt für den motorisierten Verkehr im bisherigen Rahmen eingeschränkt und bewilligungspflichtig. Bewilligt werden können insbesondere Fahrten von Rettungsdiensten, Unternehmen oder Personen mit regelmässiger beruflicher Tätigkeit in Zermatt, Anwohnern der Strasse Täsch – Zermatt auf Gebiet der Gemeinde Täsch, Einwohnern mit einem Haupt- und Zweitwohnsitz in Zermatt, Haltern von Landwirtschaftsfahrzeugen für Einsätze in Täsch oder Zermatt sowie Behörden und Bahn-Mitarbeitenden. Die Anzahl Fahrten zwischen Täsch und Zermatt wird mit einem Verkehrsmonitoring überwacht. Gemäss den Messungen des Kantons Wallis im 2019 verkehren heute pro Tag und Richtung im Durchschnitt 1’070 Fahrzeuge zwischen Täsch und Zermatt. Auf der Basis dieser Messergebnisse und der Verkehrsperspektiven 2040 des Bundes wird das Monitoring unter Berücksichtigung der Entwicklung von Zermatt ausgerichtet.

Die Einwohnergemeinde Zermatt ihrerseits strebt eine Aufwertung des gesamten Quartiers Spiss an. Südlich des Quartiers Spiss bleibt Zermatt auch langfristig für jeglichen motorisierten Individualverkehr gesperrt. Mit einer gemeindeweiten Begegnungszone soll dem Fussverkehr eine noch grössere Wichtigkeit eingeräumt werden.

Ein Überprüfungsmechanismus wurde festgelegt, damit die Vereinbarung bei veränderten Verhältnissen im Einverständnis aller Vertragsparteien angepasst werden kann. Sollte der Grosse Rat die Vereinbarung nicht genehmigen oder der Kanton Wallis vor Ablauf der Vereinbarung die Strasse Täsch–Zermatt für den Verkehr öffnen, verpflichtet sich der Kanton zu einer Rückerstattung der angefallenen Planungskosten oder der effektiven Investitionskosten des Bahntunnels pro rata temporis.

Dieses Projekt ist der konkrete Ausdruck eines seit mehreren Jahren von Bund, Kanton und Gemeinde geäusserten Wunsches, die Schienen- und Strassenanbindung von Zermatt zu verbessern und zu sichern.

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