Basler Heimatschutz zum geplanten Umbau des Westflügels des Bahnhofs Basel SBB

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Die restaurierten Wandbilder in der Schalterhalle des Bahnhofs Basel SBB. / Quelle: SBB CFF FFS

Der Heimatschutz Basel fordert für die fünf Jahren des Migros-Provisoriums in der Schalterhalle des Bahnhofs Basel SBB den respektvollen Umgang mit dem historisch bedeutenden Bahnhofgebäude. Er verzichtet aber auf eine Einsprache.

Der Ausbau der kommerziellen Nutzungen im Untergrund des Westflügels des Bahnhofs SBB führt dazu, dass die grosse Schalterhalle des denkmalgeschützten Gebäudes mit Verkaufsständen vollgestellt wird. Der Bahnhof Basel SBB wird umgebaut zu einem von der Migros dominierten Einkaufszentrum mit Bahnanschluss. Werbeboards, die bis jetzt nicht korrekt bewilligt wurden, bombardieren die Bahnkunden mit bewegten Bildern. Der Heimatschutz Basel ist der Meinung, dass auch in Zeiten eines Provisoriums ein respektvoller Umgang mit einem historisch bedeutenden Gebäude zu fordern ist.

Die SBB zeigen in ihrer neuesten PR-Kampagne zur Kundenzufriedenheit neben anderem eine leere Bahnhofhalle, in der gerade das letzte Papierchen weggeputzt wird. Die Wirklichkeit sieht anders aus. In Basel ist die Schalterhalle des denkmalgeschützten Bahnhofs und die Passerelle dekoriert mit Verkaufsständen, Hinweisschildern und Panels, auf denen Werbefilme laufen. Besonders lästig ist der Bildschirm über dem Abgang von der Passerelle, dessen Botschaften die Bahnkunden kaum ignorieren können, weil sie direkt darauf zu laufen.

In den nächsten fünf Jahren wird es noch viel schlimmer. Die SBB haben Mitte März das erste Baugesuch für den Umbau des Westflügels des Bahnhofgebäudes eingereicht. Auf der Basis des vom Grossen Rat 2010 beschlossenen Bebauungsplans 191 wird der Bahnhof kommerziell aufgerüstet. Der Migros-Supermarkt, bis jetzt im ehemaligen Bahnhofbuffet 1. Klasse untergebracht, erhält ein Untergeschoss unter dem Westflügel, der zu diesem Zweck komplett geräumt werden muss. Für die Bauzeit müssen die bestehenden Geschäfte und Verkaufsstände im gesamten verbleibenden Bahnhofsareal bis auf die Gundeldinger Seite verteilt werden. Der grösste Teil allerdings, soll in die Schalterhalle verfrachtet werden. Der Migrosladen wird zwischen der Halle und den Geleisen untergebracht. Eine breite Glasfront mit Ein- und Ausgang wird dort eingebaut, wo es heute noch Sitzbänke hat. Die Fussgänger- und Behindertenrampe dahinter, die auf die Passerelle führt, wird aufgehoben.

Besonders beeinträchtigend und problematisch wird die Situation für den Eingangsbereich der Schalterhalle. Der historische Billettschalter mit seinen schönen hölzernen Bögen verliert seine Funktion, wird eingepackt und mit einem unschönen, gestalterisch banalen Vorbau als Migros–Take-away gebraucht. Die Geruchsbelästigungen und das Gedränge am heutigen Take-away im Durchgang zum Elsässerbahnhof wird in die heute schon arg vollgepackte Schalterhalle verlegt. Da sich in der Mitte der Halle der Treppenabgang zu den Parkings befindet, dürfte es hier noch enger werden, zumal unmittelbar dahinter noch ein Bancomatcontainer aufgestellt wird. Weitere Verkaufsstände werden der Fassade auf der Westseite der Schalterhalle, wo sich heute der Migrosladen und der Durchgang zum Elsässerbahnhof befinden, vorgelagert, was ebenfalls die Fussgängerströme beeinträchtigen dürfte. Das sind natürlich Probleme, welche die SBB als Hausherr und Verkehrsunternehmen bewältigen und verantworten muss. Aber es droht die Gefahr, dass sich die Passagiere den Weg zu den Zügen durch eine hässliche Shopping-Meile mit Werbebombardement suchen müssen.

Das alles ist nur erträglich, wenn die SBB ihr Versprechen wahr machen, durch den Umbau den architektonischen und historischen Charakter des Bahnhofgebäudes, das seit 1987 unter Denkmalschutz steht, stärker hervortreten zu lassen. Gemäss den Ankündigungen wird der Durchgang zum Elsässerbahnhof von seinen Einbauten befreit und wieder auf die volle Höhe gebracht. Ebenso soll die Halle vor dem Elsässerbahnhof von den hässlichen Einbauten beim SNCF-Eingang befreit werden. Es wird darauf zu achten sein, dass diese schöne freie Fläche nicht gleich wieder mit Werbeplunder aufgefüllt wird.

Das detaillierte Umbaukonzept ist noch nicht publiziert. Es soll jedenfalls mehr Verkaufsfläche im Untergeschoss geschaffen werden, was grundsätzlich zu begrüssen ist, auch wenn mit teuren und statisch aufwendigen Bauarbeiten zu rechnen ist. Dass die SBB ihre grossen Bahnhöfe kommerziell nutzen will und dass diese Angebote beim Publikum meist auch beliebt sind, ist nicht mehr zu bestreiten. Nach Auffassung des Heimatschutzes geht es aber um das verträgliche Mass. Der Bahnhof darf nicht zu einem Ort werden, den man nur noch fluchtartig verlassen will.

Mit der längst fälligen Renovation der Wandgemälde in der Haupthalle haben die SBB 2015 einen positiven Akzent gesetzt. Leider wurde dieser durch das Anbringen eines Boards mit Werbefilmen neben dem neuen Generalanzeiger mit den Abfahrtszeiten der Züge wieder getrübt. Eine gemäss Verordnung notwendige Bewilligung durch die Denkmalpflege lag dafür nicht vor. Der Departementsvorsteher erteilte sie gleich selber. Unklar ist auch, ob für den bereits erwähnten Werbebildschirm auf der Passerelle über dem Treppenabgang in die Schalterhalle je eine Bewilligung erteilt wurde. Im Zweifelsfall neigen die SBB zum Herr-im-Haus-Standpunkt und ignorieren die Anliegen der Denkmalpflege.

Der Heimatschutz appelliert an das zuständige Bau- und Verkehrsdepartement, seinen Einfluss geltend zu machen und den Umbau des Bahnhofs nicht nur aus der Perspektive der Wirtschaftsförderung zu betrachten, sondern auch den denkmalschützerischen Anforderungen die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

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