FART Unfallstelle Corcapolo_SUST_26 4 16
Blick auf die Unfallstelle zwischen Corcapolo und Intragna. / Quelle: SUST

Am 26. April 2016, um ca. 08:32 Uhr, stiessen im Centovalli zwischen den Bahnhöfen Corcapolo und Intragna zwei Regionalzüge auf offener Strecke frontal zusammen. Dabei wurden fünf Personen leicht verletzt. Am Rollmaterial entstand beträchtlicher Sachschaden. Die Bahninfrastruktur wurde nicht beschädigt.

Untersuchung

Die Meldung der Kollision von zwei Regionalzügen zwischen Corcapolo und Intragna traf am 26. April 2016 um 08:43 Uhr bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST ein. Es wurde gleichentags eine Untersuchung eröffnet.

Für die Untersuchung standen folgende Grundlagen zur Verfügung:

  • Faktenaufnahme vor Ort;
  • Fahrdaten der beiden Züge;
  • Befragungen des beteiligten Personals;
  • Gleis-, Block- und Signalpläne des Streckenabschnittes;
  • Technische Beschreibungen des Stellwerks;
  • Technische Beschreibungen des Achszählersystems;
  • Untersuchung der Funktionsweise der Streckenblockeinrichtung;
  • Hoheitliche und interne Regelungen für den Eisenbahnbetrieb.

Ursachen

Die Kollision von zwei Regionalzügen auf der Strecke zwischen Corcapolo und Intragna ist darauf zurückzuführen, dass ein Eingriff in die Sicherungsanlage vorgenommen wurde, ohne die Zuglage abzuklären und die Anlage im Auftrag des Fahrdienstleiters in den Ortsbetrieb zu schalten. In der Folge stellte die Stellwerkautomatik, aufgrund der manuellen Grundstellung des falschen Blockabschnittes, das Ausfahrsignal in Corcapolo auf «Fahrt», worauf ein Zug in einen Streckenabschnitt fuhr, in dem bereits ein Gegenzug unterwegs war.

Zum Unfall haben beigetragen:

  • Sicherungsanlagen mit eingeschränkter Funktionalität, die Ortsbedienungen nötig machen und dem Fahrdienstleiter in der Betriebszentrale wenig Möglichkeiten geben, um in den Betriebsablauf einzugreifen.
  • Streckenabschnitte ohne Gleisfreimeldesysteme, bei denen die Grundstellung des Streckenblocks genügt, um die Strecke frei zu melden.
  • Der von den Mitarbeitern des Störungsdienstes selbst auferlegte Zeitdruck.

Nicht ursächlich, aber auch nicht verhindernd, war, dass die Monteure des Störungsdienstes nicht wie vorgesehen ein Funkgerät auf sich trugen, und beim Feststellen der Gefahr die Lokführer nicht zum Anhalten auffordern konnten.

Sicherheitsempfehlungen und Sicherheitshinweise

Mit dem Schlussbericht werden weder Sicherheitsempfehlungen noch Sicherheitshinweise ausgesprochen.

Beteiligte Unternehmen:

  • Eisenbahnverkehrsunternehmen und Infrastrukturbetreiberin: FART SA, Locarno

Beteiligte Fahrzeuge:

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