Jahresmedienkonferenz: SBB Historic ist in Windisch gut angekommen

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Die Stiftung Historisches Erbe der SBB hat vor Jahresfrist den Auszug aus der Hauptstadt gewagt und die Kräfte neu in Windisch/AG gebündelt. Mit Erfolg. Im ersten Geschäftsjahr war SBB Historic überaus aktiv und fand auch international grosse Anerkennung: Einerseits wurde die Stiftung in Deutschland mit der renommierten Auszeichnung „Wirtschaftsarchiv des Jahres“ geehrt, andererseits sorgte eine historische Fahrt mit dem „Krokodil“ bis hinauf nach Schweden für helle Begeisterung unter Eisenbahnfans. Besonders erfreulich: SBB Historic verzeichnet ein wachsendes Interesse von Universitäten und Hochschulen.

„Wir sind in Windisch angekommen. Im doppelten Wortsinn“

, freute sich Stiftungsratspräsident Werner Nuber am 11. Mai 2016 vor den Medien.

Die Stiftung Historisches Erbe der SBB – kurz: SBB Historic – war nach einer riesigen Umzugsaktion ihrer Sammlungen, Bibliothek, Archive und Arbeitsplätze Ende 2014 nach Windisch bereits anfangs Januar 2015 wieder einsatzbereit. Ab Februar standen auch die neuen Publikumsräume der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Geschaeftsbericht 2015_SBB Historic
Cover des Geschäftsberichts 2015 von SBB Historic. / Quelle: SBB Historic

Viel Beachtung auch am neuen Ort
Obwohl nicht mehr mitten in der Hauptstadt, sondern neu unweit des Bahnhofs Brugg gelegen, wurden Sammlungen, Bibliothek und Archive auch im zurückliegenden Geschäftsjahr gut nachgefragt und genutzt. Dabei wurden im Lesesaal zwar etwas weniger individuelle Besucherinnen und Besucher gezählt. Dafür nahm die Zahl der Führungen und der Teilnehmenden an diesen Führungen deutlich zu. Die Erlebnisfahrten mit historischem Rollmaterial erfreuten sich viel Publikumszuspruchs, und die Führerstandfahrten waren ausnahmslos ausgebucht. Allgemein waren die von SBB Historic durchgeführten Publikumsanlässe gut besucht. Allein zum Eröffnungsfest der neuen Räumlichkeiten erschienen im Mai 2015 gut 2000 Bahninteressierte und Sympathisanten.

Gut angekommen in Windisch ist die Stiftung aber laut ihrem Präsidenten auch bei den neuen Nachbarn.

Die vielen positiven Reaktionen aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft in der Region hätten gezeigt, dass – so Werner Nuber:

„es ein guter und wichtiger Schritt war, hierher zu kommen.“

Wohl auch dank der direkten Nachbarschaft zur Fachhochschule Nordwestschweiz und den deutlich kürzeren Distanzen zu den Universitäten und Hochschulen im Grossraum Zürich verzeichnete die Stiftung in den letzten Monaten ein spürbar wachsendes Interesse der Wissenschaft an der Arbeit und an den Sammlungen und Archiven von SBB Historic.

„Wirtschaftsarchiv des Jahres 2015“

Zusätzlich zu diesen Aktivitäten verzeichnete die Stiftung 2015 zwei Ereignisse, die das zurückliegende Jahr nach Ansicht von Geschäftsleiter Walter Hofstetter:

„für viele von uns wohl zum unvergesslichen Jahr machten.“

Da war einerseits die hohe Auszeichnung durch den renommierten Fachverband der deutschen Wirtschaftsarchivare. Die Vereinigung mit rund 400 Mitgliedern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vergab zum ersten Mal in ihrer über fünfzigjährigen Geschichte ihre Auszeichnung zum „Wirtschaftsarchiv des Jahres“ in die Schweiz: SBB Historic wurde für ihre engagierte und aufwändige Arbeit zur Restaurierung und Wiederaufführung des Expo-1964-Films „Rund um Rad und Schiene“ prämiert – einem Film, den Walt Disney damals im Auftrag der SBB in einer 360°-Panorama-Technik produziert hatte und der sich an der damaligen Expo als eigentlicher Publikumsrenner entpuppte.

Mit dem Krokodil bis nach Schweden
Für Walter Hofstetter und sein Team unvergesslich bleibt auch die Fahrt des legendären „Krokodils“ (Ce 6/8 III 14305) von SBB Historic in den hohen Norden zum Eisenbahnfest „100 Jahre elektrische Züge“ in Schweden. Auch eine Panne der 90-jährigen Lokomotive, die sich nur mit viel Improvisationsbereitschaft und riesigem persönlichen Engagement aller Beteiligter beheben liess, konnte die Erfolgsfahrt des Schweizer Krokodils nicht stoppen: Entlang der ganzen langen Strecke reihten sich Tausende von Amateurfotografen auf, um ein Bild der historischen Fahrt zu schiessen. Und bei der Ankunft im schwedischen Gävle wurde die Schweizer Lokomotive von einer riesigen Menschenmenge begeistert in Empfang genommen.

Neue Möglichkeiten am Gotthard
Auch 2016 sieht sich SBB Historic vor grossen Herausforderungen. Namentlich die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten eines (historischen) Bahnangebots auf der alten Gotthard-Bergstrecke haben der Stiftung in den letzten Monaten viel Arbeit und auch Kopfzerbrechen beschert. Inzwischen steht das Angebot: Einerseits wird SBB Historic im Rahmen des Gesamtprojektes „Swiss Rail Park St. Gotthard“ auf der Gotthard-Bergstrecke ab Norden dem interessierten Publikum historischen Erlebnisfahrten anbieten. Anderseits soll im Eisenbahndepot Erstfeld neben den historischen Fahrzeugen eine eigentliche Ausstellung eingerichtet werden für szenische und thematische Führungen durch die Remise.

Herausforderungen technischer …
Zunehmend Schwierigkeiten bereitet SBB Historic die Aufrüstung des Schienennetzes mit dem elektronischen Zugsicherungssystem ETCS Level 2. Die Inseln auf dem Schweizer Schienennetz, die mit Lokomotiven ohne entsprechende fahrzeugseitige Einbauten noch befahren werden können, werden immer kleiner und geringer an der Zahl. SBB Historic beschloss daher 2015, den beim Publikum äusserst beliebten TEE-Zug (RAe TEE II 1053) mit ETCS Level 2 auszurüsten. Die damit verbundenen hohen Kosten verhindern es, darüber hinaus weitere historische Loks entsprechend nachzurüsten. Als Alternative besteht für diese Züge die Möglichkeit, sich von vorgespannten modernen Lokomotiven über die mit ETCS Level 2 ausgerüsteten Strecken ziehen zu lassen. Präsident Nuber sprach dabei von einer „wenig befriedigenden Kompromisslösung“.

Positiv zeigte sich Nuber im Hinblick darauf, dass sich die Situation in ein paar Jahren:

„insofern etwas entspannen wird, als wir dann die ersten von der SBB ausgemusterten ETCS-umgerüsteten Lokomotiven erhalten werden.“

… und regulatorischer Art
Neben den technischen gibt es zudem auch regulatorische Entwicklungen, die SBB Historic und zahlreiche andere historische Bahnen Europas herausfordern. Die im Rahmen der Revision der europäischen Eisenbahnverordnung vorgesehene Verschärfung der Unterhaltsstandards für Rollmaterial ist mit hohen zusätzlichen Kosten verbunden. SBB Historic verlangt gemeinsam mit europäischen Partnerinstitutionen, dass historische Fahrzeuge vom aufwändigen Unterhaltsstandard ECM auszunehmen seien.

Andernfalls würden die Zusatzkosten laut Präsident Nuber:

„die Möglichkeiten unserer Stiftung deutlich übersteigen.“

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